Erzdiözese München


Göttliche Buchhalter des Tages

Den Seinen gibt es der Herr im Schlaf, weiß das Bibelwort. Die Jahresbilanz der katholischen Erzdiözese München ist zwar nicht Bestandteil der Heiligen Schrift, die ja bekanntlich mit der Johannes-Apokalypse abschließt, die der Welt die völlige Vernichtung verheißt. Obwohl sie, also die Bilanz, in der Lage wäre, die Richtigkeit des biblischen Satzes trefflich zu bestätigen: Sechs Milliarden Euro besitzt der Sprengel, sogar noch eine halbe Milliarde mehr als ursprünglich bekanntgegeben, teilte der Generalvikar der Erzdiözese, Peter Beer, am Montag dem Bayrischen Rundfunk(BR) mit.

jw-kirchensteuerVieles davon ist zusammengerafft in dunklen Jahrhunderten, als die »eine, heilige, katholische und apostolische Kirche« noch die ganz große Nummer war, der größte Grundbesitzer sowieso (das ist sie, zusammen mit den Häretikern der evangelischen Kirche, in der BRD immer noch), aber auch sonst: Ablasshändel, Spenden fürs Seelenheil, Konkordatsverträge – die Liste wäre, wenn sie denn vollständig sein sollte, sehr lang.

Zumindest ein guter Teil des Reichtums fällt den Gottesleuten aber wirklich im Schlafe zu, und zwar fortgesetzt. 2015 erhielt das Erzbistum 570 Millionen Euro aus der Kirchensteuer. Die Gesamterträge einschließlich staatlicher Zuwendungen und verschiedener Erlöse betrugen rund 781 Millionen Euro, so der BR. Über 192 Millionen Euro »ungeplante Mehreinnahmen« wird sich die Diözese sicher besonders gefreut haben.

Nun wäre es verwunderlich, wenn die Sancta Ecclesia in ihrer langen Geschichte nicht ein wenig buchhalterisches Geschick an den Tag gelegt hätte – die ursprünglich jüdische Sekte hätte sonst kaum 2.000 Jahre lang durchhalten können.

Papst Franziskus, alter Kapitalismuskritiker! So lang gespart und nun nur Niedrigzinsen! Hier gäbe es doch was zu holen, um die Welt ein bisschen besser zu machen.

… gelesen am 21.06.2016 in der Zeitung „Junge Welt“

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