Der Herrgott scheißt auf den größten Haufen


frerk-carsten_300x362px_webDie Kirchen erhalten 2016 eine Rekordsumme von 510.000.000 Euro an verfassungswidrigen Staatsleistungen – CDU, CSU und SPD sträuben sich im Bundestag trotzdem gegen eine Abschaffung. Alle Jahre wieder erhalten die katholische und die evangelische Kirche ihre sogenannten „Staatsleistungen“. Darauf macht der Kirchenkritiker Carsten Frerk erneut aufmerksam.

Diese Staatsleistungen haben nichts mit den 10 Milliarden Euro Kirchensteuer zu tun, die der Staat freundlicherweise eintreibt. Bei den Staatsleistungen handelt es sich um längst verjährte Entschädigungszahlungen: Im Jahr 1803 enteignete die Reichsdeputation die Reichskirche und gab hunderte Klöster und Ländereien von fast 100.000 Quadratkilometern an weltliche Fürsten. Im Gegenzug mussten die Kirchen entschädigt werden – vor über 200 Jahren.

staatsleistungenAm 15. April 2016 wurde nun im Bundestag über den Antrag der Linken debattiert, der eine Kommission zur endgültigen Abwicklung der Staatleistungen fordert. CDU, CSU und SPD sträubten sich vehement gegen eine Abschaffung der Staatleistungen.

Nun, die katholische und die evangelische Kirche erfüllen wichtige soziale Aufgaben – darunter Aufgaben, für die eigentlich der Staat zuständig ist. Ohne die Arbeit engagierter Kirchenmitglieder und kommunaler Pfarreien wäre die Hilfe für geflüchtete Menschen hierzulande sicherlich schon zusammengebrochen. Auch der milliardenschwere Vatikan hat in seinen beengten Verhältnissen in Rom immerhin 12 Syrern Asyl gewährt (zwölf!).

Die meisten Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft, etwa Kindergärten, Sozialstationen oder Krankenhäuser, werden direkt aus der Staatskasse und nicht über die Kirchen finanziert. Über den Eingangstüren hängt ein Kreuz, aber das Geld kommt vom Staat, so auch bei den sog. „Kirchentagen“. Wo Kirche drauf steht, ist meistens der Steuerzahler drin“.

Unter dem Slogan „Liberté, Egalité, Laïcité“ hat der sächsische Landesverband der Linken körzlich einen Antrag an die Bundespartei gestellt. Es wird gefordert, dass der Staat und seine Strukturen eine eindeutige bewusste Distanz zu Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften wahren und somit nicht nur eine weitgehende Religionsfreiheit, sondern auch eine umfassende „Freiheit der Religionslosigkeit“ garantieren soll. Die angestrebten Reformen sind eine klare Absage an jeden Versuch, eigene religiöse (und andere weltanschauliche) Ansprüche der gesamten Gesellschaft auf Kosten von Selbstbestimmung und persönlicher Freiheit der Einzelnen aufzuoktroieren. Der Staat sollte sich aus kirchlichen Angelegenheiten einfach raushalten – und er sollte erst recht nicht für sie blechen.

Quelle: www.heise.de/tp/artikel/48/48001/1.html