Erasmus von Rotterdam


Um jedoch nicht weiter auf diese endlosen Einzelheiten einzugehen, will ich euch in aller Kürze dartun, dass die ganze christliche Religion eine gewisse Verwandtschaft mit der Torheit hat und zu der Weisheit in gar keiner Beziehung steht.“ So charakterisierte Erasmus die christliche Religion. Wegen seiner kritischen Haltung zum römischen Katholizismus wurden seine Werke auf dem Konzil von Trient auf den Index gesetzt. Als kritischer Denker seiner Zeit zählte Erasmus zu den Wegbereitern der europäischen Aufklärung.

Mit seiner Arbeit legte er das Fundament für die Reformation“ ist unter http://www.luther2017.de zu lesen. Man sähe in Erasmus gern einen „Wegbereiter der Reformatoren“. Als Beleg wird seine Bibelübersetzung aus dem Griechischen angeführt und darin der Grundstein zur deren Erforschung und damit für die Reformation gesehen. Luther hatte es übrigens mit dem Griechischen nicht so; dafür war Melanchthon zuständig. Gegen den Eindruck, Luthers Vorarbeiter zu sein, verwahrte sich Erasmus denn auch. Den angriffslustigen Luther und die Gewaltexzesse mit der dessen Reformation durchgepowert wurde, lehnte Erasmus ab. Luthers unbedingten Wahrheitsanspruch empfand er abstoßend.

erasmusMit seiner Schrift „Vom freien Willen“ trat Erasmus für die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen ein, ohne die ein moralisches und verantwortungsvolles Leben nicht möglich sei. Auch damit begab er sich in Auseinandersetzung mit Luther, in deren Folge es zum Bruch kam. Beide haben es zeitlebens vorgezogen, sich nicht persönlich zu begegnen. Luther würdigte ihn zuletzt mit dem Ausspruch: „Wer den Erasmus zerdrückt, der würget eine Wanze, und diese stinkt noch tot mehr als lebendig.“

Gerrit Gerritszoon wurde 1466 (evtl. auch 1469) als unehelicher Sohn eines katholischen Priesters und dessen Haushälterin geboren. Rechtzeitig vor der Geburt wurde die schwangere Frau von Gouda nach Rotterdam geschickt. Erasmus von Rotterdam wurde nach dem Schulbesuch Augustinermönch. Er studierte an der Sorbonne in Paris, lernte den dortigen Humanistenkreis kennen und promovierte in Turin 1506 zum Doktor der Theologie. Er schaffte es, sich als freier Gelehrter zu etablieren und lebte in den Niederlanden, England und zuletzt in der Schweiz in Basel. Er pflegte zahlreiche Kontakte zu bedeutenden Denkern seiner Zeit, wie z.B. Thomas More, Lordkanzler Heinrichs VIII. Bei seiner Suche nach einem „christlichen“ Humanismus wandte er sich den hellenistischen Klassikern zu und übersetzte auch Texte von Seneca.

Er traf sich mit einer der Leitfiguren der Baueraufstände, Ulrich von Hutten. Aber er wandte sich in seinen theologischen Werken gegen Religionskriege. 1517 erschien seine Schrift „Die Klage des Friedens“. Als erster Pazifist der Neuzeit stellte er sich gegen die damals anerkannte Lehre vom „gerechten Krieg“. Für Erasmus standen die Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen im Vordergrund. Mit der Forderung Gegensätze zuzulassen, wird er auch als Wegbereiter des Toleranzgedankens angesehen, ein Gegner von Engstirnigkeit und nationalreligösem Fanatismus. Gleichwohl hat er sich zu antisemitischen Bemerkungen veranlasst gesehen und jüdischen Konvertiten misstraut. So nahm er auch den katholischen Standpunkt ein, ernsthafte Irrlehren wie die Reformation zu unterdrücken, ggf. auch mit der Todesstrafe, die damals viele religiöse Erneuer getroffen hat.

Die ironische Schrift „Lob der Torheit“ ist Kirchenkritik am Rand des damals Möglichen. Immerhin herrschte in Teilen Europas zu der Zeit noch der Inquisitionsterror der Katholischen Kirche, dem sich auch weltlich Fürsten und Könige beugten. In diesem vielfach übersetzen Büchlein wurde mit der Unaufrichtigkeit und Dummheit vieler Menschen und vor allem auch der damaligen Entscheidungsträger abgerechnet. Vorgeblich fromme Christen, Kaufleute, Fürsten, Advokaten, Mönche, Gottesdiener, Heilige und Gelehrte werden aufs Korn genommen und es wird ihnen vorgehalten: „Es tut halt so sauwohl, keinen Verstand zu haben, dass die Sterblichen um Erlösung von allen möglichen Nöten lieber bitten, als um Befreiung von der Torheit.“ Seine Kritik zielte ebenso auf damalige gesellschaftliche Autoritäten wie Albertus Magnus und Thomas von Aquin sowie den selbstherrlichen Machtwahn der Kirchenfürsten und des Papstes.

Der Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert ist eine Schicksalsstunde Europas. Das Mittelalter ging zu Ende. Der Seeweg nach Indien wird gesucht, Kopernikus erforscht die Bahnen der Gestirne, die Ritterschaft geht zugrunde, die Städte streben auf, soziale Verwerfungen rufen heftige gesellschaftliche Auseinandersetzungen hervor. In akademischen Kreisen war jedoch die dünkelhafte Vorstellung verbreitet, dass es einzig Universitätsgebildeten zusteht, über Recht und Unrecht zu entscheiden. Im Namen der Vernunft sollte die Welt regiert werden. Gemeint war eine Bildungsaristokratie. So wird die Stoßkraft der Bauernaufstände, die Volksrevolution nicht verstanden. Dieses Vorbeisehen am Volk, diese Gleichgültigkeit gegen die Wirklichkeit hat der Idee des Erasmus damals die wirkende Kraft genommen. Der grundlegende Denkfehler war, das Volk von oben herab belehren zu wollen, statt es zu verstehen oder von ihm zu lernen.

Der große Gelehrte des europäischen Humanismus ist in Basel am 12. Juli 1536 gestorben.

Quellen
Stefan Zweig, Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam, 1935 bei www.literaturdownload.at
Wikipedia-Stichwort „Erasmus von Rotterdam“
Peter van Dam www.uni-muenster.de Okt. 2007
www.luther2017.de mit „Datum: 04-02-16“
Humanistischer Pressedienst http://hpd.de/node/2349
“Das Lob der Torheit” bei http://gutenberg.spiegel.de

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