Kritische Aufklärung und Antisemitismus


Seit einiger Zeit werden Menschen mit diesem Vorwurf konfrontiert, deren Antrieb ausgerechnet die Menschenrechte sind, politisch Aktive, die sich dem Kampf gegen Ungerechtigkeit verschrieben haben. Auch Juden selbst werden dessen bezichtigt, sobald sie grundsätzliche Kritik an Israel äußern.

Selbstverständlich ist Antisemitismus real und nimmt zu, das macht die Debatten unübersichtlich und der undifferenzierte Vorwurf erschwert die Identifizierung der wirklichen Gefahr, dem Vormarsch der Rechten. Dieser (versuchten) Delegitimierung auch von Teilen der Linken durch den inflationären Vorwurf des Antisemitismus widmete sich im Feb. 2018 eine Konferenz in Berlin, bei der jüdische Intellektuelle und andere für das „Projekt Kritische Aufklärung“ warben: Moshe Zuckermann, Rolf Becker, Esther Bejarano und weitere Publizisten, Aktivisten und Künstler. Es geht ihnen um Intervention gegen rechte Tendenzen in Deutschland.

Auch jüdische Antifaschisten werden als Verräter diffamiert oder als „rote Antisemiten“, wenn sie z.B. Verbrechen an den Palästinensern anprangern. Nicht selten erwachsen daraus Rufmordkampagnen und Sanktionen, die aus der AfD, von neokonservativen „Antideutschen“ oder „christlichen“ Fundamentalisten initiiert werden. Mit dem inflationären Gebrauch des Antisemitismusvorwurfs werden auch seitens der Medien Grenzen verwischt – im Sinne der Rechten. Der Bundestag verurteilte den Antisemitismus neulich als „vermeintliche Kritik an der Politik des Staates Israel“, die aber „tatsächlich Ausdruck des Hasses auf jüdische Menschen“ sei.

Es kommt des öfteren vor, dass Veranstaltungen zum Thema Palästina auf ihren antisemitischen Inhalt abgeklopft oder Teilnehmerlisten nach den Namen „verdächtiger“ Personen durchsucht werden und Organisatoren erhalten Absagen gemieteter Räume. Für Indigene, Vertriebene, Hungernde in Flüchtlingslagern in jedem anderen Teil der Welt vegetierende Menschen sind Fürsprache und Engagement en vogue, auch verbunden mit radikalen Forderungen. Wird aber für die Rechte der Palästinenser eingetreten, wird oft der Verdacht geäußert, es eigentlich auf das Existenzrecht der Juden abgesehen zu haben. Menschenrechtsvergehen des Staates Israels werden dabei relativiert, wie es im Konferenz-Aufruf hieß.

mehr Info zum projektkritischeaufklaerung.de

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