Wir haben zwei Staatskirchen …


 … sagt Frau Matthäus-Maier von Giordano-Bruno-Stiftung und verweist auf eine Studie zur Machtstellung von Katholiken und Protestanten in der Bundesrepublik.

Interview von Gitta Düperthal in der Tageszeitung „Junge Welt“ am 11.11.2015 

Trotz schwindender Verankerung in der Gesellschaft beeinflussen die Kirchen Bereiche des Lebensalltags maßgeblich, die kürzlich veröffentlichte Studie »Kirchenrepublik Deutschland«.

Wie drängen sich die Kirchen in den Vordergrund?

Die Machtstellung der Kirchen ist vor allem auf umfangreiche Lobbyarbeit zurückzuführen. Dies belegt die vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) in Auftrag gegebene und von unserer Stiftung unterstützte Studie des Sozialwissenschaftlers und Kirchenkritikers Carsten Frerk.
Keine Organisation und kein Wirtschaftsunternehmen setzt mehr Personal dafür ein, auf die Politik einzuwirken als die beiden großen Kirchen, obgleich sie ins sogenannte Lobbyistenregister nicht eingetragen sind. Sie bestreiten das und behaupten, eine öffentliche Körperschaft zu sein, keine kommerziellen Interessen zu vertreten. Was lächerlich ist.
Die Kirchensteuer und ihr riesiges Grundvermögen – nach dem Staat sind sie der zweitgrößte Grundbesitzer in Deutschland – zeigen: Katholiken und Protestanten mischen sich ein. Meist, bevor eine Entscheidung in die politische Diskussion kommt: nahezu geräuschlos, aber ständig und vehement in Vorgesprächen, Arbeitskreisen zu Staat und Kirche, Gebetsfrühstücken. Sie laden Professoren ein, sind Beichtvater vieler Abgeordneter, hören Dinge, die andere nicht wissen können. Sie werden von der Ministerialbürokratie informiert, können schnell reagieren.
Frerk beschreibt sogar, wie ein Kirchenvertreter einen Ministerialbeamten privat angeschrieben hat, damit niemand merkt, in welch massiver Form sich die Kirchen betätigen, um ihre Interessen zu wahren.

Hier geht das Interview weiter.

In seinem Buch „Kirchenrepublik Deutschlandbeschreibt Carsten Frerk erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik, wie die Kirchen systematisch Einfluss auf die Politik nehmen. Er stellt dar, welche Gremien dazu eingerichtet wurden (etwa die katholischen und evangelischen Büros), über welche Kanäle die Kirchen ihre Informationen erhalten, welche Strukturen begünstigen, dass politische Entscheidungen im Sinne der Kirchen ausfallen.

Hierbei wird deutlich, dass die Kirchen – wo es um ihre ureigenen Belange als Organisationen geht – die erfolgreichsten Lobbyisten der Republik sind. Das Buch schafft Problembewusstsein für Ämterverquickung und „Seitenwechsler“, fordert Befangenheitsregeln für Parlamentsabgeordnete und thematisiert den „gekaperten Staat“.

Zur aktuellen Studie von C. Frerk fördert auch der Humanistische Verband in NRW Veranstaltungen und Lesungen mit dem Autor in Bochum, Düsseldorf und Köln.

Hier geht es zum Veranstaltungsinfo.

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