Was kostet Wuppertal die „Reformationsstadt“?


Neulich wurde die Reformation in Wuppertal entdeckt, genau genommen nicht IN sondern eigentlich FÜR Wuppertal (1). Nach dem Mikrozensus 2011 leben somit über 200.000 Menschen unter dem Label „Reformationsstadt“, ohne dass sie damit weiter etwas zu tun hätten: 80.000 Katholiken, 20.000 Muslime, 10.000 Orthodoxe, ferner einige Tausend Juden, Buddhisten und andere und dann auch noch 90.000 konfessionsfreie Menschen. Rund zwei Drittel der Bevölkerung in Wuppertal sind also Nicht-Lutheraner.

Refo-Stadt AusfahrtEs ist nicht bekannt, inwieweit an dieser Entdeckung auch Wuppertaler/innen beteiligt waren. Jedenfalls will die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) „das erlebnisreiche Zusammenspiel von Kunst, Kultur und Spiritualität [unterstützen] und fördert Geschichtsabenteuer und Tourismus in den Städten der Reformation.“ Dazu bietet die GEKE teilnehmenden Städten die „Nutzung der Wort-Bild-Marke ‚Reformationsstadt Europas’” an. (2)

Was kostet die Nutzung dieses Labels wohl?
Zur Förderung von „Geschichtsabenteuern“? Man darf letztlich gespannt sein, aus welchem Etat die klamme Stadtkasse die „Lizenzgebühr“ abzweigen wird. Welche Ratsfraktion hat den Mumm, diese Sache zum Thema zu machen?

Erst kürzlich sind einige Tausend Wuppertaler/innen der Intoleranz entschlossen entgegen getreten. Da hatten Salafisten und selbst ernannte Retter des „christlichen Abendlandes“ öffentlich provoziert. Die Betonung religiöser Identität verträgt sich nicht gut mit Weltoffenheit.

Die Stadt hat auch in ihrer Geschichte eine ansehnliche Reihe von Frauen und Männern hervorgebracht, die sich um die Aufklärung und den Humanismus verdient gemacht haben. Manche Namen dürften gut bekannt sein. Sie sind für freidenkerische und freigeistige Ideale unerschrocken eingetreten und mussten dafür oft Verfolgung und andere Nachteile in Kauf nehmen.

Wuppertal humanistischEingedenk dieser Wuppertaler/innen könnte auch der Namenszusatz „Stadt des Humanismus“ ein Ansporn sein und Vorbilder öffentlich in Erinnerung rufen. Die Nutzung dieses Labels wäre am Ende kostenlos.


(1) www.evangelisch-wtal.de/index.php/aktuelle-meldungen-leser/auszeichnung.html
(2) www.reformation-cities.eu

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