Schulgottes-Dienst


Schulgottesdienste vermitteln religiöse Erfahrungen, die den Religionsunterricht und das Schulleben sinnvoll ergänzen.“ So heißt es im Erlass des Schulministeriums NRW zum Schulgottesdienst vom Juni 2016. Die vorherige Fassung von 1965 kam noch ohne diese Rechtfertigung aus. Wer aber eine derartige Veranstaltung selbt erlebt hat, fragt sich nach der Substanz des Schulgottes-Dienstes. Worin genau soll die behauptete „sinnvolle Ergänzung“ liegen?

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Im bildungportal.nrw.de ist u.a. zu lesen: „Religiöse Feste im schulischen Alltag bieten Kindern und Jugendlichen vielfältige Möglichkeiten, in Gemeinschaft zu feiern.“ Auch Fächer und Jahrgänge übergreifendes sowie gemeinsames Lernen wird allenthalben propagiert und von der Schulaufsicht eingefordert, jedoch auf der Ebene der Bekenntnisse der Schüler/innen gilt dies offenbar nicht. Denn laut Erlass ist „die Teilnahme am Schulgottesdienst … nicht verpflichtend“ und dergleichen Veranstaltungen „bleiben in der Regel den bekenntnisangehörigen Schülerinnen und Schülern vorbehalten“. Gleichwohl werden aus allgemeinen Steuergeldern die Schülerfahrt-Kosten zum Schulgottes-Dienst erstattet; er findet nach entspr. Vorschrift an einem „Unterrichtsort“ statt.

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Ferner wird im Erlass geregelt, dass die Schulleitung die Zeiten für Schulgottesdienste festlegt und im Stundenplan ausweist. Um große Debatten zu vermeiden, seht die Durchführung auch gar „nicht zur Disposition … einzelner Mitwirkungsorgane“. Jedoch wird im Erlass empfohlen, „in den Mitwirkungsgremien zu beraten, um den Schulgottesdienst in das Gesamtkonzept schulischer Veranstaltungen einzubeziehen“. Sollen bei dieser Gelegenheit lästige Nachfragen seitens konfessionsfreier Eltern ggf. im Vorfeld ausgeräumt werden?

Für alle die nicht teilnehmen mögen, bestimmt der Erlass: „Für die Zeit des Schulgottesdienstes besteht die Aufsichtspflicht der Schule“. Werden dann Arbeitsblätter ausgeteilt, sprechen böse Zungen von „Heiden hüten“. Nach unserer Ansicht stehen in diesem Zusammen einige Fragen im Raum: Haben Bekenntnis freie Schüler/innen keinen Anspruch auf eine „sinnvolle Ergänzung des Schullebens“? Wieso brauchen Schüler/innen dazu einen Gott? Wo bleibt interkulturelles Lernen, wo die Integration? Ist es rechtens, dass Interessen religionsfreie Schüler/innen einfach ignoriert werden?

Wie könnten Alternativen aussehen?

In NRW sind bald 30 % der Bevölkerung religionsfrei. Daher könnte es auch alternative Lern- und Erfahrungsangebote für konfessionsfreie Schüler/innen geben – altersangemessen und in allen Jahrgängen. In anderen Bundesländern führt der Humanistische Verband seinen Lebenskundeunterricht durch. In Berlin gibt es für konfessionsfreie Schüler/innen auf Antrag unterrichtsfrei am Welthumanistentag (21. Juni), um über Zusammenhalt und Miteinander unserer Gesellschaft nachzudenken und humanistische Feierkultur zu pflegen. Die beliebten Oberstufentage könnten mit weltlich-philosophischer Fragestellung unter Mitwirkung einer säkularen Einrichtung realisiert werden statt ausschließlich unter kirchlicher Regie und Manches mehr.

Eine andere Option wäre, den Reli-Unterricht, Gottes-Dienste und andere missionarische Aktivitäten aus öffentlichen Schulen zu verbannen. Das wäre eine konsequente Trennung von Schule und Kirchen (aller Art). Glauben ist schließlich Privatsache!

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