„Helene-Stöcker-Schule“ Wuppertal


Die Schulkonferenz der ehem. „Förderschule Lernen Ost“ in der Wuppertaler Lentzestraße beantragte im Sep. 2015 den neuen Namen „Helene-Stöcker-Schule“. In der Antragsbegründung an die Stadt heißt es:

„Helene Stöcker wurde 1869 in Elberfeld geboren und starb 1943 in New York. Sie war eine bekannte Frauenrechtlerin und setzte sich für die Rechte alleinerziehender Mütter ein. Sie gründete den ‚Deutschen Bund für Mutterschutz und Sexualreform‘. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde sie in der Friedensbewegung aktiv.“ Dem folgte der Rat der Stadt Wuppertal im Juli 2016 und die Schule veranstaltete ein Schulfest anlässlich des neuen Schulnamens (s. Foto).

helene-stoecker-schuleDem Bund für „Mutterschutz und Sexualreform“ hatte neben Helene Stöcker auch Max Weber und August Bebel als Mitglieder und trat außerdem für die Straffreiheit bei Abtreibung und gesellschaftliche Toleranz gegenüber männlicher Homosexualität ein.

Die damalige Forderung „nach gleichberechtigter Beziehung zwischen Frau und Mann“ wurde auch so verstanden, dass Frauen ihre Sexualität auch außerhalb der Ehe frei ausleben durften. Bei der Namenssuche für die Förderschule hatte das wohl keine Rolle gespielt, aber in der damaligen Situation sollte ein als selbstverständlich erscheinendes Vorrecht des Mannes angegriffen werden!

Helene Stöcker beteiligte sich mit dem „Mutterschutzbund“ an der Gründung des „Weimarer Kartells“, zu dem mehrere freidenkerische und freigeistige Organisationen im Jahr 1907 zusammenfanden. Dem gehörte u.a. der Deutsche Freidenkerbund an, quasi eine Vorläuferorganisation des Humanistischen Verbandes. Zweck des Weimarer Kartells waren u.a. die „freie Entwicklung des geistigen Lebens und Abwehr aller Unterdrückung“, ferner die Trennung von Schule und Kirche und die vollständige Verweltlichung des Staates.

Aus Sichte der Religionsfreien wurde damit eine gute Entscheidung getroffen, eine Schule in Wuppertal nach einer konsequenten Atheistin zu benennen.

So steht auch der Name Alma Kettig noch zur Verfügung – vielleicht für eine Humanistische Kinder-Tagesstätte?

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Foto: Helene-Stöcker-Schule

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