Protestanten distanzieren sich von Luther


Die protestantische Kirche der Niederlande (PKN) hat am 11. April eine Pressemitteilung herausgegeben und sich von antisemitischen Schriften Martin Luthers distanziert. Äußerungen des Kirchenreformators über Juden seien widerwärtig und unzulässig. Luther hatte unter anderem dazu aufgerufen, Synagogen in Brand zu stecken, Juden zu enteignen und sie zu vertreiben. Die Kirche erklärte, Luthers Schriften hätten zu einem Klima beigetragen, das später den Holocaust ermöglicht habe.

lutherDie Neupositionierung der Evang. Kirche in der BRD zum Judentum begann sehr spät. Luthers judenfeindliche Schriften waren natürlich bekannt, wurden aber nicht herausgegeben oder nach außen hin sichtbar als Last des Protestantismus aufgearbeitet. 1982 hatte der Lutherische Weltbund „Gewisse bissige Äußerungen über die Juden“ zwar abgelehnt, aber bedauert wurde letztlich der Gebrauch dieser Äußerungen, um „den Antisemitismus zu fördern“. Noch 2008 verharmloste der damalige Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber die „gewissen bissigen Äußerungen“ mit Hinweis auf Luthers mitunter polemischer Charakter.

Aber auch seine ambivalente Rolle in den Bauernkriegen, seine beschämenden Aussagen zu den Juden, Hexen, Frauen etc. gehören in das Bild seiner Person hinein. Einige der „gewissen bissigen Äußerungen“ und „beschämenden Aussagen“ zum Umgang mit „diesem stinkenden Abschaum, diesem eingetrockneten Bodensatz, diesem verschimmelten Sauerteig und sumpfigem Morast von Judentum“ sollen hier exemplarisch wieder gegeben werden.

Auszug aus dem „Sieben-Punkte-Programm“ Luthers:
(1) ihre Synagogen oder Schulen anzünden
(2) ihre Häuser abbrechen und zerstören
(3) ihre Gebetbüchlein und Talmude wegnehmen
(4) Rabbinern bei Leib und Leben verbieten, weiterhin zu lehren
(5) das freie Geleit auf den Straßen ganz und gar verwehren
(6) man nehme ihnen alle Barschaft und Wertsachen wie Silber und Gold
(7) man soll sie ihr Brot verdienen lassen im Schweiß ihres Angesichts

Mehr und mehr Beiträge erscheinen inzwischen, die Luthers Person fragwürdig sehen. So verlagerte man den Schwerpunkt der Luther-Jubeljahre auf das Reformationsjubiläum, obwohl weiterhin von „Lutherdekade“ und von „Luther-Jahr“ die Rede ist. Die bevorstehenden Jubelfeiern sind jedenfalls recht gut dotiert mit über 100 Mio. Euro – aus allgemeinem Steueraufkommen.

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Darf man im Land des Holocaust einen Antisemiten wie Luther feiern? In Deutschland hörte man bisher wenig Kritisches zu Luther, vermutlich weil in einer Zeit abnehmender Akzeptanz gegenüber Religiösem die Monotheisten lieber näher zusammenrücken, als Klartext zu sprechen. Aber wie könnte sich Luther als Vorbild einer modernen Kirche eignen? Er steht für den intoleranten antisemitischen Ungeist des Christentums in seiner schmutzigsten und gleichzeitig wirkmächtigsten Erscheinungsform. Eine Kirche, die im Land des Holocaust moralische Instanz sein will, muss sich davon distanzieren – wie es die Niederländer beispielhaft taten.

Quelle: http://hpd.de/artikel/warum-martin-luther-antisemit-12990

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