Atheisten wollen ein Kirchengebäude übernehmen


Seit längerem sind religionsfreie Bürger/innen und Humanist/innen in Wuppertal und Umgebung auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für ihre zahlreichen Veranstaltungen: Hochzeiten, Namensfest, Trauerfeiern und auch Informationsveranstaltungen. Statt auf Bürgerzentren u.ä. zurückzugreifen, käme ein ansprechend hergerichteter Ort infrage. Mit weiter anwachsendem Besucherandrang ist zu rechnen, da die konfessionsfreien Mitbürger bereits im kommenden Jahr die größte weltanschauliche Gruppierung in der Stadt darstellen wird – und nicht mehr die Evangel. Kirche.

In Belgien und Luxemburg werden vergleichbare säkulare Begegnungsstätten aus öffentlichen Mitteln finanziert. Dann könnten alle humanistischen Feierlichkeiten in Wuppertal zentral abgehalten werden. Beliebt sind die Feiern zu Sommer- und Winter-Sonnenwende sowie die alljährliche Jugendfeier. Gerade die Jugendfeier erfreut sich in den letzten Jahren im ganzen Bergischen Land zunehmender Nachfrage, bei der alle Jugendliche ihren Übergang in das Erwachsenenleben religionsfrei begehen können.

IMG_0396 - KopieWünschenswert wäre eine Anlage mit angegliederter Gastronomie und weiteren Räumen, auch für eine Bibliothek bzw. Mediensammlung. Ursprünglich gab es auch die Idee, ein Seminarhaus mit Unterkünften einzubeziehen. Aber das Projekt soll schrittweise umgesetzt werden; untern den Beteiligten ist die Diskussion noch nicht abgeschlossen. Der „Säkulare Rat Bergisches Land“ will in seiner Sitzung am 1. April zu weitreichenden Vereinbarungen kommen.

Für die Realisierung käme z.B. ein Gebäude der Neuapostolischen Kirche in Wuppertal-Heckinghausen *) aus den 80er Jahren infrage. Darin finden rd. 150 Zuhörer Platz und es gibt weitere Nebenräume. Bereits seit Jahren wird ein Kaufinteressent gesucht, da die örtliche Gemeinde mit Wuppertal-Ost fusioniert hat. Die Mitgliederzahlen aller christlichen Religionsgemeinschaften befinden sich seit geraumer Zeit im Sinkflug, so müssen sich die frommen Gemeinschaften immer wieder von einer Sakral-Immobilie trennen.

IMG_0394 - KopieAuch die Mitgliederzahlen der Kath. Kirche fallen seit Jahren kräftig. So könnte auch die Christ-König-Kirche *) überraschend zum Verkauf stehen. Dieses schlichte Gebäude aus den 50er Jahren beherbergt derzeit ein katholisches Gotteshaus auf den Wuppertaler Nordhöhen. Schön gelegen umfasst die Anlage auch weitere ansprechende Räumlichkeiten.

Die steigenden Mitgliederzahlen und erwartete Erbschaften können den säkularen Vereinigungen in Wuppertal die Möglichkeit eröffnen, in konkrete Planung zu treten. Involviert sind der Humanistische Verband Wuppertal / Bergisches Land, die Freidenker, die Freunde der Giordano-Bruno-Stiftung in Wuppertal sowie das Forum „Religionsfrei leben im Bergischen Land“. Ein eindrucksvoller Zuspruch der ersten „Sunday Assembly“ (gottlose Sonntagsfeier) mit über 200 Besucher/innen in der Wagenhalle der Alten Feuerwache in Wuppertal könnte für dieses Bau-Projekt den Ausschlag gegeben.

Vorläufig ist es angedacht, die Eröffnung im Jahr 2017 mit einem großen säkularen Fest zu begehen. So könnte z.B. eine säkulares „Helene-Stöcker-Haus“ eingeweiht werden. Immerhin ist diese bekannte Dame in Wuppertal geboren und hat sich zeitlebens für Frauenrechte und sexuelle Selbstbestimmung eingesetzt. Je nach Fortgang der Verhandlungen und notwendiger Umbauarbeiten könnte es zum 14. April, dem Hasenfest, etwas werden oder spätestens zum Welt-Humanistentag am 21. Juni. Sobald der erste „Spatenstich“ ansteht, wird die Öffentlichkeit entsprechend informiert.

*) Fotos der Immobilien: Schnurstraße und Nevigeser Str. 300 in Wuppertal

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