Religionsunterricht macht unmündig


Der Religionsunterricht an staatlichen Regelschulen kann seine Existenz argumentativ nicht rechtfertigen, was das Fach aber keineswegs davon abhält, sein Ende mit allen Mitteln in die Länge zu ziehen.

Konzeptualisiert man den Religionsunterricht als Vermittlung der Offenbarungslehre, widerspricht er dem aufklärerischen Bildungsauftrag, wie er übergreifend in Schulordnungen verankert ist. Die Anerziehung eines antiquierten Sets überholter Überzeugungen steht nicht im Dienste einer Entfaltung zu mündigen Bürgern. Eine Verteidigung gegen diesen Einwand wird abermals durch die Konfessionsbindung erschwert. Ganz offensichtlich soll die jeweils gewählte Religion als normativer Fluchtpunkt dienen, was Güter wie Pluralität oder offene Diskursivität zu Treppenwitzen degradiert. Ein Austausch zwischen den Weltbildern wird aktiv verhindert, stattdessen wird dem Entstehen eines Ingroup-Bias guter Nährboden gestreut. Ein „Wir“ wird konstruiert und gegen „die Anderen“ kontrastiert; der bestmögliche Vorschub für breite Gräben zwischen den Religionen, eine religiöse Ghettoisierung.

Auch fraglich, wie in diesem Lichte noch von Religionsfreiheit gesprochen werden kann. Es gibt schließlich keine katholischen Kinder, es gibt auch keine muslimischen Kinder. Lediglich Kinder katholischer oder muslimischer Eltern. Dasselbe gilt für alle übrigen Konfessionen. Hat sich ein solches Kind wirklich für seine Religion entschieden, wenn es schon in der Grundschule zu mustergültigen Anhängern des sozial geerbten Bekenntnisses geformt wurde? Eher leistet der Staat Beihilfe zur systematischen Gehirnwäsche, ist es doch eher auszuschließen, dass sich die meisten Kinder vollkommen frei und aus purem Zufall für genau jene Religion entscheiden, zu welcher sie erzogen wurden.

Religionsunterricht ist unwissenschaftlich

Dass keine religiöse Offenbarungslehre dieser Welt einer wissenschaftlichen Prüfung standhält, dürfte allgemeinen Konsens finden. Dem zu widersprechen wird wohl auch den meisten Religionslehrern zu heikel sein, weswegen man sich in eine Metaperspektive zu flüchten pflegt. Der Unterricht gebe nicht einfach nur die Offenbarung wieder, sie lehre einen methodisch-wissenschaftlichen Umgang damit, heißt es oft. Man will sich der Offenbarung historisch, philosophisch, soziologisch oder gar literaturwissenschaftlich nähern. Aber gibt es dafür nicht die Fächer Geschichte, Philosophie, Sozialkunde und Deutsch, die mit speziell für die jeweilige Methodologie ausgebildeten Lehrpersonen aufwarten können?

Beitrag entnommen bei Humanistischer Pressedienst (hpd) vom 17.01.2019 | hier nur Auszug