Schul-Gottesdienst

Am 31. Aug. ist die Einschulung der sog. „i-Dötzchen“. Der Eintritt in den neuen Lebensabschnitt bringt manche Änderung für die angehenden Grundschul-Kinder. Augenfälligstes Merkmal ist wohl die Schul-Tüte. Außerdem gibt es „Schul-Gottesdienst“ und künftig einen Stundenplan. Darauf steht „Religionsunterricht“.

Für alle gläubigen Menschen ist das ganz normal und zudem gesetzlich geregelt. Aber was ist mit den Kindern der nicht-gläubigen Menschen, der Konfessionsfreien? Meist bleiben sie einfach in der Klasse, wenn „Reli“ ist oder die Eltern melden sie ab. Dann gibt es Beschäftigung oder lediglich „Aufsicht“ in einem Nebenraum. In Bekenntnis-Grundschulen ist selbst diese „Alternative“ nicht vorgesehen und alle Schüler/innen müssen die christliche Lehre anhören.

Konfessionsfreien Eltern ist das gar nicht recht. Schließlich hat die neue Landesregierung versprochen, „Ethikunterricht in der Grundschule“ zu ermöglichen – aber wann?

Mache suchen derweil eigene Wege und Austausch über diesen Mißstand, sie wollen Abhilfe. Alternative Infos und Möglichkeit zur Vernetzung für Eltern und andere bietet die Plattform www.Pro-Ethik-NRW.de

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Gibt es Atheisten-Phobie?


Atheisten werden eher eines Verbrechens verdächtigt als Gläubige. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Vergleichsstudie, die negative Vorurteile über Atheisten untersuchte.

Mit der Studie wird die Vermutung belegt, dass Atheisten häufiger mit Verbrechen in Verbindung gebracht werden als Gläubige. Die Forscher betrachten die Ergebnisse mit Sorge: Anti-atheistische Vorurteile seien ein Problem, das sich auf Beschäftigung, das soziale und familiäre Leben sowie auf Wahlen auswirke.

Der ganze Beitrag ist bei „hpd“ erschienen

Warum „Pro Ethik NRW“?


Der religiöse Zuspruch ist in der deutschen Bevölkerung seit Jahren deutlich in Bewegung. So nimmt die Gruppe der konfessionsfreien Menschen stetig zu und erreicht in NRW inzwischen bald 30 %. Ähnlich verhält es sich mit der Zusammensetzung der Schülerschaft.

Dementgegen wird vielfach das comeback der Religionen beschworen. Beim genaueren Hinsehen stellt sich das als comeback der Religionsvertreter dar. Dies zeigt sich z.B. durch das zunehmende Gejubel um „Luther500“ oder an der gemeinsamen Erklärung mit Religionsführern, zu der sich die grüne NRW-Schulministerin letztens veranlasst gesehen hatte.

Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass inzwischen fast 400.000 Kinder und Jugendliche in NRW keinen angemessenen Unterricht erhalten, der eben weitgehend religionsfreie Werte zum Thema hätte. Auch die teilweise Versorgung durch „Praktischer Philosophie“ bringt keine zufriedenstellende Abhilfe! Zudem gibt es dieses Fach in der Grundschule derzeit gar nicht.

Bundesverfassungsgericht hat 1974 darauf aufmerksam gemacht, dass es sich beim Religionsunterricht um die Vermittlung von „Glaubenssätzen … als bestehende Wahrheiten“ handelt. Kurz: Christen-Mission. Inzwischen wird laut darüber nachgedacht, wegen rückläufiger Schülerzahlen einen irgendwie gearteten überkonfessionellen Religionsunterricht zu schaffen – natürlich unter kirchlicher Ägide.

Aber es könnte auch anders gehen: Der Humanistische Verband NRW ist für die „die Einrichtung eines obligaten Fachs‚ Ethik, Religionen, Weltanschauungen’“, ebenso der Internationale Bund Konfessionsloser und Atheisten (IBKA), die Landes-Schüler/innen-Vertretung NRW, die Grünen NRW, DieLinke.NRW und auch die FDP NRW und aud die neue Landesregierung. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist zu dem Thema in der Diskussion. Der Fachverband Philosophie NRW hatte bereits einen Lehrplanentwurf „Praktische Philosophie“ für die Grundschule vorgestellt.

Diese Ansätze und Ideen müssten zusammen geführt werden, um in Auseinandersetzung mit anderen weltoffenen Menschen Verständigung und Lösungswege zu suchen.

mehr Info unter www.Pro-Ethik-NRW.de

„Du siehst mich?“

„Ja, Martin, ich sehe Dich so, wie Adolf Hitler Dich gesehen und bewundert hat!“


Alles begann mit der Frage, ob Martin Luther auch ein Pimmelchen bekommen sollte – ein überlebensgroßer Martin Luther übrigens, ein Luther, wie ihn die Welt noch nicht zu Gesicht bekommen hatte. Nicht, dass die Welt nicht schon viele überlebensgroße Luther-Darstellungen gesehen hätte – speziell im „Reformationsjahr 2017“, dem 500sten Jubiläum des Thesenanschlags an der Wittenberger Schlosskirche, aber diesmal sollte die Welt die Wahrheit über diesen Reformator erfahren, und zwar „die nackte Wahrheit“!

Foto (c) A. Schreiner

Der Name des fundamentalistischen Menschenhassers Martin Luther ist tatsächlich untrennbar verbunden mit unbarmherziger Intoleranz, cholerischer Frauenverachtung, alttestamentarischer Grausamkeit, Despotismus, Tyrannei, paranoidem Machtstreben und der Anstiftung zum Völkermord. Und was könnte einen solchen Charakter besser repräsentieren als der bei Luther stets präsente unerbittliche Hass auf die Juden? Aus diesem Grund prangte auf dem weit geöffneten Mantel des nackten Kirchenmanns ein schon 1962 geprägter Satz des Philosophen Karl Jaspers: „Luthers Ratschläge gegen die Juden hat Hitler genau ausgeführt.“ Das dieser Aussage zu Grunde liegende „7-Punkte-Programm“ des glühenden Antijudaisten Luther, veröffentlicht in seinem 1543 erschienenen und 2016 neu aufgelegten Buch „Von den Juden und ihren Lügen“ (Karl-Heinz Büchner, Bernd P. Kammermeier, Reinhold Schlotz und Robert Zwilling (Hrsg.): Martin Luther – Von den Juden und ihren Lügen; Aschaffenburg 2016), stand in verkürzter Form auf der Rückseite des Mantels, sodass jeder Kirchentagsbesucher sich selbst von den einzelnen Forderungen seines vermeintlichen Idols überzeugen können sollte. In der Tat findet sich hier bis auf die unmittelbare Tötung in Gaskammern praktisch das gesamte Instrumentarium des nationalsozialistischen Holocausts.

Aber der Reihe nach, wir waren ja noch in Düsseldorf und diskutierten über die Darstellung oder auch Nicht-Darstellung des Luther’schen Gemechts. Schnell herrschte Einigkeit darüber, dass ein (sehr) kleines Pimmelchen nicht nur am besten geeignet sei, die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich zu lenken (um das Wort „Provokation“ an dieser Stelle erst einmal zu vermeiden), sondern auch der Realität näher kommen dürfte, als eine comicartig verfremdete bzw. völlig glatte Unterleibsregion. Immerhin sollte mit der „nackten Wahrheit“ ja einem nicht unbedeutenden Authentizitätsanspruch genügegetan werden.

Gesagt, getan! Der offenherzige Martin wurde fertiggestellt und sollte schon bald von den munteren Mannen der Giordano-Bruno-Stiftung, angeführt von David Farago, durch die christengesäumten Straßen des Wittenberger Kirchentagsspektakels 2017 (offizielles Motto: „Du siehst mich“) gezogen werden. Aber damit nicht genug. Ein kleines Häuflein von unbeugsamen Religionskritikern aus dem Ruhrgebiet (www.religionsfrei-im-revier.de) machte sich auf, die Aktion der Giordano-Bruno-Stiftung vor Ort tatkräftig zu unterstützen. Nur tatkräftig? Nein, nebenbei auch noch höchst stimmgewaltig! Mit Armin Schreiner trat tatsächlich der zu Unrecht glorifizierte Hassprediger leibhaftig vor der Schlosskirche in Erscheinung – nach fast 500 Jahren zum vermutlich ersten Mal wieder mit dem relativ vollständigen Repertoire seiner Tiraden gegen die Menschlichkeit. Vom Historiker Hartmann Schimpf aus Dutzenden Luther-Schriften, -Tischreden und anderen Primärquellen zusammengestellt, kam das beeindruckende Potential an Menschenverachtung deutlich zur Sprache, als dessen geistiger Vater vor dem staunenden Publikum lauthals zum Leben erweckt wurde.

Sätze wie „So wenig ich Berge wegwälzen, mit den Vögeln fliegen, neue Sterne schaffen, mir die Nase abbeißen kann, so wenig kann ich die Unzucht lassen.“ (Martin Luther – Werke; Jenaer Ausgabe II, Jena 1588-1613, S. 215), „Will die Frau nicht, so komm‘ die Magd.“ (Martin Luther – Werke; Weimarer Ausgabe X/2, Weimar 1907, S. 290), „Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allemal, dass die Männer durch sie geboren werden.“ (Johann Georg Walch – Gesamtausgabe: Martin Luther – Von der Ehe; Halle 1734, Bd. 22, Kap. 43, Par. 16), „Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob sie sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie [sich] nur tot tragen, sie sind darum da.“ (Martin Luther – Werke; Weimarer Ausgabe X/2, Weimar 1907, S. 296) oder „Bei der Kindererziehung muss der Apfel neben der Rute liegen… [Ein toter Sohn ist besser als ein ungezogener.]“ (u.a. Frank Schumann – Luther to go! Ein trefflich Wort von Martin Luther; Berlin 2016) verfehlten ihre Wirkung auch im Jahre 2017 nicht. Dank der Aufklärung und der Vermittlung humanistischer Grundwerte nach dem Zweiten Weltkrieg werden sie heutzutage jedoch wesentlich distanzierter betrachtet. Neben Luthers Doppelmoral, seiner Verachtung für die Frauen und den doch recht eigenwilligen Erziehungszielen soll hier noch erwähnt werden, dass sich sein Hass auch auf viele weitere Bevölkerungsgruppen erstreckte, für die er sich darüber hinaus gezielt die barbarischsten Hinrichtungsarten seiner Zeit wünschte. So sollten Luthers Meinung nach behinderte Kinder ersäuft, Prostituierte gerädert oder geädert, vorgebliche Hexen selbstverständlich verbrannt und aufmüpfige Bauern mit dem Schwert erschlagen werden, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die religiös interessierte, zum Teil jedoch klar indoktrinierte Zuhörerschaft ließ so gut wie keine möglichen Kommentare unausgesprochen. Von ehrlichem Interesse an einer bislang offensichtlich gänzlich unbekannten Seite Martin Luthers bis hin zu offener Ablehnung durch die eingefleischte Christenheit erlebten die gottlos durchaus glücklichen Aktivisten so ziemlich alles. Die mit Abstand humorvollste Bemerkung aus dem Publikum bezog sich allerdings – wie sollte es auch anders sein – auf das kleine Anhängsel des großen Reformators. Nicht nur die Nacktheit des Kirchengranden an sich wurde also als Provokation empfunden, sondern gelegentlich auch – mit einem Augenzwinkern – die mangelnde Stattlichkeit des kleinen Martins.

Am anderen Ende der Humorskala angesiedelt, gab es erstaunlicherweise sogar Zustimmung zu Luthers antijudaistischen Thesen. Dies zum Glück nur von wenigen Besuchern, die sich dazu bei nachfolgenden Gesprächen allesamt auch als Holocaustleugner outeten und somit trotz bürgerlicher Fassade dem extrem rechten politischen Spektrum zuzuordnen waren. Dem Versuch von ganz rechts außen, dezidiert judenfeindliche Schriften im die Protestaktion begleitenden Infomaterial unterzubringen, wurde selbstverständlich von Seiten der Giordano-Bruno-Stiftung und der Initiative Religionsfrei im Revier unverzüglich entgegengetreten, was letztlich in einen offenen Schlagabtausch mündete, der erst mit dem Einschreiten der in diesen Tagen selbstredend überall präsenten polizeilichen Ordnungskräfte sein gutes Ende fand. Besonders erwähnt werden sollte an dieser Stelle der überaus beherzte Einsatz des üblicherweise nur mit dem Stift fechtenden Historikers Hartmann Schimpf, der zuletzt erschöpft, aber unversehrt zusehen durfte, wie die rechten Rabauken abgeführt wurden.

Allerdings war die Arbeit der religionsfreien Aktivisten – und natürlich der Aktivistinnen – damit noch lange nicht beendet. So hatten auch Doris und Arnold Evertz, Anja Schreiner und Gunnar Teriet alle Hände (und Münder) voll zu tun, das Wissen um die zutiefst menschenverachtenden Worte und Taten des Gründers des Protestantismus unter das (noch gläubige) Volk zu bringen und diesbezügliche Fragen kenntnisreich und ausführlich zu beantworten. OK, einige Besucher waren relativ kurz angebunden: „Ach, lasst mich doch mit eurem Scheiß in Ruhe. Ich weiß genau, wie Luther war und was er getan hat!“ Oder, wie es eine afrikanische Pilgergruppe etwas subtiler formulierte: „Ihr habt bösen Luther, wir haben guten Luther – End of story!“

Trotz allem entwickelten sich viele rege Gespräche mit Jung und Alt. Selbst einer der Organisatoren des Kirchentags gab sich persönlich ein Stelldichein und warf den wackeren Aktivisten vor, das „Gastrecht der Stadt Wittenberg“ durch die Aktion zu missbrauchen. Alle diskreditierenden Fakten aus dem Leben und Werk Martin Luthers seien der evangelischen Kirche und den Gläubigen doch schon hinlänglich bekannt. So betriebe die evangelische Kirche selber die fleißigste Aufarbeitung des unrühmlichen Themas, gerade jetzt im „Reformationsjahr“. Merkwürdig nur, dass ausgerechnet die Kirchentagsbesucher davon nichts zu wissen schienen. Ein Schelm, wer eher an millionenschwere Desinformations- bzw. Missionierungskampagnen als an ernsthafte Aufklärung denkt, wenn er das Wort „Kirche“ hört. Maximal wird von dort eine ominöse und schnell wieder vergessene „dunkle Seite“ der protestantischen Lichtgestalt eingeräumt.

Also wurde der exhibitionistische Luther auch am zweiten Tag der Veranstaltung weiter durch die Altstadt von Wittenberg gezogen, an seinem eigenen Denkmal und am Bildnis der „Judensau“ vorbei, das bis auf den heutigen Tag die Einstellung der Kirche zu ihren hebräischen Wurzeln dokumentiert – „die damalige Einstellung“, wie es so schön heißt. Überhaupt sei auch Luther „ein Kind seiner Zeit gewesen“, lautete der wohl häufigste Einwand, den die wahren Aufklärer gemeinhin zu hören bekamen. Die Antwort erfolgte prompt: „Luther war nicht ein Kind, sondern einer der führenden Meinungsbildner seiner Zeit. Hätte er sich nicht nur gegen den Abfluss von Finanzmitteln nach Rom (per „Ablasshandel“), sondern vielmehr für die Menschenrechte eingesetzt, wie dies z.B. sein Zeitgenosse, der Humanist Erasmus von Rotterdam tat, wären der Menschheit vielleicht viele religiös motivierte Kriege und wohl auch der Völkermord an den Juden erspart geblieben!“

Man kann getrost davon ausgehen, dass diese Worte bei den Meisten der Besucher auf taube Ohren gestoßen sind. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass einige Menschen zumindest zum Nachdenken darüber angeregt wurden, inwieweit ein unreflektierter Menschenhasser mit dem Hang zur Gewalttätigkeit in unserer pluralistischen und weitgehend toleranten Gesellschaft noch immer zum Vorbild taugt – und dies unabhängig von seiner Penisgröße!

Ist DIE LINKE jetzt gegen die Trennung von Staat und Kirche?


Zu den Parteitagsbeschlüssen der Linken zu Staatsverträgen gab es einige Verwirrung, wie es denn nun gemeint sei. Kürzlich verbreitete Christine Buchholz, MdB Die Linke, ihre umständliche aber interessante Antwort. Wir dokumentieren den Wortlaut:


Auf dem Hannoveraner Parteitag kam es zu Irritationen um einen von der Stadtteilgruppe Barmbek aus dem Bezirksverband Hamburg-Nord eingebrachten Antrag zur Aufkündigung der „Staatsverträge mit den Kirchen“. Dieser Antrag wurde am 10. Juni zu später Stunde von einer knappen Mehrheit des Parteitages angenommen. Am 11. Juni meldeten sich mehrere Personen mit persönlichen Erklärungen zu Wort, darunter die Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau, der Berliner Kultursenator Klaus Lederer, Benjamin Hoff, Chef der Thüringer Staatskanzlei, Claudia Haydt, Mitglied im Vorstand der LINKEN und der Europäischen Linken, mehrere Aktive aus Basisstrukturen der LINKEN sowie ich als Vorstandsmitglied und religionspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag. Alle waren sich einig, dass auch wenn diese Forderung keine praktische Konsequenz gehabt hätte, eine solche Positionierung eine fatale politische Wirkung hätte.

Nach einer begrenzten Debatte beschloss der Parteitag, den am Vortag herbeigeführten Beschluss zu revidieren und lehnte den Antrag aus Hamburg-Barmbek mit einer deutlichen Mehrheit ab. Ich möchte nun dazu auf ein paar Fragen eingehen:

Sind wir nicht mehr für die Ablösung von Staatsleistungen?
Bei den „Staatsverträgen“ geht es nicht um „Staatsleistungen“. Wir sind selbstverständlich für die Ablösung von Staatsleistungen. Das haben wir im Programm auch beschlossen. Im Bundestag haben wir bereits einen Gesetzentwurf zu dem Thema eingebracht und den Antrag auf Einsetzung einer Kommission zur Evaluierung und Ablösung der Staatsleistungen seit dem Jahr 1803, die Wege ausloten soll, diesen Prozess zu organisieren. Alle Anträge wurden von SPD und CDU bisher abgelehnt. Wir werden uns weiter für die Ablösung von Staatsleistungen einsetzen.
Sind wir nicht mehr für die Trennung von Staat und Kirche?

Selbstverständlich sind wir weiterhin für die Trennung von Staat und Kirche. Staatsverträge sind eine Konsequenz aus der Trennung von Staat und Kirche. Sie regeln Angelegenheiten dort, wo es praktisch sinnvoll oder politisch gewollt ist. Von daher ist es unsinnig, die Verträge pauschal in Frage zu stellen. Die Forderung nach Kündigung ist insofern auch folgenlos, weil die Verträge nicht einseitig gekündigt werden können.

Wir kritisieren die Staatsverträge, die wir in der Sache falsch finden und machen gesellschaftlichen Druck für eine Änderung. So beispielsweise den über den Bund und die Kirchen über Militärseelsorge bei der Bundeswehr. Dagegen stellen wir eine Forderung nach einem Vertrag, der eine religiöse Betreuung durch alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften und eine freie Religionsausübung der Angehörigen der Bundeswehr garantiert.

Haben die Staatskirchenverträge etwas mit jüdischen und muslimischen Gemeinden und Weltanschauungsgemeinschaften zu tun?

Auch die Rechte von anderen Religionen und Weltanschauungen können über Staatsverträge gesichert werden. Der Zentralrat der Juden und die jüdischen Gemeinden in den Ländern haben Staatsverträge geschlossen, die ihre Arbeit absichern. Auch der humanistische Verband fordert den Abschluss von Staatsverträgen mit allen relevanten Weltanschauungsgemeinden, ebenso muslimische Verbände. Der Humanistische Verband betreibt genauso wie die Kirchen und die jüdischen und muslimischen Vereine Kitas und Schulen. All diese Organisationen leisten ihren Beitrag für die ganze Gesellschaft, auch wenn sie für sich zunächst verschiedene Gruppen ansprechen.

Die Forderung nach Kündigung der Staatsverträge wird von Minderheitenreligionen als Problem empfunden, weil sich für die Gleichberechtigung mit den Kirchen einsetzen.

Deshalb ergänzen wir unsere Grundsatzforderung nach einem Ethikunterricht, in dem auch das Wissen über Religionen vermittelt wird, mit der folgenden Forderung: „Soweit bekenntnisorientierter Religionsunterricht an Schulen als Wahlfach angeboten wird, sollten sich alle Religionsgemeinschaften beteiligen können.“ Auch der Humanistische Verband als der größte Verband areligiöser Menschen spricht sich für Religionsunterricht als Wahl- und einen Ethikunterricht als Pflichtfach aus.

Der Antrag aus Hamburg-Barmbek hätte bedeutet, dass wir uns für die ersatzlose Streichung der Seelsorge in Krankenhäusern und Gefängnissen einsetzen. Das träfe die, die am meisten darauf angewiesen sind, und kann nicht ernsthaft eine linke Position sein.

Religionspolitische Forderungen weiter entwickeln
Das Wahlprogramm 2017, das DIE LINKE im Juni 2017 auf ihrem Parteitag in Hannover beschlossen hat, entwickelt religionspolitische Forderungen weiter. Während das Bundestagswahlprogramm 2009 noch keine religionspolitischen Forderungen enthielt und das Bundestagswahlprogramm 2013 Forderungen nach der Trennung von Kirche/Religion und Staat in den Vordergrund gestellt hat, sind in dem aktuellen Wahlprogramm sowohl Trennung von Staat und Kirche, als auch die Fragen der Religionsfreiheit gleichermaßen ausgearbeitet.

So wird in dem Programm erstmalig gegen Bekleidungs- und Bauverbote Stellung bezogen. Erstmalig werden gleiche Rechte für alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften bei Seelsorge oder bekenntnisorientiertem Religionsunterricht gefordert. Zudem gibt es einen stärkeren Bezug auf innerkirchliche Auseinandersetzungen und Reformprozesse, indem die Forderung von militärkritischen Initiativen bei der Militärseelsorge aufgegriffen werden und zu gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen innerhalb der Kirchen genauso Stellung bezogen wird, wie zu dem gemeinsame Einsatz von Kirchen, Gewerkschaften u.a. für den erwerbsarbeitsfreien Sonntag.

Zehn Jahre nach ihrer Gründung im Jahr 2007 diskutiert DIE LINKE intensiver als je zuvor über ihr Verhältnis zu Religion und Religionsgemeinschaften und kommt damit ihrem selbst gesteckten Ziel, sich sowohl für umfassende Religionsfreiheit einzusetzen, als auch für die Trennung von Staat und Kirchen, einen wichtigen Schritt näher.

Mit der vom Parteivorstand beschlossenen Kommission Religionen, Weltanschauungen, Staat und Kirche werden wir die Positionen weiter entwickeln.


Die Gestaltungselemente wurden von der Redaktion eingefügt und stammen nicht von C. Buchholz

Kirchentag: Bundeswehr-Werbung

Wie war das noch?


Die Einsätze der Bundeswehr in Syrien, Mali, Afghanistan und anderen Ländern sind nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Das Geld, das in militärische Mittel investiert wird, fehlt im sozialen Bereich, im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie bei zivilen Methoden der internationalen Konfliktlösung.

Gegen dieses Engagement der Bundeswehr wendet sich die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK). Die Bundeswehr-Werbung ist Werbung für Krieg und Gewalt. Auf den Veranstaltungen des Evangelischen Kirchentages in Berlin war die Bundeswehr auf verschiedene Weise präsent:

  • Am Abend des 24. Mai 2017 spielt die BigBand der Bundeswehr zur Eröffnung des Kirchentages auf dem Gendarmenmarkt.
  • Auf dem Militärgottesdienst am 26. Mai in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche werden Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Militärbischof Sigurd Rink predigen. Hochrangige Vertreter von Politik, Kirche und Militär werden diesen Gottesdienst besuchen. Die Militärpolizei wird die Eingänge bewachen.
  • Militärbischof Sigurd Rink lädt am selben Tag in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zur Bibelarbeit ein.
  • Auf mehreren Diskussions-Podien werden Vertreter der Bundeswehr sitzen, zum Beispiel am 27. Mai auf dem Messegelände.
  • Die Militärseelsorge ist mit mehreren Ständen auf dem „Markt der Möglichkeiten“ vertreten.
  • Im Umfeld des Kirchentages und im Zusammenhang mit dem Jubiläum „500 Jahre Reformation“ betreibt die Bundeswehr, Abteilung Militärseelsorge, zusammen mit anderen vom 20. Mai bis 10. September in Wittenberg das „Café Friedenswege“.

Quelle: DFG-VK

mehr Info unter www.militaerseelsorge-abschaffen.de

Deutsche Kinder-Soldaten


Neuer Rekord: 1.907 Minderjährige dienen in der Bundeswehr

Die Bundeswehr hat 25 Prozent mehr Minderjährige eingestellt und damit einen neuen Rekordwert von 1.907 Jugendlichen erreicht. Auch die Zahl der weiblichen minderjährigen Bewerber ist so hoch wie nie zuvor.
Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Danach waren 698 Soldaten auf Zeit und 1.209 Freiwillig Dienstleistende noch nicht 18, als sie ihre Ausbildung in der Truppe begannen. 89 waren selbst nach Ablauf ihrer Probezeit noch nicht volljährig.

Auch die Zahl weiblicher Minderjähriger in der Bundeswehr ist so hoch wie nie zuvor: 357 Mädchen, darunter 128 als Soldatinnen auf Zeit, ließen sich an der Waffe schulen.

Die Bundeswehr hatte eingeräumt, es wurden mehr als eine Million Minderjährige direkt angeschrieben. Die militärischen Imagekampagnen wirken: Als die Wehrpflicht 2011 auslief, zählte die Bundeswehr 689 Minderjährige, 2012 waren es bereits 1.202. Diese Zahl stieg zuletzt auf 1.515 und nahm nun erneut um fast 400 zu.

Quelle: www.nachdenkseiten.de zitiert nach RP Online

siehe auch hier: Fast 10.000 Kindersoldaten in Deutschland …

Nach der Landtagswahl NRW: Ethik-Unterricht für alle!


Mancher fragt sich, ob die ganzen Religionsunterrichte in NRW nicht bereits genug Ethik in die Schulen bringen: katholisch, evangelisch, orthodox, syrisch-orthodox, islamisch, alevitisch und (versuchsweise) mennonitisch.

Die unlängst abgewählte grüne Ministerin Löhrmann sah darin die Möglichkeit, das „gesellschaftliche Miteinander zu gestalten“: Integration durch Segregation?

Doch es gibt Alternativen zum Religionsunterricht! Aber wer setzt sich dafür ein? Welche politischen Kräfte haben (überhaupt) ein Interesse daran, den Religionsunterricht infrage zu stellen?

mehr unter www.Pro-Ethik-NRW.de

Kirche auf dem Bundeswehrtag


Oh pardon, es ist umgekehrt:
Bundeswehr auf dem Kirchentag

Dagegen protestierten allerdings 14 Bremer Theolog/innen auf dem Evangelischen Kirchentag mit einer Erklärung, die wir hier gern wiedergeben:

Die von Verteidigungsministerium und Bundeswehr betriebene Militarisierung des öffentlichen Lebens erfasst immer mehr die verschiedensten Lebensbereiche, auch die der Kirche. Das macht der jetzt stattfindende 36. Evangelische Kirchentag in Berlin und Wittenberg deutlich. So spielt am Eröffnungsabend die Big Band der Bundeswehr, und die Bundesministerin für Verteidigung, Ursula von der Leyen, hält die Predigt eines repräsentativen Militärgottesdienstes in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, deren Eingänge von der Militärpolizei bewacht sein werden.

Parallel zum Kirchentag wird auf der »Weltausstellung Reformation« in Wittenberg das Objekt »Café Friedenswege« durchgeführt. Es wird veranstaltet von der »Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden« (AGDF) und der »Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden« (EAK), zusammen mit der »Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr«, deren Seelsorger vom Staat finanziert werden. Das bedeutet, dass die Bundeswehr über die Militärseelsorge in Teile der kirchlichen Friedensbewegung eindringt.

Wir Bremer Theologen protestieren gegen diese militärischen Auftritte in kirchlichen Veranstaltungen, die dem christlichen Friedensauftrag widersprechen und ihn unglaubwürdig machen.

Quelle: http://www.jungewelt.de am 26. Mai 2017

Kirche und Religion spielen kaum noch eine Rolle


„Generation What?“ ist ein multimediales Projekt und eine europaweite Studie über die junge Generation in Deutschland und Europa und wurde in Zusammenarbeit mit dem SINUS-Institut erarbeitet. Einer der zentrale Befunde lautet:

Religion und Kirche spielen nur für eine Minderheit eine Rolle: Gerade mal 20 Prozent geben an, ohne den Glauben an einen Gott nicht glücklich sein zu können. Von allen abgefragten Institutionen ist das Vertrauen in die religiösen Institutionen am geringsten. 83 Prozent haben kein oder sehr wenig Vertrauen. Selbst unter den Gläubigen steht noch die Hälfte der Befragten den kirchlichen Institutionen misstrauisch gegenüber. Die Skandale und die aus Sicht der jungen Leute verkrusteten und intransparenten Strukturen dürften hierfür ausschlaggebend sein. Für viele geht von der Kirche ein Dogmatismus aus, der einem die Fähigkeit abspricht, selbst zu urteilen.

Insbesondere zum Vertrauen in religiöse Institutionen wird resümiert:

Misstrauen und Skepsis gegenüber religiösen Institutionen

Weitgehend unabhängig von Geschlecht, Alter und Bildung hat die Hälfte der 18- bis 34-Jährigen überhaupt kein Vertrauen in religiöse Institutionen, weitere 34 Prozent vertrauen ihnen eher nicht. So gut wie niemand (2 Prozent) vertraut religiösen Institutionen voll und ganz, und auch nur 14 Prozent in der Tendenz („vertraue eher“).

Unter den jüngsten Befragten (18 bis 19 Jahre) und den Hochgebildeten ist das Vertrauen in religiöse Institutionen ein klein wenig größer als im Durchschnitt. Hier vertraut rund ein Fünftel eher oder voll und ganz.

Das Vertrauen von gläubigen Menschen in religiöse Institutionen ist erwartungsgemäß größer: Unter allen, die sagen, sie könnten ohne ihren Gottesglauben nicht glücklich sein (das sind 20 Prozent), sagen nur 14 Prozent, dass sie überhaupt kein Vertrauen in religiöse Institutionen haben (gesamt 49 Prozent). Allerdings haben weitere 36 Prozent eher kein Vertrauen, womit selbst unter den Gläubigen die Hälfte religiösen Institutionen gegenüber misstrauisch ist (Gesamt: 83 Prozent).

hier: die ganze Studie

Volksheld, Antisemit, Hassprediger

Giordano-Bruno-Stiftung veröffentlicht kritische Broschüre zum Luther-Jahr

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[Bilder der Luther-Matinee von „Religionsfrei im Revier“]

Rund 250 Millionen Euro aus allgemeinen Steuergeldern bringt die öffentliche Hand für die „Luther-Dekade“ auf. Der 500. Jahrestag seines angeblichen „Thesenanschlags“ soll sogar als bundesweiter Feiertag begangen werden. Doch war Martin Luther ein Mann, den man feiern sollte? Nein, sagt die Giordano-Bruno-Stiftung, die in ihrer soeben veröffentlichten kritischen Luther-Broschüre aufzeigt, dass der Reformator einer der „wirkmächtigsten Vertreter des Judenhasses von Golgatha bis Auschwitz“ war.

Für Adolf Hitler war Martin Luther „ein großer Mann, ein Riese“, der „den Juden“ sah, „wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen.“ Auch für den evangelischen Landesbischof Martin Sasse, der 1938 (nach der Reichspogromnacht) das Heft „Martin Luther über die Juden: Weg mit ihnen!“ herausgab, war der Reformator ein leuchtendes Vorbild, der „größte Antisemit seiner Zeit, der Warner seines Volkes wider die Juden“.

hier die Broschüre zum download

 

Ratzingers 90. Geburtstag


Anlässlich des 90. Geburtstages von Ex-Papst Ratzinger laufen im Fernsehen viele Dokumentationen zu dem Mann, dessen größte Tat ganz sicher darin bestand, das Amt des Bischofs von Rom mangels Eignung wieder abgelegt zu haben. Sind wir gesamtgesellschaftlich glücklich darüber, dass der bittere Kelch seines Projektes zur theologischen Vereinnahmung des Begriffes der Vernunft folgenlos an uns vorüber gezogen ist. Erneut aber frage ich mich, welch ein Gottesbild sich in Ratzingers Gehirn Platz geschaffen haben mag.

Eine diesbezüglich sehr wichtige Denkanregung finde ich in einer Abschrift eines sehr interessanten Vortrages des Theologen, Philosophen und Psychoanalytikers Eugen Drewermann, dessen Entzug der Lehrerlaubnis, und auch die anschließende Suspendierung vom Priesteramt, von Josef Ratzinger, damals noch Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation, hinter den Kulissen vorbereitet wurde:

„Als Papst Benedikt XVI 2011 den Reichstag zu Berlin besuchte, um den Vertretern des deutschen Volkes zu erläutern, welche Aufgabe der Religion zukomme, wusste er nicht besser zu sagen, als dass Religion benötigt werde als metaphysischer Hintergrund zur Stabilisierung der Grundwerte, der Begriffe der Gerechtigkeit, der Menschenwürde. Die Vorstellung ist, dass wir das Zusammenleben in einem Staatenverband am besten ermöglichen, wenn wir Gott als Ableitungsgrund für das, was Wert bedeutet und Recht beinhaltet, annehmen dürfen.

Gott letztlich als derjenige, der im Hintergrund des Bürgerlichen Gesetzbuchs als Autor und Autorität auftaucht, und es projiziert sich in unendlicher Form die Forderung der sittlichen und juridischen Gerechtigkeit in die Absolutheit des Gottesbildes selbst hinein. Bleibt es dabei stehen, ist Gott ständig ambivalent, strafend notfalls. Ein solcher Gott, genagelt ans Kreuz schließlich, bleibt eine Chiffre der verinnerlichten Gewalt, der permanenten Angst, der Unheimlichkeit im Grund unseres Daseins.“ („Wozu Religion?“, Vortrag v. 17. Juni 2013, Wiener Rathaus)

Wenn man aus dieser Perspektive einmal das Verhältnis von Staat und Kirche betrachtet, wird sogleich klar, weshalb sich bis heute fast alle Bundestagsabgeordneten weigern, über eine konsequente Trennung von Staat und Kirche auch nur nachzudenken. So versteht man auch viel besser den Streit um die Formulierung eines Gottesbezuges oder deren Streichung in den Landesverfassungen, wie ganz aktuell in Hessen, oder letztes Jahr in Schleswig Holstein.

Offenbar hat ein Großteil unserer Volksvertreter noch nicht wirklich realisiert, dass Religion und Gott für immer weniger Bundesbürger eine echte Bedeutung haben, und wenn doch, dann kaum noch in innerer Bindung an die Kirchen und deren tradierten Moralvorstellungen, aber das nur nebenbei.

Im Gespräch mit vielen Gläubigen und auch Theologen jedenfalls habe ich immer wieder entsetzt festgestellt, dass die Vorstellung von Gott als im Grunde zwar gütigem, letztlich aber auch strengem und strafendem Richter offenbar nach wie vor weit verbreitet ist.

Ausgehend von der oben zitierten Aussage von Eugen Drewermann müsste man also annehmen, dass das Bestrafungsbedürfnis dieser Leute sozusagen ins Göttliche projiziert wird, und ihre „Beziehung“ zu Gott sich gebildet hat adäquat zu den als belohnend oder strafend erlebten und tief verinnerlichten Gestalten der Elternautorität.

Psychologisch betrachtet erscheint das ganze pseudointellektuelle Gequatsche streng konservativer Theologen so gesehen lediglich als Ausdruck einer zutiefst infantilen Frömmigkeitshaltung, die darin besteht, das Über-Ich, die Strafängste und Belohnungshoffnungen der Kindheit also, mit Gott zu verwechseln, und den Infantilismus als Tugendideal durch das ganze Leben zu tragen und womöglich sogar für allgemeingültig zu erklären. Man macht sozusagen aus seinen Kinderängsten einen Beruf, indem man als kirchliche oder politische Autorität bestimmte Moralvorstellungen zum Maßstab der Sittlichkeit erhebt.

So versteht man einen Josef Ratzinger ganz gut, dem ich eine Abschrift des oben erwähnten Vortrags von Eugen Drewermann gerne zum 90. Geburtstag schenken würde, da er, Ratzinger,  ja immer beteuert, dass er die noch verbleibende Zeit seines Lebens vorwiegend mit lesen verbringen möchte…

von Volker Brokop

Abgründe des Reformators


hat eine Dokumentation veröffentlicht, die mit einer Vielzahl von Luther-Zitaten darstellt, mit welcher Brutalität und welchem Sadismus der in diesem Jahr von der evangelischen Kirche gefeierte Reformator alle möglichen Menschen in den Tod schicken wollte. Das Inhaltsverzeichnis zeigt, wen der Hassprediger auf seiner Todesliste hatte:

  1. Luther und die geistliche Konkurrenz
    a) die römisch-katholische Kirche
    b) protestantische „Sekten“
  2. Luther und die Juden
  3. Luther und die aufständischen Bauern
  4. Luther und die Frauen
  5. Luther und die Hexen
  6. Luther und die Behinderten
  7. Luther und die Freiheitsliebenden
  8. Luther und die Philosophen
  9. Schlussfolgerung

Dokumentation als PDF-Datei

Infos unter http://Hassprediger-Luther.de

The Bright Side of Life


Zum 5. Mal wird am Karfreitag „Das Leben des Brian“ gezeigt

Auch in diesem Jahr wird die Initiative Religionsfrei im Revier am Karfreitag im Riff in Bochum öffentlich der Kultfilm „Das Leben des Brian“ zeigen und mit Bedacht gegen das Feiertagsgesetz NRW verstoßen.

Das Gesetz untersagt an diesem Tag alle „der Unterhaltung dienenden Veranstaltungen“. Tanz-Veranstaltungen sind verboten, Diskos müssen von Donnerstagabend bis Samstagmorgen geschlossen bleiben. Die Initiative Religionsfrei im Revier protestiert mit dieser Aktion zum fünften Mal gegen die religiöse Bevormundung in unserer Gesellschaft, die an diesem Beispiel besonders deutlich wird.

Die Initiative hat im letzten Jahr eines ihrer Ziele erreicht und mit ihrer Provokation die Voraussetzung dafür geschaffen, eine Verfassungsbeschwerde gegen das Feiertagsgesetz in Karlsruhe einreichen zu können.
Im Fokus der Kritik der Initiative steht weiterhin der Gesetzgeber, der im Stile eines fundamentalistischen Staates religiöse Normen auch für die Bürgerinnen und Bürger verbindlich macht, die keiner christlichen Organisation angehören. Religiöse Intoleranz, wie sie im ersten Gebot des Alten Testamentes formuliert wird, soll in diesem Jahr und in den nächsten Jahren Begleitthema der Filmvorführung am Karfreitag sein.

Die diesjährige Veranstaltung beginnt am Karfreitag um 19.30 Uhr mit einer Reihe von Kurzfilmen (Best of Youtube), Musiktiteln und Kabarettszenen, die sich satirisch mit Religion und Kirche auseinandersetzen. In einem kurzen Intermezzo nimmt die Initiative Religionsfrei im Revier die Feierlichkeiten der evangelischen Kirche zu ihrem 500 jährigen Jubiläum zum Anlass, um ihren Begründer Martin Luther als einen der herausragenden Hassprediger der Deutschen Geschichte zu Wort kommen zu lassen.

Luther rief u. a. dazu auf, den Papst und seine Kardinäle an den Galgen zu bringen, behinderte Kinder zu ertränken, aufständige Bauern zu erschlagen, Hexen zu verbrennen oder Ketzer zu rädern. Mit seinem Buch „Die Juden und ihre Lügen“ lieferte Luther den Stoff, mit dem die Führung der evangelische Kirche den Holcaust rechtfertigte und unterstützte. Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess angeklagte Nazis beriefen sich zur Rechtfertigung der Ermordung von Millionen von jüdischen Menschen auf Martin Luther.

Ein Großteil der Lutherzitate, die vorgetragen werden, sind bereits mit Quellenangabe auf der Webseite http://hassprediger-luther.de veröffentlicht.

Um 21 Uhr wird der Film „Das Leben des Brian“ gezeigt.
Der Eintritt ist frei.

Spezial „Reformation“

Angeregt durch das inzwischen allseitige Reformationsgedudel will auch RiBeL seinen Beitrag nicht schuldig bleiben und hat einige Infos zusammen getragen:

Die Überraschung im Jubeljahr 2017: Die Evangelische Kirche verliert „Platz Eins“ in Wuppertal als größte weltanschauliche Gruppierung.

Luther wurde kürzlich in Düsseldorf gesichtet, wie er dem geneigten Publikum auszugsweise seine Weisheiten vortrug.

Wir fragen, was es wohl kosten wird, dass Wuppertal (ohne eigenes Zutun) das Label „Reformationsstadt“ nutzen soll.

Mit den Luther-Feierlichkeiten werden viele seiner Originaltexte wieder bekannt. Darüber freuen wir uns – ehrlich!

hier zum RiBeL-Spezial „Reformation“

Bundestag ignoriert Verfassungsauftrag


Keine Sichtung der Staatsleistungen an die Kirchen

Der Deutsche Bundestag hat die Einsetzung einer Kommission zur Überprüfung der Staatsleistungen an die Groß-Kirchen abgelehnt. Allein die Linksfraktion im Bundestag hatte gefordert, dass eine Expertenkommission beim Finanzministerium „den Umfang der enteigneten Kircheneigentümer und der bisher geleisteten Entschädigungszahlungen evaluiert und prüft“. (Prüft!)

Vielmehr hat der Bundestag diesen Antrag vom Mai 2015 abgelehnt – ohne Diskussion. Diese Staatsleistungen fließen jedes Jahr seit 1803 an die Eiden Groß-Kirchen und sollen diese für Enteignungen im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses von damals entschädigen. Im aktuellen Haushaltsjahr beläuft sich der Betrag auf über 500.000.000 Euro, die der Staat an die beiden großen Kirchen zahlt (s. Informationsportal Staatsleistungen.de).

Bereits 1919 bestand ein breiter politischer Konsens, dass diese Zahlungen an die Kirchen beendet werden sollen und dieses wurde im Verfassungsartikel 138 festgelegt. Auch das Grundgesetz hatte diesen Grundsatz übernommen (Art. 149). Immerhin habe die beiden Kirchen nur in der Zeit der Bundesrepublik 17 Milliarden Euro erhalten – ohne weitere Gegenleistungen. Außer der CDU sprechen sich zwar alle Parteien für die Ablösung dieser Zahlungen aus, dem Antrag der Linken mochten sie dennoch nicht zustimmen. Einen anderen Antrag gab es nicht …

mehr auf hpd.de vom 10. Mär 2017

Atheisten-Verband fordert Umbenennung der Luther-Straßen


Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) fordert anlässlich des Reformationstages die Umbenennung der nach Martin Luther benannten Straßen und Plätze.

„Wenn heute an Martin Luther erinnert werden soll, darf dies nicht kritiklos geschehen“, sagt René Hartmann, erster Vorsitzender des IBKA. „Angesichts seiner Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, seiner Geringschätzung der Frau und vor allem seines extremen Antijudaismus ist Luther als Namensgeber für Straßen und Plätze absolut ungeeignet.“ Denn ein Straßenschild verschweige zwangsläufig die dunklen Seiten des Reformators und trage somit zu einem falschen Geschichtsverständnis bei. Die evangelischen Kirchen rief Hartmann dazu auf, ihren Worten Taten folgen zu lassen und die Forderung des IBKA zu unterstützen.

Die EKD und ihr Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm haben sich zwar mit deutlichen Worten von Luthers Judenhass distanziert, gleichzeitig aber werde Luther von den evangelischen Landeskirchen im Vorfeld des Reformationsjubiläums überwiegend unkritisch präsentiert. „Die nachdenklichen Stimmen gehen völlig unter im Luther-Hype mit Luther-Gummiente, Luther-Lutscher und Luther-Bonbons“, betont der IBKA-Vorsitzende. „Mit Lippenbekenntnissen ist niemandem gedient. Die evangelische Kirche muss im Rahmen des Reformationsjubiläums ihren Beitrag dazu leisten, dass sich in der Öffentlichkeit ein kritisches Lutherbild durchsetzt.“

Hintergrund

Martin Luther hat mehrere judenfeindliche Texte verfasst. In seiner Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ (1543) entwirft er ein „Sieben-Punkte-Programm“, in dem er u.a. die Zwangsenteignung, Zwangsarbeit und das Verbrennen der Synagogen vorschlägt. Der IBKA hat Ende Oktober 2016 zahlreiche Kommunalparlamente aufgefordert, auf eine Umbenennung der Martin-Luther-Straßen und -Plätze hinzuwirken.

hier noch ein Kommentar dazu

Neulich: Luther in Düsseldorf


Zum Jubelfeste „Luther500“ gab es neulich im ISS-Dome in Düsseldorf ein „Pop-Oratorium“. Da trat  der nämliche persönlich auf und trug dem geneigten Publikum auszugsweise seine Weisheiten vor. Die Umstehenden lauschten andächtig, staunten aber nicht schlecht über das Gehörte. War doch das meiste davon in deren Religions- und Konfirmations-Unterricht unter den Tisch gefallen. Hier einige Kostproben:

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„Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allemal, dass die Männer durch sie geboren werden.“
„Ob sie sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts, lasst sie sich nur tot tragen, sie sind dafür da!“
„Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes.“
„Will die Frau nicht, so komm‘ die Magd!“

Kinder
„Bei der Kindererziehung muss der Apfel neben der Rute liegen… Ein toter Sohn ist besser als ein ungezogener.“
„Wenn man aber von den teufelsähnlichen Kindern erzählt, von denen ich einige gesehen habe, so halte ich dafür, dass sie entweder vom Teufel entstellt… oder dass es wahre Teufel sind.“
„Man solle die Wechselbälge und Krielekröppe ersäufen, denn solche Wechselkinder sind lediglich ein vom Satan in die Wiege gelegtes Stück seelenloses Fleisch, das denn nicht gedeiht, sondern nur frisst und säugt.“

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„Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind.“
„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrenne, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich… Zum anderen, dass man auch ihre Häuser zerstöre.“

Einfache Menschen
„Man darf dem Pöbel nicht zu viel pfeifen, er wird sonst gern toll… Denn der Pöbel besitzt und kennt kein Maß. In jedem einzelnen stecken wohl mehr als 5 Tyrannen. So ist es besser, von einem Tyrannen, das heißt von der Obrigkeit, Unrecht zu leiden, als von unzähligen Tyrannen, das heißt vom Pöbel.“
„Man soll sie zerschmeißen, würgen und stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund totschlagen muss!“

Vernunft
„Die Vernunft ist eine Teufelshure und Teufelsbraut. Wer sich ihrer bedient, stürzt ins Dunkel und in die Sünde.“

 

 

noch mehr Luther in O-Ton

 

Warum „Pro Ethik NRW“?


Der religiöse Zuspruch ist in der deutschen Bevölkerung seit Jahren deutlich in Bewegung. So nimmt die Gruppe der konfessionsfreien Menschen stetig zu und erreicht in NRW inzwischen bald 30 %. Ähnlich verhält es sich mit der Zusammensetzung der Schülerschaft.

Dementgegen wird vielfach das comeback der Religionen beschworen. Beim genaueren Hinsehen stellt sich das als comeback der Religionsvertreter dar. Dies zeigt sich z.B. durch das zunehmende Gejubel um „Luther500“ oder an der gemeinsamen Erklärung mit Religionsführern, zu der sich die grüne NRW-Schulministerin letztens veranlasst gesehen hatte.

Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass inzwischen fast 400.000 Kinder und Jugendliche in NRW keinen angemessenen Unterricht erhalten, der eben weitgehend religionsfreie Werte zum Thema hätte. Auch die teilweise Versorgung durch „Praktischer Philosophie“ bringt keine zufriedenstellende Abhilfe! Zudem gibt es dieses Fach in der Grundschule derzeit gar nicht.

Bundesverfassungsgericht hat 1974 darauf aufmerksam gemacht, dass es sich beim Religionsunterricht um die Vermittlung von „Glaubenssätzen … als bestehende Wahrheiten“ handelt. Kurz: Christen-Mission. Inzwischen wird laut darüber nachgedacht, wegen rückläufiger Schülerzahlen einen irgendwie gearteten überkonfessionellen Religionsunterricht zu schaffen – natürlich unter kirchlicher Ägide.

Aber es könnte auch anders gehen: Der Humanistische Verband NRW ist für die „die Einrichtung eines obligaten Fachs ‚Ethik, Religionen, Weltanschauungen’“, ebenso der Internationale Bund Konfessionsloser und Atheisten (IBKA), die Landes-Schüler/innen-Vertretung NRW, die Grünen NRW, DieLinke.NRW und auch die FDP NRW. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist zu dem Thema nicht nur in NRW „in der Diskussion“. Der Fachverband Philosophie NRW hatte schon einen Lehrplanentwurf „Praktische Philosophie“ für die Grundschule vorgestellt.

Diese Ansätze und Ideen müssten zusammen geführt werden, um in Auseinandersetzung mit anderen weltoffenen Menschen Verständigung und Lösungswege zu suchen.

mehr Info unter www.Pro-Ethik-NRW.de

Warum Menschen fliehen


In vielen Teilen der Welt werden Menschen Opfer von Krieg, Gewalt und Verfolgung, von Diskriminierung, Not und Perspektivlosigkeit. Gegenwärtig sind über 65 Millionen Menschen auf der Flucht, mehr als je zuvor. Darunter befinden sich viele, die besonders verletzbar sind: Kinder, Schwangere, Alte und Kranke.

Unsere Aufgabe ist es, deutlich Position zu beziehen und laut für die Menschen- und Flüchtlingsrechte einzutreten: Jeder Mensch hat das Recht auf ein Leben in Freiheit und Würde – und darauf, Schutz vor Verfolgung zu finden.

pro-asylAsyl ist Menschenrecht
Info zu „Flucht und Asyl“
(download: 20 MB)

Die Foto-Ausstellung dazu wird in Wuppertal zweimal präsentiert durch „kein mensch ist illegal“.


Alte Feuerwache, Gathe 6, Wpt-Elberfeld
9.3.-7.4., geöffnet: Mo, 15.30-18 h, Di-Frei 9.3o-12.30 + 15.30-18 Uhr

Do, 9.3., 19 h, Einführung für Ehrenamtliche mit Erfahrungsaustausch, Führung + musikal. Einrahmung
Mi, 22.3., 19 h, Diskussion „Rassismus in der Flüchtlings-Debatte und im Alltag der Geflüchteten“ mit Arzu Cicek (Uni Wuppertal), Tareq Alaows (refugee strike Bochum), Ali Ismailovski (Flüchtlingsrat NRW)
Mo, 27.3., 19.30 h, Film in Kooperation mit Mark Tykwer ( „OFFSTREAM“) „Alles Gut“ ( 1 Jahr lang wurden die Eingewöhnungsanstrengungen von 2 geflüchteten Familien beobachtet.)
Mi, 29.3., 16-18 h, Führung vor allem für Geflüchtete
So, 2.4.,14-17 h, Cafe für Geflüchtete, Führungen in verschiedenen Sprachen


Haus der Jugend Barmen, Geschw.-Scholl-Platz
4.5.-31.5., geöffnet: Mo. – Fr., 10 – 19 Uhr

Do, 4.5. 19 h, Einführungsveranstaltung: Führung + kurdische Musikgruppe
So, 7.5., 11 – 14 Uhr, Café für Geflüchtete, Führungen in verschied. Sprachen
Do, 18.5., 19 h, Saal, Theatergruppe „wupperspuren“ zeigt Szenen aus neuem Stück + Diskussion
Sa, 20.5. Aktionstag „Wir l(i)eben bunt“ mit Führungen und musikal. Einrahmung
Di, 23.5., 19 h, Führung


a77_720x600Führungen f. Schulklassen ab Kl. 4
Info und Kontakt: Bernhard Fedler
0202-470490 od. ferdi270@gmx.de
https://kmiiwuppertal.wordpress.com

„Helene-Stöcker-Schule“ Wuppertal


Die Schulkonferenz der ehem. „Förderschule Lernen Ost“ in der Wuppertaler Lentzestraße beantragte im Sep. 2015 den neuen Namen „Helene-Stöcker-Schule“. In der Antragsbegründung an die Stadt heißt es:

„Helene Stöcker wurde 1869 in Elberfeld geboren und starb 1943 in New York. Sie war eine bekannte Frauenrechtlerin und setzte sich für die Rechte alleinerziehender Mütter ein. Sie gründete den ‚Deutschen Bund für Mutterschutz und Sexualreform‘. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde sie in der Friedensbewegung aktiv.“ Dem folgte der Rat der Stadt Wuppertal im Juli 2016 und die Schule veranstaltete ein Schulfest anlässlich des neuen Schulnamens (s. Foto).

helene-stoecker-schuleDem Bund für „Mutterschutz und Sexualreform“ hatte neben Helene Stöcker auch Max Weber und August Bebel als Mitglieder und trat außerdem für die Straffreiheit bei Abtreibung und gesellschaftliche Toleranz gegenüber männlicher Homosexualität ein.

Die damalige Forderung „nach gleichberechtigter Beziehung zwischen Frau und Mann“ wurde auch so verstanden, dass Frauen ihre Sexualität auch außerhalb der Ehe frei ausleben durften. Bei der Namenssuche für die Förderschule hatte das wohl keine Rolle gespielt, aber in der damaligen Situation sollte ein als selbstverständlich erscheinendes Vorrecht des Mannes angegriffen werden!

Helene Stöcker beteiligte sich mit dem „Mutterschutzbund“ an der Gründung des „Weimarer Kartells“, zu dem mehrere freidenkerische und freigeistige Organisationen im Jahr 1907 zusammenfanden. Dem gehörte u.a. der Deutsche Freidenkerbund an, quasi eine Vorläuferorganisation des Humanistischen Verbandes. Zweck des Weimarer Kartells waren u.a. die „freie Entwicklung des geistigen Lebens und Abwehr aller Unterdrückung“, ferner die Trennung von Schule und Kirche und die vollständige Verweltlichung des Staates.

Aus Sichte der Religionsfreien wurde damit eine gute Entscheidung getroffen, eine Schule in Wuppertal nach einer konsequenten Atheistin zu benennen.

So steht auch der Name Alma Kettig noch zur Verfügung – vielleicht für eine Humanistische Kinder-Tagesstätte?

mehr zu Helene Stöcker
zum Helene-Stöcker-Denkmal
Foto: Helene-Stöcker-Schule

Helfen lohnt sich


Wer sich um andere kümmert, lebt länger

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Eine Studie untersuchte den Zusammenhang von Kümmern und Lebenszeit: Ältere Menschen, die andere unterstützen, leben länger. Das belegt eine Studie, die in der Fachzeitschrift Evolution and Human Behavior erschienen ist. Daran beteiligt waren Forschende der Universität Basel, der Edith Cowan University, der University of Western Australia, der Humboldt-Universität zu Berlin und des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin.

Wer sich im Alter um andere kümmert, tut damit auch sich selbst etwas Gutes. So leben Großeltern, die sich um ihre Enkelkinder kümmern, im Schnitt länger als Großeltern, die das nicht tun. Dies konnte ein internationales Forschungsteam anhand von Überlebensanalysen von über 500 Menschen im Alter zwischen 70 und 103 Jahren zeigen. Basis waren Daten der sogenannten Berliner Altersstudie aus den Jahren 1990 bis 2009.

Anders als in den meisten Studien zum Thema bezogen die Forschenden gezielt keine Daten mit ein, die intensive Pflegeaufgaben wie Vormundschaften innerhalb der Familie beinhalten. Stattdessen verglichen sie Großeltern, die ihre Enkelkinder betreuten, mit Großeltern, die dies nicht taten sowie mit älteren, enkel- oder kinderlosen Menschen, die sich um andere Menschen in ihrem sozialen Umfeld kümmerten.

Die Ergebnisse der Analysen zeigen, dass sich ein solches Kümmern positiv auf die Lebenszeit der sich Kümmernden auswirken kann. Die Hälfte der Großeltern, die ihre Enkelkinder umsorgten, lebten noch etwa zehn Jahre nach dem ersten Interview 1990. Ähnlich sieht es bei Menschen aus, die zwar keine Enkelkinder hatten, aber ihre Kinder unterstützten, beispielsweise im Haushalt. Von denjenigen, die sich nicht engagierten, starb dagegen etwa die Hälfte innerhalb von fünf Jahren.

Die Forschenden konnten darüber hinaus belegen, dass dieser positive Effekt des Kümmerns auf die Lebenszeit nicht nur bei Hilfeleistungen und Betreuung innerhalb der eigenen Familie gilt. Die Datenanalyse zeigt, dass auch kinderlose, ältere Erwachsene, die beispielsweise anderen Menschen emotionalen Beistand leisten, davon profitieren können. Die Hälfte der Engagierten lebte noch sieben weitere Jahre, während diejenigen, die sich sozial nicht engagierten, im Schnitt nur noch vier weitere Jahre weiter lebten.

„Jedoch sollte man das Sorgen für andere nicht als Patentrezept für ein längeres Leben verstehen“, sagt Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs „Adaptive Rationalität“ am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. „Wir gehen davon aus, dass bei einem moderaten Maß von Engagement tatsächlich positive Effekte auf die Gesundheit zu erwarten sind. Wenn es darüber hinaus geht, zeigen frühere Studien, dass dies zu Stress führt, der sich negativ auf die physische und psychische Gesundheit auswirkt“, so Hertwig. Da es in Deutschland nicht der Regelfall ist, dass sich Großeltern vollumfänglich um ihre Enkelkinder kümmern, wurden intensive Pflegeaufgaben nicht in die Analyse miteinbezogen.

Die Forschenden vermuten, dass die Wurzeln prosozialen Verhaltens ursprünglich in der Familie liegen. „Es scheint plausibel, dass die Entwicklung von prosozialem Verhalten der Eltern und Großeltern gegenüber ihren Nachkommen durch ein neuronales und hormonales System möglich gemacht wurde, das dann auch die Grundlage für Kooperation und altruistisches Verhalten gegenüber Nichtverwandten ermöglichte“, sagt Sonja Hilbrand, Doktorandin an der Fakultät für Psychologie der Universität Basel.

Weniger Katholiken und Protestanten


Halten die gegenwärtigen Trends an, dürfte bereits in etwa zehn Jahren die 50-Prozent-Marke unterschritten sein, also mehr als die Hälfte der Bevölkerung keiner der beiden Großkirchen mehr angehören.

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Ansteigen werden hierdurch die Bevölkerungsanteile der anderen „Weltanschauungsgruppen“, vor allem der Konfessionsfreien, die schon 2015 mit 36 Prozent die größte Gruppe in Deutschland stellten, sowie die konfessionsgebundenen Muslime, deren Bevölkerungsanteil 2015 nach fowid-Berechnungen bei 4,4 Prozent lag.

mehr Info

2016: kein gutes Jahr für Hellseher


Flüchtlingsstrom, Fußball-EM und Kometeneinschlag – zu allem gab es wilde Prognosen. Meist interessiert das Geschwätz von gestern nicht. Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP) hat für das ausgehende Jahr aber genau hingesehen und festgestellt: „“.

einschlagEinige Prognosen sind zum Jahreswechsel in Lokalpresse und Interviews mit Astrologen, Kartenlegern oder Hellsehern zu finden. Die Mehrheit stammt allerdings aus dem Internet: aus Blogs und anderen Texten sowie YouTube-Videos. Üblich sind ungenaue und schwammige Aussagen. Die GWUP versucht, die Prognosen soweit wie möglich beim Wort zu nehmen.

Nur wenige Prognosen sind klar und deutlich formuliert, der überwiegende Teil ist stark deutungsbedürftig. Es überwiegen allgemeine Formulierungen, die inhaltlich viel zu wenig eingeschränkt sind, um sich für einen echten Treffer zu qualifizieren. Zu den eindeutigen Klassikern der Prognosezunft zählen die Voraussagen von Umwelt- und Naturkatastrophen sowie von bevorstehenden Kriegen bis zum baldigen Ende der Welt.

hier der ganze Bericht

Foto: Huffingtonpost.de

Keine evangelikale KiTa in Mettmann


„Schaufenster Mettman“ brachte am 14. November 2016 den Bericht „Für eine christliche Kita gibt es in Mettmann keine Mehrheit

Der Streit ging um eine kleine KiTa in Mettmann, für die sich die AWO qualifizieren konnte. Dafür bekam sie eine breite Zustimmung. Die sog. „Alternative für Deutschland“ bemühte sich bei der Gelegenheit, die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde dagegen in Stellung zu bringen. Aber die Christen wollten deren Zuspruch offenbar nicht aufgreifen und zogen zurück. So drängt sich der Eindruck auf, es solle die Freikirchen-Gemeinde instrumentalisiert und zum Opfer stilisiert werden.

Interessant, dass die AfD eine Kita der Evangelikalen ausdrücklich begrüßt, aber die AWO als Träger verhindern wollte. Gerade die AWO steht ja bekanntlich dafür, dass sie sich wirklich „unabhängig von Konfession, Religion oder Nationalität“ für Kinder einsetzt und an der Verbesserung ihrer Entwicklungschancen arbeitet.

Und: Dabei ist sie im Hier und Jetzt verankert. Ob das wohl der Knackpunkt war?

Christliche Moral im Vernichtungskrieg


Das Christentum will sich auf der Seite der Schwachen und Opfer darstellen. Das war im II. Weltkrieg z.B. bei den Kriegspfarrern nicht der Fall. Das christliche Liebesgebot bezog sich auf die eigenen Leute, nicht auf die Opfer der Deutschen Soldaten. Was haben Kriegspfarrer wohl dabei empfunden, als sie den brutalen Eroberungskrieg an der Ostfront unterstützen?

Am 22. Juni 1941 überfiel die Wehrmacht die Sowjetunion, in der Folge ermordeten deutsche Einsatzgruppen Juden, Kommunisten, Sinti und Roma. Die Historikerin Dagmar Pöpping hat sich mit evangelischen und katholischen Geistlichen beschäftigt, die als Kriegspfarrer an den Ostfeldzügen teilnahmen.

Im Zweiten Weltkrieg gab es insgesamt 1342 Planstellen für Kriegspfarrer, das waren Geistliche, die für die Dauer des Krieges als Wehrmachtbeamte im Auftrag des Staates für die psychologische Vermittlung der deutschen Kriegsziele bei den Soldaten zuständig waren und in Predigten und Seelsorge die „Kampfkraft der Truppe“ stärken sollten.

Pöpping untersuchte Tagebücher, Briefe und Berichte und stellte fest, dass Kriegspfarrer schnell und unkompliziert Offizier werden konnten. Sie wollten bei der Vernichtung des Bolschewismus und der Re-Christianisierung der Sowjetunion mitwirken. Zudem dachten sie, über den Krieg kirchenferne junge Männer zu erreichen. Seelsorge wäre demnach dort am erfolgreichsten, wo der Krieg am grausamsten war, wo besonders viel gelitten und gestorben wurde.

hier ein Interview mit der Historikerin Dagmar Pöpping

Fast 10.000 Kindersoldaten in Deutschland …


… sind seit 2011 in der Bundeswehr gedrillt worden. Das ergab die kleine Anfrage “Minderjährige in der Bundeswehr” an die Bundesregierung. Demnach greift die Bundeswehr auf Kindersoldaten zurück. 2011 waren 689 Soldaten beim Diensteintritt noch minderjährig, und 2015 waren es 1.515.

Minderjährige nehmen an der regulären Ausbildung von Soldaten inklusive dem Training an der Waffe teil. Minderjährige und volljährige Soldaten sind mitunter auch in der gleichen Schlafstube untergebracht – teils auch gemischt geschlechtlich. Auch gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz für minderjährige Soldat/innen nicht, es gibt keine Jugendauszubildenden-Vertretung.

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teaser_redhandday_09So verwundert es nicht, dass allein 2015 rund 800 Wehrdienstleistende der Kaserne lieber wieder den Rücken zugewandt haben, in die sie Minderjährige eingerückt waren. Die steigende Anzahl an Kindersoldaten in der Bundeswehr ist ein Skandal. Junge Menschen werden mit falschen Erwartungen geködert und verlassen sie scharenweise.

Der UN-Ausschuss für Kinder-Rechte stellt bei Minderjährigen die Freiwilligkeit des Wehrdienstes in Frage. Somit läge ein Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention vor. Der UN-Ausschuss forderte die Bundesregierung daher wiederholt auf, das Rekrutierungsalter auf 18 Jahre anzuheben.

Das Schulministerium in NRW weigert sich hartnäckig das Kooperationsabkommen mit der Bundeswehr zu kündigen. So ergreifen Betroffene inzwischen Eigeninitiative: So gibt es z.B. in Solingen Schulen, die der Bundeswehr den Zutritt verwehren.
Wie kam es dazu?

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Nahtod-Erlebnisse ?


Die Ärzte stellten bei Alexander eine besonders gefährliche Form der Hirnhautentzündung fest, seine Überlebenschancen waren gering. Während sein Körper nur noch von Schläuchen am Leben erhalten wurde, schien dieser einen Ausflug ins Jenseits zu machen: „Zurückgesetzt in einen Zustand aus der Anfangszeit allen Lebens“ habe er sich gefühlt. Am Ende seiner Reise soll er, umgeben von rosaweißen Wolken, sogar dem Schöpfer höchstpersönlich begegnet sein. Alexander hatte Glück. Nach sieben Tagen erwachte er aus dem Koma.

Eine wissenschaftliche Einordnung derlei „Erfahrungen“ fällt schwer, weil sich die Erlebnisberichte teils stark unterscheiden. Etwa ein Drittel der Betroffenen erinnert sich an so genannte außerkörperliche Erfahrungen, bei denen sich das Ich vom eigenen Körper zu trennen und durch den Raum zu schweben schien. Andere erzählen davon, dass ihr Leben sprichwörtlich noch einmal an ihnen vorübergezogen sei. In etwa einem Viertel der Erzählungen tauchen Visionen von einem „dunklen Tunnel“ auf, oft mit einem gleißenden Licht an seinem Ende. Verbreitet sind auch spirituelle Erscheinungen. Diese spiegeln meist die eigenen religiösen Überzeugungen wider: Hindus erscheint häufig der Todesgott Yama, während Christen eher von paradiesischen Begegnungen mit Jesus erzählen

Foto: HP.Schulz

Foto: HP.Schulz


Trotz dieser groß angelegten Versuche
gibt es nach wie vor keinen Hinweis dafür, dass Nahtoderlebnisse aus dem Bereich des Paranormalen stammen. Weder kann mit diesen subjektiven Erlebnisberichten ein Leben nach dem Tod belegt werden noch eine Unabhängigkeit von Körper und Geist. Dennoch scheint von dem Thema eine ungebrochene Faszination auszugehen. Alexander, der eingangs erwähnte Neurochirurg, konnte die Geschichte seiner himmlischen Nahtoderfahrung in Millionenauflage verkaufen. Dass die Erzählung einige Ungereimtheiten aufweist und seine behandelnden Ärzte der Schilderung teils vehement widersprechen, wird dabei schon fast zur Nebensächlichkeit.

Die Neugier auf das, was während unserer letzten Atemzüge passiert, ist weiterhin groß – auch die unzähligen dokumentierten Nahtoderlebnisse geben nur einen vagen Hinweis darauf. Was genau wir in diesem Augenblick erleben, lässt sich wohl kaum wissenschaftlich erfassen: Wer es erfährt, kann davon nicht mehr berichten.

Der ganze Beitrag ist zu lesen bei SPEKTRUM

Kommunale Gelder für den Bau von Moscheen


Am 26. 10. 2016 hat der Stadtrat der Stadt Monheim mit den Stimmen der kommunalen Partei Peto beschlossen, den Bau von Moscheen und islamischen Gemeindezentren in der Stadt mit rund 845.000,- Euro zu bezuschussen.

Von dem Geld sollen in Monheim ansässige islamische Gemeinden entsprechende Grundstücke erwerben. Auch wenn es sich hier voraussichtlich nur um etwa 15 Prozent der gesamten Investitionssumme handelt und in anderen Städten (z.B. Duisburg) bis zu 40 Prozent der Kosten für einen Moscheebau aus öffentlichen Mitteln beglichen werden, hat diese Entscheidung für rege und zum Teil unsachlich geführte Diskussionen gesorgt.

Vorgebliche Kritik an Religionen, insbesondere am Islam, wird aktuell häufig von Menschen geäußert, die hiermit rassistische und nationalistische Motive verbinden. Diese Motive stehen jedoch im Widerspruch zu dem Ideal einer humanistischen, demokratischen Gesellschaft selbstbestimmter Menschen, in der die Menschenrechte nicht nur eine hohle Phrase sind.

Tritt man für eine solche Gesellschaft ein, stellt man allerdings schnell fest, dass auch die Förderung von Religionsgemeinschaften durch die öffentliche Hand dazu beitragen kann, diese Gesellschaft zu destabilisieren. Allen Religionen wohnt offenkundig auf Grund ihres Dogmatismus ein Hang zu Intoleranz und Inhumanität inne, der das gesellschaftliche Leben empfindlich stören kann. Dabei ist jegliche Verletzung der Menschenrechte und der Rechtstaatlichkeit durch religiöse Verhaltensregeln inakzeptabel.

Seit dem Zeitalter der Aufklärung ist es in Deutschland zum Glück gelungen, wichtige Menschenrechte, Demokratie sowie Toleranz und Gleichberechtigung der Geschlechter gegen den erbitterten Widerstand der christlichen Kirchen durchzusetzen. Im Falle der islamisch geprägten Staaten, aus denen nun viele Menschen in Folge von Flucht und Vertreibung, aber auch viele Glaubenslehrer und Betreiber von Moscheen zu uns kommen, steht diese Entwicklung im Allgemeinen noch aus.

Daher muss auf der Basis von Vernunft und Sachlichkeit die Tendenz mit Sorge betrachtet werden, dem Islam in Deutschland ähnliche Sonderrechte einzuräumen, wie sie bis heute vor allem die christlichen Religionen genießen. Anstatt neue Privilegien zu schaffen, sollten wir uns für die Abschaffung der bestehenden Kirchenprivilegien, speziell der steuerfinanzierten Unterstützung kirchlicher Einrichtungen (hierbei ist nicht von der Kirchensteuer die Rede) oder des staatlichen Religionsunterrichts einsetzen. Der Humanistische Verband geht dabei einen eigenen Weg und fordert z.B. für seine Mitglieder die Einführung eines Schulfachs „Humanistische Lebenskunde“ in Verbindung mit einer entsprechenden Lehrkräfteausbildung.

Gleichwohl ist Kritik am Einfluss der Religionen auf unsere mehrheitlich säkular geprägte Gesellschaft dringend erforderlich. Sie darf dabei nicht als intolerant, islamophob oder rassistisch diskriminiert werden.

Für eine friedliche, tolerante, freiheitliche und demokratische Grundordnung bedarf es der strikten Trennung von Staat und Religion und nicht der öffentlichen Finanzierung von Gebetsräumen, dies gilt sowohl in Monheim als auch überall sonst!

Mehrheit ist gegen Reli-Unterricht!


Eine aktuelle Umfrage ergab, dass mehr als zwei Drittel der Deutschen die Abschaffung des schulischen Religionsunterrichts befürworten.

Immerhin 69 Prozent der Befragten einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov wünschen sich, dass Deutschland dem Vorbild Luxemburgs folgt und den konfessionellen Religionsunterricht durch einen allgemeinen Werteunterricht ersetzt.

Nicht überraschend ist die Zustimmung im Osten Deutschlands besonders stark: Dort wird die Abschaffung des Religionsunterricht von insgesamt 81 Prozent der Befragten gefordert. Insgesamt forderten 39 Prozent der Befragten die Abschaffung „voll und ganz“ und 30 Prozent gaben zur Antwort, dass sie einen solchen Schritt „eher befürworten“ würden.

Der Werteunterricht sollte sich nur am Rande mit Religion beschäftigen. Eine Mehrheit von 60 Prozent sprachen sich bei der Umfrage dafür aus, dass in diesem Unterricht allgemeine Ethik, Normen und Werte im Zentrum stehen sollen. Gleichzeitig sagten 66 Prozent, dass verschiedene Religionen und Konfessionen zwar behandelt werden, aber nicht das Zentrum des Unterrichts bilden sollten.

Quelle: hpd.de vom 28. Sep 2016

Freidenker-Kalender 2017


2017_titel_300pxOrte – Ereignisse – Blicke

… so heißt der eben erschienene Kalender 2017 der Ulmer Freidenker*innen. Etliche Freidenker*innen haben sich umgesehen in Europa, umgesehen nach Zeugnissen des Widerstands gegen Unterdrückung, Naziterror, Atomwaffen,…

Bekanntes taucht auf, auch Bekannte: Klara Zetkin, Karl Marx, Walter Benjamin, Georg Elser, um nur einige zu nennen. Erinnerungen werden geweckt und wach, so an die Menschenkette 1983 gegen die Stationierung von Pershing II und Cruise missiles in Deutschland und anderswo (»“Was gilt die Wette? Wir schaffen die Kette!“ 108 km … Neu-Ulm – Stuttgart … 12:55 h: die Kette ist geschlossen« – das weckt Erinnerungen), an den bizarren Streit um das Deserteur-DENKmal in Ulm…

Die zwölf Kalenderblätter zeigen Fotos sowie drei Aquarelle, kurze Sentenzen und längere Texte dazu geben Anlass, nachzudenken, sich zu erinnern, auch daran zu erinnern, dass der Kampf um eine gerechte Welt erst begonnen hat. „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, das ist der Subtext des Kalenders, der ein Kalendarium aufweist, in dem Geburts- und Todestage wichtiger, für die Bürgerrechte kämpfender Menschen verzeichnet sind sowie Gedenktage wie der 8. Mai (» 1945 – Sieg über den deutschen Faschismus«).

Der Kalender hat das Format DIN A 4, 15 Seiten durchgehend farbig, Spiralbindung
Preis per Stück 8.50 Euro

Freidenker-Kalender hier zu bestellen

 

Bergwacht fällt Gipfelkreuz …

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Foto: Dt. Alpenverein Tölz

 

… aus Sicherheitsgründen – keineswegs zur Wahrung der Religionsfreiheit.

Um Pfingsten wurde ein Kreuz an der Dudl-Alm unterhalb des Braunecks zerstört, am 30. Juli geschah dies mit dem Gipfelkreuz am Prinzkopf oberhalb des Sylvensteinstausees. Einige Hinweise sprechen dafür, dass in allen drei Fällen derselbe Täter am Werk war.

Keine Satire: Der DAV Tölz setzt nun eine Belohnung für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen.

Hier steht alles ganz genau.

Geiz ist gar nicht mal so geil …


… denn damit treiben wir Menschen in die Flucht

Wenn wir Lebensmittel, technische Geräte oder Kleidung einkaufen, dann achten wir nicht nur auf den guten Geschmack oder das Aussehen: Es soll auch möglichst billig sein. Das klappt in Deutschland sehr gut, denn viele Geschäfte und Onlineshops bieten uns Sonderangebote und Dauertiefpreise.

Das Einkaufen zu niedrigen Preisen ist möglich, weil viele westliche Konzerne ihre Produkte in fernen Ländern produzieren lassen. Hier interessiert es keinen, dass Menschen von ihrem Lohn nicht leben können, die Arbeitsbedingungen lebensgefährlich sind oder Wasserquellen nur noch für die Produktion und nicht von den Menschen selbst genutzt werden dürfen. Dies sind nur einige Beispiele für Bedingungen, die dafür sorgen, dass die Konzerne viel Geld sparen und damit mehr produzieren können und wir uns über billige Angebote freuen können.

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Plakatserie von „kein mensch ist illegal“ Wuppertal

Gleichzeitig zerstören diese Bedingungen die Lebensgrundlage mehrerer Millionen Menschen. Indem wir die Produkte kaufen, sorgen wir dafür, dass sich an diesen Umständen nichts ändert und immer mehr Menschen aus ihrer Heimat fliehen müssen, weil sie dort nicht mehr leben können.

Etwas gegen diese Ungerechtigkeit zu tun, ist gar nicht so einfach, denn es handelt sich um ein unübersichtliches und großes System. Trotzdem kann jeder von uns zumindest kleine Teile dazu beitragen:

Zunächst können wir uns informieren und darüber mit unserer Familie, unseren Freunden sowie in der Schule, an der Uni oder bei der Arbeit mit anderen Menschen ins Gespräch kommen. Außerdem gibt es inzwischen viele Möglichkeiten fair gehandelte Produkte zu kaufen, bei deren Herstellung Menschen unter erträglicheren Bedingungen arbeiten. Die Produkte kosten dadurch zwar ein wenig mehr, dafür müssen diese Menschen weniger unter unserem Einkauf leiden.

a77_720x600Hier mehr Infos
www.forum-fairer-handel.de
www.fairtrade-deutschland.de
www.fairwear.org

Eine Initiative in Wuppertal von
kein mensch ist illegal

Todesengel von Kalkutta „heilig“ gesprochen – wie erwartet

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Foto © Túrelio wikimedia


Der Papst hat Anfang des Jahres den Weg für die Heiligsprechung von Mutter Teresa bereitet, indem er eine angebliche Wunderheilung anerkannte, die sie nach ihrem Tod erwirkt haben soll. Das ruft in doppelter Weise Verblüffung hervor: einerseits wegen der Tatsache, dass die extrem zweifelhafte Geschichte mit der Wunderheilung einfach so akzeptiert wird, andererseits ob der zweifelhaften Leistungen der Frau.

Naiverweise stellt man sich doch unter einer Heiligen eine Frau vor, die viel Gutes und nie Schlechtes getan hat. Diese Definition mag zwar nicht felsenfest sein, dürfte aber doch dem allgemeinen Gefühl entsprechen.

Der Humanistische Pressedienst (hpd) hat diese Punkte einmal näher beleuchtet.

zur Vorgeschichte siehe auch hier

Schulgottes-Dienst


Schulgottesdienste vermitteln religiöse Erfahrungen, die den Religionsunterricht und das Schulleben sinnvoll ergänzen.“ So heißt es im Erlass des Schulministeriums NRW zum Schulgottesdienst vom Juni 2016. Die vorherige Fassung von 1965 kam noch ohne diese Rechtfertigung aus. Wer aber eine derartige Veranstaltung selbt erlebt hat, fragt sich nach der Substanz des Schulgottes-Dienstes. Worin genau soll die behauptete „sinnvolle Ergänzung“ liegen?

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Im bildungportal.nrw.de ist u.a. zu lesen: „Religiöse Feste im schulischen Alltag bieten Kindern und Jugendlichen vielfältige Möglichkeiten, in Gemeinschaft zu feiern.“ Auch Fächer und Jahrgänge übergreifendes sowie gemeinsames Lernen wird allenthalben propagiert und von der Schulaufsicht eingefordert, jedoch auf der Ebene der Bekenntnisse der Schüler/innen gilt dies offenbar nicht. Denn laut Erlass ist „die Teilnahme am Schulgottesdienst … nicht verpflichtend“ und dergleichen Veranstaltungen „bleiben in der Regel den bekenntnisangehörigen Schülerinnen und Schülern vorbehalten“. Gleichwohl werden aus allgemeinen Steuergeldern die Schülerfahrt-Kosten zum Schulgottes-Dienst erstattet; er findet nach entspr. Vorschrift an einem „Unterrichtsort“ statt.

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Ferner wird im Erlass geregelt, dass die Schulleitung die Zeiten für Schulgottesdienste festlegt und im Stundenplan ausweist. Um große Debatten zu vermeiden, seht die Durchführung auch gar „nicht zur Disposition … einzelner Mitwirkungsorgane“. Jedoch wird im Erlass empfohlen, „in den Mitwirkungsgremien zu beraten, um den Schulgottesdienst in das Gesamtkonzept schulischer Veranstaltungen einzubeziehen“. Sollen bei dieser Gelegenheit lästige Nachfragen seitens konfessionsfreier Eltern ggf. im Vorfeld ausgeräumt werden?

Für alle die nicht teilnehmen mögen, bestimmt der Erlass: „Für die Zeit des Schulgottesdienstes besteht die Aufsichtspflicht der Schule“. Werden dann Arbeitsblätter ausgeteilt, sprechen böse Zungen von „Heiden hüten“. Nach unserer Ansicht stehen in diesem Zusammen einige Fragen im Raum: Haben Bekenntnis freie Schüler/innen keinen Anspruch auf eine „sinnvolle Ergänzung des Schullebens“? Wieso brauchen Schüler/innen dazu einen Gott? Wo bleibt interkulturelles Lernen, wo die Integration? Ist es rechtens, dass Interessen religionsfreie Schüler/innen einfach ignoriert werden?

Wie könnten Alternativen aussehen?

In NRW sind bald 30 % der Bevölkerung religionsfrei. Daher könnte es auch alternative Lern- und Erfahrungsangebote für konfessionsfreie Schüler/innen geben – altersangemessen und in allen Jahrgängen. In anderen Bundesländern führt der Humanistische Verband seinen Lebenskundeunterricht durch. In Berlin gibt es für konfessionsfreie Schüler/innen auf Antrag unterrichtsfrei am Welthumanistentag (21. Juni), um über Zusammenhalt und Miteinander unserer Gesellschaft nachzudenken und humanistische Feierkultur zu pflegen. Die beliebten Oberstufentage könnten mit weltlich-philosophischer Fragestellung unter Mitwirkung einer säkularen Einrichtung realisiert werden statt ausschließlich unter kirchlicher Regie und Manches mehr.

Eine andere Option wäre, den Reli-Unterricht, Gottes-Dienste und andere missionarische Aktivitäten aus öffentlichen Schulen zu verbannen. Das wäre eine konsequente Trennung von Schule und Kirchen (aller Art). Glauben ist schließlich Privatsache!

„Volkssolidarität“ ist Praktischer Humanismus


Nicht „Essen auf Rädern“ sondern alles Mögliche. Angefangen haben sie mit einer ganz simplen Idee. Es gibt ganz viele Alleinstehende, die sich nicht richtig trauen, alleine auszugehen, z.B. in das Theater. Also haben sie einen Kulturkreis gegründet, als Einstieg, um Menschen zu ermöglichen, zusammen schöne Dinge zu erleben.

Die Rede ist von der Ortsgruppe der „Volkssolidarität“ in Ratingen. Sie veranstalten auch Kennenlern-Frühstücke, bei denen Urratinger und Zugezogene sich mal treffen können – und Einiges mehr.

Die Volkssolidarität ist nach eigenem Verständnis ein einheitlicher, demokratisch organisierter, gemeinnützig wirkender, parteipolitisch und konfessionell unabhängiger Sozial- und Wohlfahrtsverband. Er bekennt sich zu den humanistischen und demokratischen Grundwerten und tritt für soziale Gerechtigkeit ein.

dazu ein Beitrag in der Jungen Welt

Demos gegen den Autoritarismus in der Türkei


„Der Arbeitskreis Staat und Kirche der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen Köln, die Säkularen Grünen und die laizistischen Linken NRW rufen zur Teilnahme an Demos gegen den Autoritarismus Erdogans am 31.07.2016 in Köln auf.

Die aufrufenden Verbände sind entsetzt über die Verletzungen von Freiheitsrechten in der Türkei, insbesondere der Presse- und Wissenschaftsfreiheit, Unabhängigkeit der Justiz und der Gewaltentrennung generell durch Polizeigewalt, Folter, Massen-Verhaftungen und Ausreiseverbote. Alle Verbände fürchten auch um das Schicksal ihrer türkischen Schwesterorganisationen.

Wir begrüßen die Initiative der Parteijugend-Organisationen in NRW, breite Demonstrationen „Erdowahn stoppen“ am kommenden Sonntag zu organisieren.

Aus den vergangenen Monaten ist uns bewusst, dass ein breiter autoritärer Block aus Islamismus und türkischem Nationalismus auch in Europa mittlerweile offen für Erdogans Politik eintritt und deshalb Demonstrationen hiergegen zur Stärkung von Demokratie und Recht hier und in der Türkei dringend notwendig sind.“

Die Demonstration für Demokratie und Menschenrechte in der Türkei, die die politischen Jugendverbände Jusos, Grüne Jugend, Julis und solid organisiert haben, findet nach jetzigem Stand um 14:00 Uhr am Heumarkt statt.

 

Ein Land ohne Gott


Der Landtag von Schleswig-Holstein hat knapp entschieden, dass die Präambel der Verfassung nicht geändert wird. Damit kennt die Verfassung nun keinen „Gott“.

Ein guter Tag für alle in Schleswig-Holstein. Damit gilt weiterhin eine Verfassung, die von allen Parteien 2014 gemeinsam erarbeitet, vom Landtag mit überwältigender Mehrheit beschlossen wurde und die sich die meisten Schleswig-Holsteiner wünschen. Sie ist modern und zeitgemäß, sie eint statt zu spalten.

Das Landesparlament ist damit dem Vorschlag gefolgt, die Menschenrechte zur Grundlage der Verfassung zu machen. Glaube ist und bleibt nun Privatsache, der Staat braucht sich nicht in persönliche Glaubensfragen einzumischen.

Dazu auch in der Jungen Welt vom 25. Juli 2016:
»Schleswig-Holstein kam ohne Gottesbezug aus«

Wessen Gott mag der Richtige sein?


Die Bildungsgewerkschaft GEW macht auf ihrer Webseite auf ein Buch aufmerksam, dass darüber „aufklärt“, dass der „Gott“ der Juden, der Christen und der Muslime „immer der eine Gott ist“.

In diesem Zusammenhang möchte man beim Hauptvorstand der „Bildungsgewerkschaft“ die Bildung anzweifeln. Denn was soll es mit Bildung zu tun haben, wenn Kindern vermittelt werden soll, „dass es immer der eine Gott ist, der viele Gesichter und Eigenschaften hat, und zu dem es unterschiedliche Zugänge gibt“?

gew+Die GEW verkauft das mit dem Argument, dass dieses Kinderbuch zwar keine Antworten liefert, „aber Denkanstöße“ und deshalb als Aufruf zu Frieden und Toleranz“ anzusehen sei.
Frieden und Toleranz in einen Zusammenhang mit Religionen zu erwähnen… dazu gehört schon eine ordentliche Portion Chuzpe. Schließlich ist es genau der „Gott“, der die Gläubigen dazu bringt, intolerant und wenig friedfertig zu Anders- oder gar Ungläubigen zu sein.

Es spricht Bände, dass das „Ferkelbuch“ von Michael Schmidt-Salomon von der GEW nie erwähnt wurde; ja, das sogar eine Suche nach dem Namen des Autors auf der Webseite der GEW kein Ergebnis bringt.

gefunden beim Humanistischen Pressedienst

Flüchtlingswelle überrollt Verstand

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Foto: David Schnitker – Drones Photography

In einem Flashmob wurde am Dienstag das zahlenmäßige Verhältnis der Bevölkerung Deutschlands zu den 2015 aufgenommenen Flüchtlingen dargestellt: 80:1. Ziel der Aktion war es aufzuzeigen, dass die verbreitete Vorstellung, Deutschland würde von einer Flüchtlingswelle überrollt, der sachlichen Grundlage entbehrt.

Die Angst vor „Überfremdung“ ist groß in Europa. Worte wie „Flüchtlingswelle“ oder „Asylantenschwemme“ schüren die Angst der einheimischen Bevölkerung, in der Menge der Hilfesuchenden, die derzeit nach Europa drängt, mit Sack und Pack unterzugehen.

Angesichts dieser Horrorszenarien, die durch die bildreiche Berichterstattung der Medien ungewollt befeuert werden und die den rechten Parteien die Wähler geradezu in die Arme treiben, ist es sinnvoll, einen kühlen Kopf zu bewahren und einen nüchternen Blick auf die Verhältnismäßigkeiten zu werfen.

Genau das dachten sich auch die Brüder Max und Lorenz Wielenga, die Veranstalter des Flashmobs 80:1, der am Dienstag im westfälischen Münster stattfand.

Beitrag komplett bei Humanistischer Pressedienst

Eine etwas andere Hochzeitsfeier


Bekanntlich sind von Pastoren geschlossene Ehen vor dem Gesetz nichts wert. So gesehen kann auch der Vorsitzende des Deutschen Freidenkerverbandes (DFV), Klaus Hartmann, die „Rolle“ eines Pfarrers übernehmen:

Das Brautpaar saß mit zwei weißen Tauben in den Händen unter freiem Himmel, als Hartmann seine Rede hielt. Er vermied allerdings, die Haltung von Karl Marx zur Ehe auszuführen. Die Tauben wurden in die Luft entlassen und es wurde mit Sekt angestoßen – so geschehen auf dem UZ-Volksfest am 3. Juli in Dortmund. Ob Krimsekt oder Rotkäppchensekt blieb ungeklärt.

Nicht an dieser Hochzeit, aber an dem traditionellen Fest der DKP nahmen wieder tausende Menschen teil und nicht nur aus der Ruhrregion. Viele reisten gar aus dem Ausland an. Insgesamt hat das Fest schon eine eigene Prägung. Der nicht-kommerzielle Charakter dieses „Pressefestes“ verbietet Wurstbuden professioneller Händler.

Vielmehr sind Getränke- und Essensstände und das mehrtägige Kulturprogramm ausschließlich mit eigenen Kräften selbst organisiert. Rote Fahnen wurden geschwenkt und das Publikum klatschte begeistert, als die Musiker internationale Kampflieder sangen. So traten Künstler und Musikgruppen u.a. aus der Türkei und natürlich aus Kuba auf.

Warum sollte das nicht das richtige Setting für eine Hochzeit sein? Als Alternative zur Kirchenhochzeit erscheint es allemal tauglich.

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Foto: Gabriele Senft in jw 4.7.2016

Der ganze Bericht steht in der Jungen Welt

Erzdiözese München


Göttliche Buchhalter des Tages

Den Seinen gibt es der Herr im Schlaf, weiß das Bibelwort. Die Jahresbilanz der katholischen Erzdiözese München ist zwar nicht Bestandteil der Heiligen Schrift, die ja bekanntlich mit der Johannes-Apokalypse abschließt, die der Welt die völlige Vernichtung verheißt. Obwohl sie, also die Bilanz, in der Lage wäre, die Richtigkeit des biblischen Satzes trefflich zu bestätigen: Sechs Milliarden Euro besitzt der Sprengel, sogar noch eine halbe Milliarde mehr als ursprünglich bekanntgegeben, teilte der Generalvikar der Erzdiözese, Peter Beer, am Montag dem Bayrischen Rundfunk(BR) mit.

jw-kirchensteuerVieles davon ist zusammengerafft in dunklen Jahrhunderten, als die »eine, heilige, katholische und apostolische Kirche« noch die ganz große Nummer war, der größte Grundbesitzer sowieso (das ist sie, zusammen mit den Häretikern der evangelischen Kirche, in der BRD immer noch), aber auch sonst: Ablasshändel, Spenden fürs Seelenheil, Konkordatsverträge – die Liste wäre, wenn sie denn vollständig sein sollte, sehr lang.

Zumindest ein guter Teil des Reichtums fällt den Gottesleuten aber wirklich im Schlafe zu, und zwar fortgesetzt. 2015 erhielt das Erzbistum 570 Millionen Euro aus der Kirchensteuer. Die Gesamterträge einschließlich staatlicher Zuwendungen und verschiedener Erlöse betrugen rund 781 Millionen Euro, so der BR. Über 192 Millionen Euro »ungeplante Mehreinnahmen« wird sich die Diözese sicher besonders gefreut haben.

Nun wäre es verwunderlich, wenn die Sancta Ecclesia in ihrer langen Geschichte nicht ein wenig buchhalterisches Geschick an den Tag gelegt hätte – die ursprünglich jüdische Sekte hätte sonst kaum 2.000 Jahre lang durchhalten können.

Papst Franziskus, alter Kapitalismuskritiker! So lang gespart und nun nur Niedrigzinsen! Hier gäbe es doch was zu holen, um die Welt ein bisschen besser zu machen.

… gelesen am 21.06.2016 in der Zeitung „Junge Welt“

Tödlicher Anschlag auf CSD-Parade


Die Parade sei eine „Provokation Gottes“ gewesen – so hatte ein strengreligiöser Jude den Mord an einer 16-Jährigen begründet. Im vergangenen Sommer hatte er bei einer CSD-Parade in Jerusalem auf Menschen eingestochen. Nun wurde er zu einer lebenslangen Haft verurteilt.

Ein ultra-orthodoxer Jude ist wegen der Ermordung einer 16-Jährigen bei einer Parade von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern (LGBT) in Jerusalem zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Jerusalemer Gericht verhängte auch weitere 31 Jahre Haft wegen versuchten Mordes in sechs Fällen. Der Verurteilte muss seine Opfer jeweils mit 258.000 Schekel (rund 60.000 Euro) entschädigen.

Der strengreligiöse Mann hatte im vergangenen Sommer bei der Parade in Jerusalem die 16-Jährige erstochen und sechs weitere Menschen mit einem Messer verletzt, bevor er von der Polizei überwältigt wurde. Als Erklärung für die Tat sagte er, die Parade sei eine „Provokation Gottes“. „Blinder Fanatismus hat ihn zu seinen Taten verleitet“, sagte die Richterin in der Urteilsbegründung. „Dieser gefährliche Mensch darf nicht mehr frei in den Straßen Jerusalems herumlaufen.“

Das Gericht hatte beim Schuldspruch im April auch das Verhalten der Polizei kritisiert. Der Täter war erst drei Wochen vor der Bluttat aus dem Gefängnis entlassen worden. Dort hatte er nach einer Messerattacke auf Teilnehmer einer ähnlichen Parade 2005 zehn Jahre Haft verbüßt. Laut der Anklageschrift hatte er den Mord geplant und dafür ein 15 Zentimeter langes Küchenmesser gekauft.

Quelle: Tagesschau.de am 26.06.2016

Vor 75 Jahren: Überfall auf die Sowjetunion


Erklärung des Deutschen Freidenkerverbandes im Original-Wortlaut:

Freidenker zum 75. Jahrestag des faschistischen Überfalls auf die Sowjetunion

Am 22. Juni 2016 gedenken wir der 27 Millionen Sowjetbürger, die beim Überfall der faschistischen Wehrmacht auf die Sowjetunion ihr Leben verloren.

Am 30. Januar 1933 hatte Reichspräsident von Hindenburg im Auftrag des monopolistischen Finanzkapitals die Regierungsgewalt in Deutschland an die Hitler-Faschisten übertragen. Die Verfolgung von Antifaschisten begann umgehend, ihre Organisationen wurden verboten: zuerst im März 1933 die Kommunistische Partei Deutschlands und der Deutsche Freidenker-Verband, die Gewerkschaften im Mai und die SPD im Juni 1933.

Die Aggression nach außen begann mit dem Raub der deutschsprachigen Gebiete der Tschechoslowakei, beglaubigt mit dem „Münchner Abkommen“ vom 30. September 1938, gefolgt vom Überfall auf Polen am 1. September 1939, der allgemein als offizieller Beginn des 2. Weltkriegs gilt.

Der unter dem Decknamen „Unternehmen Barbarossa“ seit Mitte 1940 vorbereitete Überfall auf die Sowjetunion musste aufgrund des Balkanfeldzugs ab 6. April 1941 verschoben werden, nachdem die Serben den Beitritt zum Dreimächtepakt verweigert hatten.

Am 22. Juni 1941 begann der Vernichtungskrieg mit dem Ziel der „Ausrottung des Kommunismus für alle Zeiten“ durch die „Vernichtung der bolschewistischen Kommissare und kommunistischen Intelligenz“.

Es war ein barbarischer, ein totaler Krieg, bis heute ohne Beispiel. Angesichts über 50 Millionen Toten, darunter China mit 13,5 Millionen und die Sowjetunion mit 27 Millionen, bekräftigen wir an diesem Tag: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“

Heute jedoch sind die Regierenden weit davon entfernt, die Lehren aus diesem verbrecherischen Krieg zu beherzigen:

Die USA, die NATO und die EU betreiben seit 1991 eine Politik der Einkreisung, Zurückdrängung und Destabilisierung Russlands. Mit dem Putsch in der Ukraine, ständigen Manövern und dem Vorrücken der NATO direkt an die russische Westgrenze wird eine Zuspitzung der unmittelbaren Konfrontation betrieben.

Das AEGIS-Raketensystem, stationiert auf vier Kriegsschiffen und landgestützt seit Juni 2016 in Rumänien sowie ab Herbst in Polen, verkürzt die Raketen-Vorwarnzeiten für Russland.

Die USA wollen sich die „risikofreie“ nukleare Erstschlagfähigkeit sichern, indem ein Gegenschlag ausgeschaltet wird. Das irreführend „Raketenabwehrschild“ genannte AEGIS-System ist offensiv: Auf Knopfdruck von der US-Air Base Ramstein können die landgestützten Startvorrichtungen auch die seit 1987 verbotenen atomar bestückbaren Cruise-Mittelstreckenraketen abschießen, was eine neue Qualität der nuklearen Bedrohung nach Europa zurückbringt.

Russland bedroht kein Land in Europa und der Welt und setzt sich weltweit für kollektive Sicherheit ein. Es tut dies aus eigenem nationalem Interesse an der Entwicklung von Wirtschaft und Wohlstand, die durch Milliarden für ein neues Wettrüsten gebremst wird. Seit Jahren versuchen uns die Medien im Dienste der Kriegstreiber, Russland und Putin als neue Feindbilder in die Köpfe zu hämmern. Das ist psychologische Kriegsvorbereitung.

Wir Freidenkern unterstützen die Aussage der Linksfraktion im Deutschen Bundestag: „Sanktionen werden verhängt, die NATO ist mit Stützpunkten und Raketen und gigantischen Manövern an die russische Westgrenze vorgestoßen. Dem stellen wir uns entgegen: Macht uns Russland nicht zum Feind!“

Wir wissen: endgültig kann die Kriegsgefahr erst gebannt werden, wenn das Verursachersystem, der Imperialismus überwunden ist. Aber wenn jemand auf die sozialistische Weltrevolution warten will, könnte es zu spät werden. Angesichts der akuten Bedrohung des Friedens ist das Zusammenwirken aller, die gegen den Krieg sind, überlebenswichtig.

Am Krieg wie am Faschismus hat nur eine verschwindende Minderheit ein Interesse: das monopolistische Finanzkapital. Alle, die nicht dazu gehören, haben ein objektives Interesse an der Erhaltung des Friedens.

Deshalb begrüßen wir, wenn in dem Aufruf „Nicht in unserem Namen“ auch Politiker vor einem Krieg in Europa warnen, die bisher nicht als Anwälte des Friedens in Erscheinung getreten sind, wie Roman Herzog, Erhard Eppler, Antje Vollmer oder Hans-Jochen Vogel. Deshalb unterstützen wir diejenigen Stimmen, die einer Verschärfung der Konfrontation eine Absage erteilen, wie jüngst Außenminister Steinmeier oder Altkanzler Schröder.

Wir unterstützen die Feststellung von Willi Wimmer in Ramstein „Panzer vor die Tore der leidgeprüften Stadt Leningrad zu platzieren, ist das Perverseste, das man sich in Europa vorstellen kann“.

Wir Freidenker begrüßen ausdrücklich, wenn auch Bürgerliche, Vertreter des rechten politischen Spektrums, wenn Unternehmer für Vernunft und Verständigung in den Beziehungen zu Russland eintreten. Und wenn das die „antideutschen“ Wortverdreher als „Querfront“ denunzieren wollen, ist das nur ekelhaft und der Verachtung wert – sie betreiben das Geschäft der imperialistischen Kriegstreiber!

Wir halten daran fest: Gegen die bedrohliche Kriegsgefahr, gegen einen neuen Weltkrieg, gegen den unheimlichen Aufmarsch gegen Russland müssen über Partei- und Klassengrenzen hinweg alle Vernünftigen zusammenstehen und ihre Stimme erheben:

75 Jahre nach dem Überfall auf die Sowjetunion mahnen uns die Toten – Versöhnung, Verständigung, Zusammenarbeit und Frieden mit Russland!

Quelle: www.freidenker.org

Erasmus von Rotterdam


Um jedoch nicht weiter auf diese endlosen Einzelheiten einzugehen, will ich euch in aller Kürze dartun, dass die ganze christliche Religion eine gewisse Verwandtschaft mit der Torheit hat und zu der Weisheit in gar keiner Beziehung steht.“ So charakterisierte Erasmus die christliche Religion. Wegen seiner kritischen Haltung zum römischen Katholizismus wurden seine Werke auf dem Konzil von Trient auf den Index gesetzt. Als kritischer Denker seiner Zeit zählte Erasmus zu den Wegbereitern der europäischen Aufklärung.

Mit seiner Arbeit legte er das Fundament für die Reformation“ ist unter http://www.luther2017.de zu lesen. Man sähe in Erasmus gern einen „Wegbereiter der Reformatoren“. Als Beleg wird seine Bibelübersetzung aus dem Griechischen angeführt und darin der Grundstein zur deren Erforschung und damit für die Reformation gesehen. Luther hatte es übrigens mit dem Griechischen nicht so; dafür war Melanchthon zuständig. Gegen den Eindruck, Luthers Vorarbeiter zu sein, verwahrte sich Erasmus denn auch. Den angriffslustigen Luther und die Gewaltexzesse mit der dessen Reformation durchgepowert wurde, lehnte Erasmus ab. Luthers unbedingten Wahrheitsanspruch empfand er abstoßend.

erasmusMit seiner Schrift „Vom freien Willen“ trat Erasmus für die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen ein, ohne die ein moralisches und verantwortungsvolles Leben nicht möglich sei. Auch damit begab er sich in Auseinandersetzung mit Luther, in deren Folge es zum Bruch kam. Beide haben es zeitlebens vorgezogen, sich nicht persönlich zu begegnen. Luther würdigte ihn zuletzt mit dem Ausspruch: „Wer den Erasmus zerdrückt, der würget eine Wanze, und diese stinkt noch tot mehr als lebendig.“

Gerrit Gerritszoon wurde 1466 (evtl. auch 1469) als unehelicher Sohn eines katholischen Priesters und dessen Haushälterin geboren. Rechtzeitig vor der Geburt wurde die schwangere Frau von Gouda nach Rotterdam geschickt. Erasmus von Rotterdam wurde nach dem Schulbesuch Augustinermönch. Er studierte an der Sorbonne in Paris, lernte den dortigen Humanistenkreis kennen und promovierte in Turin 1506 zum Doktor der Theologie. Er schaffte es, sich als freier Gelehrter zu etablieren und lebte in den Niederlanden, England und zuletzt in der Schweiz in Basel. Er pflegte zahlreiche Kontakte zu bedeutenden Denkern seiner Zeit, wie z.B. Thomas More, Lordkanzler Heinrichs VIII. Bei seiner Suche nach einem „christlichen“ Humanismus wandte er sich den hellenistischen Klassikern zu und übersetzte auch Texte von Seneca.

Er traf sich mit einer der Leitfiguren der Baueraufstände, Ulrich von Hutten. Aber er wandte sich in seinen theologischen Werken gegen Religionskriege. 1517 erschien seine Schrift „Die Klage des Friedens“. Als erster Pazifist der Neuzeit stellte er sich gegen die damals anerkannte Lehre vom „gerechten Krieg“. Für Erasmus standen die Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen im Vordergrund. Mit der Forderung Gegensätze zuzulassen, wird er auch als Wegbereiter des Toleranzgedankens angesehen, ein Gegner von Engstirnigkeit und nationalreligösem Fanatismus. Gleichwohl hat er sich zu antisemitischen Bemerkungen veranlasst gesehen und jüdischen Konvertiten misstraut. So nahm er auch den katholischen Standpunkt ein, ernsthafte Irrlehren wie die Reformation zu unterdrücken, ggf. auch mit der Todesstrafe, die damals viele religiöse Erneuer getroffen hat.

Die ironische Schrift „Lob der Torheit“ ist Kirchenkritik am Rand des damals Möglichen. Immerhin herrschte in Teilen Europas zu der Zeit noch der Inquisitionsterror der Katholischen Kirche, dem sich auch weltlich Fürsten und Könige beugten. In diesem vielfach übersetzen Büchlein wurde mit der Unaufrichtigkeit und Dummheit vieler Menschen und vor allem auch der damaligen Entscheidungsträger abgerechnet. Vorgeblich fromme Christen, Kaufleute, Fürsten, Advokaten, Mönche, Gottesdiener, Heilige und Gelehrte werden aufs Korn genommen und es wird ihnen vorgehalten: „Es tut halt so sauwohl, keinen Verstand zu haben, dass die Sterblichen um Erlösung von allen möglichen Nöten lieber bitten, als um Befreiung von der Torheit.“ Seine Kritik zielte ebenso auf damalige gesellschaftliche Autoritäten wie Albertus Magnus und Thomas von Aquin sowie den selbstherrlichen Machtwahn der Kirchenfürsten und des Papstes.

Der Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert ist eine Schicksalsstunde Europas. Das Mittelalter ging zu Ende. Der Seeweg nach Indien wird gesucht, Kopernikus erforscht die Bahnen der Gestirne, die Ritterschaft geht zugrunde, die Städte streben auf, soziale Verwerfungen rufen heftige gesellschaftliche Auseinandersetzungen hervor. In akademischen Kreisen war jedoch die dünkelhafte Vorstellung verbreitet, dass es einzig Universitätsgebildeten zusteht, über Recht und Unrecht zu entscheiden. Im Namen der Vernunft sollte die Welt regiert werden. Gemeint war eine Bildungsaristokratie. So wird die Stoßkraft der Bauernaufstände, die Volksrevolution nicht verstanden. Dieses Vorbeisehen am Volk, diese Gleichgültigkeit gegen die Wirklichkeit hat der Idee des Erasmus damals die wirkende Kraft genommen. Der grundlegende Denkfehler war, das Volk von oben herab belehren zu wollen, statt es zu verstehen oder von ihm zu lernen.

Der große Gelehrte des europäischen Humanismus ist in Basel am 12. Juli 1536 gestorben.

Quellen
Stefan Zweig, Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam, 1935 bei www.literaturdownload.at
Wikipedia-Stichwort „Erasmus von Rotterdam“
Peter van Dam www.uni-muenster.de Okt. 2007
www.luther2017.de mit „Datum: 04-02-16“
Humanistischer Pressedienst http://hpd.de/node/2349
“Das Lob der Torheit” bei http://gutenberg.spiegel.de

Neue Weisheiten vom Dalai Lama


moechte-dort-wiedergeboren„Deutschland kann kein arabisches Land werden“ sagte er der FAZ. Aber das stimmt nicht, denn Spanien z.B. ist vor einiger Zeit ein arabisches Land gewesen. Das hieß damals „Al Andalus“ und allen Bewohnern ging es gut: Es gab Schulbildung und Wissenschaft. Juden, Christen und Moslems konnten friedlich zusammen leben – anders war es derzeit in Mittel- und Nordeuropa.

Und weiter findet DL, dass „Flüchtlinge nur vorübergehend aufgenommen werden sollten. Das Ziel sollte sein, dass sie zurückkehren und beim Wiederaufbau ihrer eigenen Länder mithelfen.“ Ob das für seine Heiligkeit auch eine Möglichkeit sein kann? Immerhin hält es der größte Teil seines Klerus offenbar im chinesischen Tibet aus.

Wer hätte das gedacht, „bösartige Leute gibt es auch bei den Buddhisten“, sagte DL. Es sind buddhistische Individuen und kleine Gruppen, die sich in ihren eigenen Ländern gegenseitig umbringen, Gelbmützen und andere. Sie repräsentieren nicht den gesamten Buddhismus und nicht alle Buddhisten. Die Liebe ist bei jeder Religion die Kernbotschaft … [Oh, jetzt ist der Text etwas durcheinander geraten, kann passieren.]

Zum Schluss erinnerte sich die FAZ: „Die CIA bildete einst Tibeter für den bewaffneten Widerstand aus.“ Darauf antwortete DL wirklich, dass sein ältester Bruder „Verbindungen zu einem CIA-Agenten hatte. … Dann gab es im Jahr 1958 einen Aufstand in Tibet. Ich hörte, dass einige Leute von der CIA ausgebildet worden waren. Ich hatte damit nichts zu tun. Als ich im März 1959 Südtibet erreichte, sah ich einige Tibeter mit Bazookas und anderen Waffen. Ich dachte, ein paar Bazookas bringen nicht viel.“

Was ist nun das Resüme, will uns seine Heiligkeit sagen, „dass diese Flüchtlinge nur vorübergehend aufgenommen werden sollten“ oder gilt das „tibetisches Sprichwort: Wo immer du glücklich bist, da ist dein Zuhause“?

Katholikentag vertreibt Moses


Der Katholikentag in Leipzig hält die Kunstaktion „11. Gebot“ nicht aus und hat für die Innenstadt von Leipzig einen „Platzverweis erteilt“.

Wie vor jeder Aktion zum „11. Gebot“ hat es auch diesmal eine Genehmigung vom Ordnungsamt gegeben – allerdings mit der Auflage, das Einverständnis des Katholikentags-Veranstalters einzuholen. Das Ordnungsamtes vertrat die Auffassung, dass die Stadt Leipzig derweil das Hausrecht an diesen öffentlichen Plätzen an Katholikentags abgetreten habe.

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Mit dieser Handhabe erteilte der Versammlungsleiter des Katholikentags am 25. Mai dem „11. Gebot“ einen Platzverweis, weil „die katholische Kirche das auf ihrem Grund und Boden nicht haben“ möchte.

Gegen die Einschränkung des Demonstrationsrechtes wollte das Verwaltungsgericht Leipzig nicht einschreiten. Letztlich hat der Katholikentag nicht das Hausrecht, sondern nur ein Sondernutzungsrecht für die öffentliche Flächen. Also wird sich nun das Oberverwaltungsgericht mit dieser Frage befassen müssen.

Hintergrund-Info:
„Katholikentag“ mit 4,5 Mio. Euro aus öffentlichen Kassen

AfD: Menschenfeindlichkeit und Widersprüche


Was ist an der AfD problematisch?

Die Amadeu-Antonio-Stiftung“ hat eine „Handlungsempfehlungen zum Umgang mit der AfD“ zusammengestellt und macht darauf aufmerksam, dass Demagogie eigenen Regeln folgt.

Worum es bei der AfD geht, ist für Stiftung eindeutig: „Ihrer Politik nach ist sie eine Partei, die rassistische und menschenfeindliche Ressentiments bedient und dazu beiträgt, Hetze und Abwertung von Menschen zu normalisieren.“

AAS-AfD

hier ist die Handlungsempfehlungen

Umwandlung von Bekenntnisgrundschulen


Rund ein Drittel aller Grundschulen in NRW sind sog. Bekenntnis-Grundschulen: 100% staatlich bezahlt, haben dennoch christliche Interesse Vorrang. So wurde kürzlich wieder ein Fall öffentlich, bei dem die Taufe über die Aufnahme an öffentlichen Bekenntnisgrundschulen als Kriterium herangezogen wurde. Die Kinder von Atheisten, Heiden und Moslems müssen dann leer ausgehen. Genau genommen müssen sie dann weiter gehen, bis sie eine andere Grundschule finden …

Ein Oberverwaltungsgericht hatte Ende März entschieden, dass Kinder katholischer Eltern vorrangig an katholischen Schulen aufgenommen werden müssen. Durch die Entscheidung des Gerichts ist das Prinzip „Kurze Wege für kurze Beine“ erheblich geschwächt worden.

Eine gleichnamige Initiative wendet sich mit Briefen an die Bildungsministerin und alle Landtagsfraktionen und verlangt, dass Kinder auch in NRW unabhängig von ihrem Bekenntnis einen kurzen Weg zu ihrer Grundschule haben und gemeinsam lernen können.

weitere Infos beim Humanistischen Pressedienst

Der Herrgott scheißt auf den größten Haufen


frerk-carsten_300x362px_webDie Kirchen erhalten 2016 eine Rekordsumme von 510.000.000 Euro an verfassungswidrigen Staatsleistungen – CDU, CSU und SPD sträuben sich im Bundestag trotzdem gegen eine Abschaffung. Alle Jahre wieder erhalten die katholische und die evangelische Kirche ihre sogenannten „Staatsleistungen“. Darauf macht der Kirchenkritiker Carsten Frerk erneut aufmerksam.

Diese Staatsleistungen haben nichts mit den 10 Milliarden Euro Kirchensteuer zu tun, die der Staat freundlicherweise eintreibt. Bei den Staatsleistungen handelt es sich um längst verjährte Entschädigungszahlungen: Im Jahr 1803 enteignete die Reichsdeputation die Reichskirche und gab hunderte Klöster und Ländereien von fast 100.000 Quadratkilometern an weltliche Fürsten. Im Gegenzug mussten die Kirchen entschädigt werden – vor über 200 Jahren.

staatsleistungenAm 15. April 2016 wurde nun im Bundestag über den Antrag der Linken debattiert, der eine Kommission zur endgültigen Abwicklung der Staatleistungen fordert. CDU, CSU und SPD sträubten sich vehement gegen eine Abschaffung der Staatleistungen.

Nun, die katholische und die evangelische Kirche erfüllen wichtige soziale Aufgaben – darunter Aufgaben, für die eigentlich der Staat zuständig ist. Ohne die Arbeit engagierter Kirchenmitglieder und kommunaler Pfarreien wäre die Hilfe für geflüchtete Menschen hierzulande sicherlich schon zusammengebrochen. Auch der milliardenschwere Vatikan hat in seinen beengten Verhältnissen in Rom immerhin 12 Syrern Asyl gewährt (zwölf!).

Die meisten Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft, etwa Kindergärten, Sozialstationen oder Krankenhäuser, werden direkt aus der Staatskasse und nicht über die Kirchen finanziert. Über den Eingangstüren hängt ein Kreuz, aber das Geld kommt vom Staat, so auch bei den sog. „Kirchentagen“. Wo Kirche drauf steht, ist meistens der Steuerzahler drin“.

Unter dem Slogan „Liberté, Egalité, Laïcité“ hat der sächsische Landesverband der Linken körzlich einen Antrag an die Bundespartei gestellt. Es wird gefordert, dass der Staat und seine Strukturen eine eindeutige bewusste Distanz zu Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften wahren und somit nicht nur eine weitgehende Religionsfreiheit, sondern auch eine umfassende „Freiheit der Religionslosigkeit“ garantieren soll. Die angestrebten Reformen sind eine klare Absage an jeden Versuch, eigene religiöse (und andere weltanschauliche) Ansprüche der gesamten Gesellschaft auf Kosten von Selbstbestimmung und persönlicher Freiheit der Einzelnen aufzuoktroieren. Der Staat sollte sich aus kirchlichen Angelegenheiten einfach raushalten – und er sollte erst recht nicht für sie blechen.

Quelle: www.heise.de/tp/artikel/48/48001/1.html

Protestanten distanzieren sich von Luther


Die protestantische Kirche der Niederlande (PKN) hat am 11. April eine Pressemitteilung herausgegeben und sich von antisemitischen Schriften Martin Luthers distanziert. Äußerungen des Kirchenreformators über Juden seien widerwärtig und unzulässig. Luther hatte unter anderem dazu aufgerufen, Synagogen in Brand zu stecken, Juden zu enteignen und sie zu vertreiben. Die Kirche erklärte, Luthers Schriften hätten zu einem Klima beigetragen, das später den Holocaust ermöglicht habe.

lutherDie Neupositionierung der Evang. Kirche in der BRD zum Judentum begann sehr spät. Luthers judenfeindliche Schriften waren natürlich bekannt, wurden aber nicht herausgegeben oder nach außen hin sichtbar als Last des Protestantismus aufgearbeitet. 1982 hatte der Lutherische Weltbund „Gewisse bissige Äußerungen über die Juden“ zwar abgelehnt, aber bedauert wurde letztlich der Gebrauch dieser Äußerungen, um „den Antisemitismus zu fördern“. Noch 2008 verharmloste der damalige Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber die „gewissen bissigen Äußerungen“ mit Hinweis auf Luthers mitunter polemischer Charakter.

Aber auch seine ambivalente Rolle in den Bauernkriegen, seine beschämenden Aussagen zu den Juden, Hexen, Frauen etc. gehören in das Bild seiner Person hinein. Einige der „gewissen bissigen Äußerungen“ und „beschämenden Aussagen“ zum Umgang mit „diesem stinkenden Abschaum, diesem eingetrockneten Bodensatz, diesem verschimmelten Sauerteig und sumpfigem Morast von Judentum“ sollen hier exemplarisch wieder gegeben werden.

Auszug aus dem „Sieben-Punkte-Programm“ Luthers:
(1) ihre Synagogen oder Schulen anzünden
(2) ihre Häuser abbrechen und zerstören
(3) ihre Gebetbüchlein und Talmude wegnehmen
(4) Rabbinern bei Leib und Leben verbieten, weiterhin zu lehren
(5) das freie Geleit auf den Straßen ganz und gar verwehren
(6) man nehme ihnen alle Barschaft und Wertsachen wie Silber und Gold
(7) man soll sie ihr Brot verdienen lassen im Schweiß ihres Angesichts

Mehr und mehr Beiträge erscheinen inzwischen, die Luthers Person fragwürdig sehen. So verlagerte man den Schwerpunkt der Luther-Jubeljahre auf das Reformationsjubiläum, obwohl weiterhin von „Lutherdekade“ und von „Luther-Jahr“ die Rede ist. Die bevorstehenden Jubelfeiern sind jedenfalls recht gut dotiert mit über 100 Mio. Euro – aus allgemeinem Steueraufkommen.

Refo-Stadt Ausfahrt

Darf man im Land des Holocaust einen Antisemiten wie Luther feiern? In Deutschland hörte man bisher wenig Kritisches zu Luther, vermutlich weil in einer Zeit abnehmender Akzeptanz gegenüber Religiösem die Monotheisten lieber näher zusammenrücken, als Klartext zu sprechen. Aber wie könnte sich Luther als Vorbild einer modernen Kirche eignen? Er steht für den intoleranten antisemitischen Ungeist des Christentums in seiner schmutzigsten und gleichzeitig wirkmächtigsten Erscheinungsform. Eine Kirche, die im Land des Holocaust moralische Instanz sein will, muss sich davon distanzieren – wie es die Niederländer beispielhaft taten.

Quelle: http://hpd.de/artikel/warum-martin-luther-antisemit-12990

Flüchtling

bittner

von Wolfgang Bittner

Woher kommst du, Flüchtling?
Sag mir, woher du kommst.
Warum senkst du den Blick?
Warum schüttelst du den Kopf?
Kommst du aus Syrien, Afghanistan, Somalia?
Aus Libyen, dem Irak, Marokko?
Kommst du aus den sagenhaften
Städten des Orients?
Oder aus dem heimgesuchten Afrika?
Kommst du aus dem goldreichen Mali?
Dem geheimnisvollen Timbuktu?
Vielleicht aus Damaskus, der uralten Metropole
am Fuße des Berges Qasyun,
der Heimat des weisen Sultans Saladin?
Oder aus Sanaa, der liebreizenden Stadt Jemens
mit den zum Himmel strebenden Lehmhäusern,
jetzt zerstört durch Granaten und Bomben.
Oder kommst du aus der unglücklichen Ukraine,
dem Reich der Kiewer Rus,
einst Kornkammer des Ostens?
Sag mir doch, Fremder, woher du kommst.
Was hat dich aus deiner Heimat vertrieben?
Steht dein Haus noch, gibt es deine Stadt noch?
Wo sind deine Eltern, die dich umsorgt haben?
Wo ist deine Frau, wo sind deine Kinder?
Was hat dich schweigsam gemacht?
Sag, was ist dir geschehen?
Nun komm herein, Fremder, es ist Krieg.
Sag mir, woher du kommst,
nenne mir deinen Namen.

—-

Anmerkung von Wolfgang Bittner: Die Flüchtlingspolitik unfähiger Politiker ist eine einzige Katastrophe, und die Folgen werden uns noch sehr zu schaffen machen. Aber ich war selber einmal Flüchtling, nach der Ankunft im angeblich goldenen Westen jahrelang in einem Barackenlager. Daher weiß ich von der Tragik von Menschen, die aus Not und Gefahr nach Deutschland kommen. Ich möchte mit dem Gedicht etwas Grundsätzliches hervorheben: Jeder Mensch, der in Not ist, hat Anspruch auf Hilfe von anderen Menschen, die das zu leisten in der Lage sind. Das ist das „Normale“, zurzeit jedoch in Frage gestellt, weil Millionen aus den unterschiedlichsten Gründen nach Deutschland kommen wollen, wodurch Probleme mit dem Asylrecht entstehen. Es ist mein Mitgefühl mit Menschen in Not, etwas Selbstverständliches, das ich zum Ausdruck bringen möchte. Allerdings stelle ich fest, dass alles, was momentan zur Flüchtlingsproblematik gesagt und geschrieben wird, so oder so zu heftigen, zum Teil völlig unsachlichen Debatten führt. Aber wir müssen uns differenziert und ohne Schuldzuweisungen damit auseinandersetzen, uns bleibt nichts anderes übrig.

Quelle, auch mit Audio-Datei: Nachdenkseiten

Deutscher Freidenkerbund gegründet


… so lautete der Titel der „Zeitzeichen“-Sendung des WDR am 10. April. Denn am 10.04.1881 wurde der „Deutsche Freidenkerbund“ gegründet, der zuletzt rund 600.000 Mitglieder hatte – bis er von den Nationalsozialisten zerschlagen wurde.

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Die inzwischen wieder stark wachsende säkulare Szene dürfte in der Bundesrepublik in einigen Jahren auf etwa 100.000 Personen anwachsen.

hier ist die Sendung als Audio-Datei (ca. 14 MB)

hier ist die Ankündigung der Sendung durch den WDR

Atheisten wollen ein Kirchengebäude übernehmen


Seit längerem sind religionsfreie Bürger/innen und Humanist/innen in Wuppertal und Umgebung auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für ihre zahlreichen Veranstaltungen: Hochzeiten, Namensfest, Trauerfeiern und auch Informationsveranstaltungen. Statt auf Bürgerzentren u.ä. zurückzugreifen, käme ein ansprechend hergerichteter Ort infrage. Mit weiter anwachsendem Besucherandrang ist zu rechnen, da die konfessionsfreien Mitbürger bereits im kommenden Jahr die größte weltanschauliche Gruppierung in der Stadt darstellen wird – und nicht mehr die Evangel. Kirche.

In Belgien und Luxemburg werden vergleichbare säkulare Begegnungsstätten aus öffentlichen Mitteln finanziert. Dann könnten alle humanistischen Feierlichkeiten in Wuppertal zentral abgehalten werden. Beliebt sind die Feiern zu Sommer- und Winter-Sonnenwende sowie die alljährliche Jugendfeier. Gerade die Jugendfeier erfreut sich in den letzten Jahren im ganzen Bergischen Land zunehmender Nachfrage, bei der alle Jugendliche ihren Übergang in das Erwachsenenleben religionsfrei begehen können.

IMG_0396 - KopieWünschenswert wäre eine Anlage mit angegliederter Gastronomie und weiteren Räumen, auch für eine Bibliothek bzw. Mediensammlung. Ursprünglich gab es auch die Idee, ein Seminarhaus mit Unterkünften einzubeziehen. Aber das Projekt soll schrittweise umgesetzt werden; untern den Beteiligten ist die Diskussion noch nicht abgeschlossen. Der „Säkulare Rat Bergisches Land“ will in seiner Sitzung am 1. April zu weitreichenden Vereinbarungen kommen.

Für die Realisierung käme z.B. ein Gebäude der Neuapostolischen Kirche in Wuppertal-Heckinghausen *) aus den 80er Jahren infrage. Darin finden rd. 150 Zuhörer Platz und es gibt weitere Nebenräume. Bereits seit Jahren wird ein Kaufinteressent gesucht, da die örtliche Gemeinde mit Wuppertal-Ost fusioniert hat. Die Mitgliederzahlen aller christlichen Religionsgemeinschaften befinden sich seit geraumer Zeit im Sinkflug, so müssen sich die frommen Gemeinschaften immer wieder von einer Sakral-Immobilie trennen.

IMG_0394 - KopieAuch die Mitgliederzahlen der Kath. Kirche fallen seit Jahren kräftig. So könnte auch die Christ-König-Kirche *) überraschend zum Verkauf stehen. Dieses schlichte Gebäude aus den 50er Jahren beherbergt derzeit ein katholisches Gotteshaus auf den Wuppertaler Nordhöhen. Schön gelegen umfasst die Anlage auch weitere ansprechende Räumlichkeiten.

Die steigenden Mitgliederzahlen und erwartete Erbschaften können den säkularen Vereinigungen in Wuppertal die Möglichkeit eröffnen, in konkrete Planung zu treten. Involviert sind der Humanistische Verband Wuppertal / Bergisches Land, die Freidenker, die Freunde der Giordano-Bruno-Stiftung in Wuppertal sowie das Forum „Religionsfrei leben im Bergischen Land“. Ein eindrucksvoller Zuspruch der ersten „Sunday Assembly“ (gottlose Sonntagsfeier) mit über 200 Besucher/innen in der Wagenhalle der Alten Feuerwache in Wuppertal könnte für dieses Bau-Projekt den Ausschlag gegeben.

Vorläufig ist es angedacht, die Eröffnung im Jahr 2017 mit einem großen säkularen Fest zu begehen. So könnte z.B. eine säkulares „Helene-Stöcker-Haus“ eingeweiht werden. Immerhin ist diese bekannte Dame in Wuppertal geboren und hat sich zeitlebens für Frauenrechte und sexuelle Selbstbestimmung eingesetzt. Je nach Fortgang der Verhandlungen und notwendiger Umbauarbeiten könnte es zum 14. April, dem Hasenfest, etwas werden oder spätestens zum Welt-Humanistentag am 21. Juni. Sobald der erste „Spatenstich“ ansteht, wird die Öffentlichkeit entsprechend informiert.

*) Fotos der Immobilien: Schnurstraße und Nevigeser Str. 300 in Wuppertal

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Großer Andrang beim „Leben des Brian“

Dass am Karfreitag in Bochum der Film „Das Leben des Brian“ aufgeführt wird, ist inzwischen schon eine Tradition. Die säkulare Initiative Religionsfrei im Revier protestiert mit der Filmvorführung gegen das Feiertagsgesetz von Nordrhein-Westfalen. Die Zahl derer, die sich an diesem Protest beteiligen, steigt mit jedem Jahr.

Hier der Bericht beim Humanistischen Pressedienst

Im Schatten des Kölner Domes …

… versammelten sich Delegierte verschiedener säkularer Verbände aus ganz Nordrhein-Westfalen, um gemeinsam das Säkulare NetzWerk NRW (SNW) zu gründen und eine neue Religionspolitik für das Land zu fordern. Unter der Gesprächsleitung von Ingrid-Matthäus-Maier (ehem. MdB) diskutierten der Humanistische Verband (HVD), die Giordano-Bruno-Stiftung (GBS), der IBKA sowie Mitglieder zahlreicher kleinerer säkularer Organisationen. Hinzu kamen Vertreter*innen von SPD, Grünen, FDP und Linken.

Konsens war, dass das Verhältnis Kirche – Staat in NRW dringend auf den Prüfstand gehört. Problemfelder sind etwa der Bildungsbereich, die Landesverfassung sowie ein aufgeklärtes, säkulares Leitbild für die Flüchtlingsintegration. Das SNW möchte über Verbands- und Parteigrenzen hinweg säkulare Anliegen bündeln, von denen viele längst in der Bevölkerung mehrheitsfähig sind.

Erstaunlicherweise scheint die Politik säkulare Menschen als Wählergruppe noch nicht entdeckt zu haben. Auch die Interessen konfessionsfreier und nichtreligiöser Frauen und Männer finden – anders als die bestens organisierten Interessen der Religionsgemeinschaften – kaum Berücksichtigung. Das SNW strebt nach gleichem Recht und gleichen Chancen für alle Menschen in NRW unabhängig von ihrer Religions- oder Konfessionszugehörigkeit.

Ein Koordinierungsteam wurde auch gleich gewählt.

Der „Todesengel von Kalkutta“ …


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Fot © Túrelio wikimedia

… ist also vom Bergoglio-Papst „selig“ gesprochen worden – wegen eines zweiten (!) Wunders. Ja, das ist doch das eigentliche Wunder, dass gegen jeden Menschenverstand so etwas öffentliche Anerkennung finden kann. Jeder Mansch darf natürlich für sich denken – und glauben – was er/sie will! Aber warum gibt es für die Negierung von Naturgesetzen öffentlichen Beifall?

Die Zeitung Guardian schreibt von „organisierter Form unterlassener Hilfeleistung“. Immerhin stand nach eigenen Auskünften des Ordens „nicht die humanitäre und medizinische Hilfe im Vordergrund“. So konnte es auch nicht infrage kommen, etwa mittels Palliativmedizin die Schmerzen sterbender Patienten zu lindern.

Schmerzlindernde Mittel soll es in den Magazinen der sog. Sterbehospize reichlich gegeben haben. Sie stammten aus Spenden, wurden den Patienten allerdings vorenthalten. Denn es herrschte die Überzeugung: „Es ist etwas sehr Schönes, wenn man sieht, wie die Armen ihr Kreuz tragen.“ 

Des Weiteren werden die gesamte medizinische Versorgung, die unzureichende Ernährung der Patienten und die hygienischen Verhältnisse sowie der Umgang mit Spendengeldern kritisiert (geheime Konten).

Aber sind diese Vorwürfe gerechtfertigt?

Immerhin wurde eine Unterleibszyste durch Beten geheilt. Auch die plötzliche Genesung von Hirntumoren soll durch Beten zu Mutter Teresa geheilt worden sein. Und: Sie bekämpfte aktiv die Empfängnisverhütung und war entschiedene Abtreibungsgegnerin.

Ist das nichts? Das reicht doch für eine Heilige!

Näheres findet sich beim
Humanistischen Pressedienst

Unsere säkularen Nachbarn …

In Wuppertal, Bochum und Düsseldorf mischen sich seit einigen Jahren säkulare Initiativen in das öffentliche Leben ein. Zwischen Rhein und Ruhr wird teils ähnlich, teils unterschiedlich vorgegangen. Das Gemeinsame ist die säkulare Sicht auf das weltliche Leben. Differenzen gibt es – in Einzelfragen.

IMG_0316 - KopieDer „Düsseldorfer Aufklärungsdienst“ (DA!) kann mit vielen Unterstützer/innen seinen 5. Geburtstag feiern und auf zahlreiche Veranstaltungen zurückblicken. Angefangen hatte 2010 mit der erfolgreichen „Buskampagne„. Inzwischen wird der DA! von einem Verein mit über 50 Mitgliedern bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen und Aktivitäten unterstützt. Ein Anknüpfungspunkt für gemeinsame Aktivitäten könnte das „Hasenfest“ sein, an dem säkulare Organisationen zu gemeinschaftlichen Kirchenaustritt auffordern.

Die Bochumer Initiative „Religionsfrei im Revier“ (RiR) bereitet aktuell eine Verfassungsklage vor. Seit der Gründung vor fünf Jahre freut sich RiR ohne Vereinsstruktur über stetigen Zulauf. Die Aktivist/innen möchten sich an christlichen Feiertagen den Spaß nicht verbieten lassen. So wurde letztens entgegen Verbot durch das Ordnungsamt der Satire-Film „Leben des Brian“ gezeigt. RiR-Aktivistinnen haben die Aktion „11-tes Gebot“ unterstützt und Ähnliches für die Zukunft geplant. Ein wichtiges Vorhaben könnten alternative Aktivitäten zum sogenannten „Lutherjahr“ werden. Das würde auch gern in Wuppertal aufgegriffen.

IMG_0320 - KopieDer HVD Wuppertal / Bergisches Land und die Freidenker Wuppertal e.V. führen seit Jahren die Bergische Jugendfeier durch und es gibt Feiersprecher für viele Gelegenheiten, wie Hochzeit, Begräbnis oder Namensfest. Ferner gibt es Veranstaltungen zu verschiedenen Themen. Seit zwei Jahren kooperiert das RiBeL-Forum (Religionsfrei im Bergischen Land) mit den Freigeistigen in Wuppertal sowie mit der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) und dem Internationalen Bund Konfessionsloser und Atheisten (IBKA) bei Veranstaltungen.

Zudem verabredeten am Rande einer Veranstaltung im Feb. einige Freund/innen der Giordano-Bruno-Stiftung, sich über weitere Perspektiven zu verständigen und zunächst eine Anlaufadresse zu schaffen.
Mehr unter www.gbsWuppertal.wordpress.com

AfD – christlicher Fundamentalismus


Gemessen am Bevölkerungsdurchschnitt sind konfessionsfreie Menschen auf PEGIDA-Demos seltener anzutreffen als Christen. So scheint es befremdlich, wie viele religionsfreie Menschen auf entsprechende Parolen der christlichen Rechtspopulisten hereinfallen.

Derzeit würden mehr als 10 Prozent der Deutschen die rechtspopulistische AfD wählen. Dabei scheint deren Strategie aufzugehen, mit halben Wahrheiten ganze Erfolge zu erzielen. Verkehrt wäre es, unbequeme Wahrheiten unter den Teppich zu kehren, denn mit Verschleierungsmanövern stärkt man diese Kräfte eher, als dass man sie schwächt. Auf diese Weise liefert man ihnen die Munition, um mit großem Getöse gegen “das Establishment” und die vermeintliche “Lügenpresse” anzugehen.

Fälschlicherweise geriet die AfD in den Ruf, eine Partei zu sein, die den säkularen Rechtsstaat gegen religiöse Dominanzmanöver verteidigt. In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall, denn die AfD ist die Speerspitze des christlichen Fundamentalismus in Deutschland. Wer meint, die AfD wählen zu müssen, um die Privilegien der Religiösen zurückzudrängen, macht den Bock zum Gärtner.

Es ist kein Zufall, dass führende Vertreter der AfD aus der evangelikalen Bewegung bzw. dem rechtskatholischen Spektrum stammen. Diese vermeintlichen “Retter des Abendlandes” bekämpfen den Islamismus nicht, um eine offene Gesellschaft etwa gegen ihre Feinde zu verteidigen, sondern um den erzreaktionären, illiberalen Normen der christlichen Rechten zum Durchbruch zu verhelfen.

In der öffentlichen Debatte hört man davon wenig, denn die Fundamentalisten innerhalb der AfD wissen, dass eine offensichtlich christlich-fundamentalistische Partei in Deutschland kaum Wählerstimmen erhalten würde. Nach den Misserfolgen der “Partei bibeltreuer Christen” oder der “Partei der christlichen Mitte” verfolgt die christliche Rechte seit geraumer Zeit eine neue politische Strategie, die religiösen Hintergründe ihrer Kampagnen zu verschleiern. Sie besetzen zwar noch immer die gleichen “christlichen Kampfgebiete”, etwa den “Schutz der Familie” oder den “Schutz des Lebens”, geben dem Ganzen jedoch einen scheinbar säkularen Anstrich, auf den leider viele hereinfallen.

Die AfD lehnt ferner den staatlichen Einzug der Kirchensteuer ab. So vermuten manche dahinter eine laizistische, kirchenkritische Bewegung. Allerdings lehnen alle Evangelikale und Rechtskatholiken die Kirchensteuer schon seit vielen Jahren ab, weil sie die enge Anbindung der Kirchen an den Staat als eine Gefahr für die Glaubensfestigkeit ihrer Mitglieder interpretieren. In ihren Augen sollten die Kirchen eine unabhängige Kampforganisationen des Glaubens sein, die als staatsferne Institutionen Widerstand gegen den liberalen, als „kulturzersetzend“ empfundenen Zeitgeist leisten. Tatsächlich jedoch steht die AfD felsenfest an der Seite jener christlichen Reaktionäre, die mit ihren liberaleren Glaubensbrüdern und -schwestern schon seit langem eine erbitterte Auseinandersetzung um die religiöse und politische Deutungshoheit führen. Die Argumentation gegen Kirchensteuern bedeutet also keineswegs, dass sie für eine säkulare Gesellschaft kämpft.

Somit scheint die Strategie der Verschleierung der religiösen Hintergründe bestens aufzugehen. Kampagnen und Netzwerke der christlichen Rechtspopulisten tragen Namen, die ihre ideologische Herkunft auf den ersten Blick nicht verraten: “Zivile Koalition e.V.”, “Initiative Familienschutz”, “Demo für alle”, Aktion “Lebensschützer“ u.a.m. Inhaltlich stehen dahinter die gleichen Denkweisen, mit denen christliche Glaubensstreiter schon seit Jahrzehnten gegen den vermeintlich liberalen Zeitgeist ankämpfen. Neu daran ist nur, dass sie dank der veränderten Kommunikationsstrategie auch außerhalb des rechten christlichen Spektrums Gehör finden, z.B. mit ihrem Modell der „heiligen Familie“. Die AfD-Vizevorsitzende Beatrix von Storch, kämpft gegen die vermeintliche „Übersexualisierung der Jugend“ und gegen den Sexualkundeunterricht in Baden-Württemberg. Dies ist ein altes Kampfgebiet der christlichen Rechten. Der Sexualkundeunterricht ist ihnen schon lange ein Dorn im Auge. Gegen freizügige Filme oder harmlose Aufklärungsserien der Jugendzeitschrift Bravo laufen sie seit Jahrzehnten Sturm. In ihren Vorstellungen von “moralischer Sittlichkeit” unterscheiden sich die rechten AfD-Christen zudem nur wenig von strenggläubigen Muslimen.

Wie Islamisten leiden auch AfD-Christen unter massiver Homophobie. Sie fühlen sich von der sogenannten “Schwulenlobby” bedrängt und beklagen den sogenannten “Genderwahn”. Das ist innerhalb ihres Denkmodells verständlich, denn die religiöse Ideologie beruht auf der vermeintlich “gottgewollten” Unterscheidung der Geschlechter. Im Modell der “heiligen Familie” gibt es einen Mann und eine Frau, die selbstverständlich heterosexuell sind und zu Ehre Gottes Kinder zeugen, die sie im Sinne des tradierten Wertekanons erziehen. Für sexuelle Zwischenformen und alternative sexuelle Orientierungen gibt es in dieser Sichtweise keinen Platz. Damit ist es Storch & Co. gelungen, punktuell viele Menschen für Protest zu mobilisieren. Im christlich-konservativen Spektrum gibt es seit jeher ein beachtliches Reservoir an Menschen, die von der sogenannten “sexuellen Revolution” überfordert sind.

Nun lassen sich allerdings Homosexualität und Transsexualität auf biologische Faktoren zurückführen, was die rechtskonservative Angst vor der angeblich gefährlichen “Schwulenpropaganda” verstärkt. Angesichts der biologischen Faktenlage ist es schlicht wahnhaft, zu glauben, dass ein weltoffener Sexualkundeunterricht oder die sogenannte “Gender-Ideologie” Menschen in Schwule oder Transsexuelle verwandeln könnte, sofern sie eine solche Veranlagung nicht ohnehin schon in sich tragen.

Beatrix von Storch und die AfD verfügen über beste Kontakte zu anderen konservativ-katholischen und evangelikalen Netzwerken. Bemerkenswert ist die reibungslose Zusammenarbeit in diesem Spektrum über alle Konfessionsgrenzen hinweg. Offenbar haben sich Reaktionäre aller Länder im Kampf gegen den liberalen Zeitgeist vereinigt: Russisch-orthodoxe, katholische und evangelikale. Die Ultras verfolgen nahezu die gleiche rückwärtsgewandte Agenda. So gibt auch deutliche Parallelen zur US-amerikanischen Tea Party-Bewegung. So startete die AfD zunächst auch mit einem wirtschaftsliberalen Programm und entwickelte sich dann mehr und mehr in Richtung des christlichen Rechtspopulismus. Wie die Tea Party hat sich auch die AfD auf das Modell der christlichen Normfamilie eingeschworen und für ein radikales Verbot von Abtreibung und Sterbehilfe stark gemacht. Normalerweise kann man mit einem solch rigiden “No Sex, No Drugs, No Rock’n Roll!”-Programm in Deutschland keinen Blumentopf gewinnen, aber bislang haben nur wenige hinter die Fassade dieser Partei geschaut.

AfD erscheint eher nicht als “Alternative für Deutschland”, sondern als “Alternative für Doofe” oder “Alternative für Desinformierte”. Doch wer bringt kein Verständnis für Protestwähler auf, da Bürgerinnen und Bürger kein allzu großes Vertrauen mehr in die etablierten Parteien haben. Regieren diese doch oft an den Interessen der Bevölkerung vorbei. Aber aus diesem Grund sollte jedoch niemand in die Verlegenheit kommen, ausgerechnet die AfD zu wählen. Für Protestwähler, die keine chauvinistischen, christlich-fundamentalistischen Positionen haben, gibt es deutlich bessere Alternativen.


Dieser Beitrag fußt auf einem Interview mit Michael Schmidt-Salomon vom 11. Feb 2016, in ganzer Länge zu finden beim
Humanistischen Pressedienst

Tausend Strafanzeigen in Köln


jelpkeDie Bundestagsabgeordnete der Linken, Ulla Jelpke, äußerte sich in einem Interview kürzlich über die deutsche Asylpolitik und die Vorfälle in Köln. Im Zuge der Ereignisse in Köln wurde das Menschrecht auf Asyl eingeschränkt und Jelpke vermutet, dass diese nur der Auslöser waren, um die Einwanderungspolitik zu verschärfen.
Aus diesem Interview werden einige Auszüge widergegeben:

Was ist Ihre Meinung zu den Ereignissen von Köln?
In jedem Fall gab es ein Polizeiversagen und eine Vielzahl von Straftaten, bei denen es aber für mich immer schwieriger wird, deren Hergang zu durchschauen: Wir sind jetzt bei tausend Strafanzeigen angelangt. Und es ist eine enorme Instrumentalisierung durch Politik und Medien zu beobachten, die nach meiner Meinung zu einem Kippen der Stimmung in Deutschland gegenüber Flüchtlingen führt. Dass die Unionsparteien jetzt Maßnahmen, die sie schon immer durchsetzen wollte, nämlich eine verschärfte Ausweisungspolitik mit der Möglichkeit von Ausweisungen bei einer Bewährungsstrafe von nur einem Jahr, jetzt sofort aus der Schublade herauskramen, passt dazu. Mit den Ereignissen der Kölner Silvesternacht wird über die Medien und die Politik Druck aufgebaut, um Menschenrechte weiter auszuhebeln und das Strafrecht zu verschärfen – und das alles, ohne bislang genau zu wissen, wer die Täter überhaupt waren.

Wie sehen Sie also die Vorfälle von Köln?
Ich kann nur sagen, dass ich es ganz schlimm finde, wie diese Vorfälle instrumentalisiert werden, um in der Bevölkerung eine fremden- und flüchtlingsfeindliche, rassistische Stimmung zu erzeugen. Hauptverantwortlich dafür sind die Politiker, die diese Stimmung nutzen, um alle möglichen Gesetze durchweg zu verschärfen und ihre Anti-Asyl-Politik durchzudrücken.

Können Sie sich vorstellen, dass die Tätergruppen in Köln tatsächlich nordafrikanischer Herkunft sind?
Ich kann mir vorstellen, dass Leute teilweise illegal hierher kommen, in deren Ländern besondere Armut herrscht, wie es etwa in Algerien und Marokko der Fall ist. Manche von ihnen versuchen erst gar nicht, einen Asylantrag zu stellen, weil sie Angst vor der Ablehnung haben. In ihrer ausweglosen Situation gleiten sie dann in illegale Beschäftigung oder in die Kriminalität ab.

Sind die Vorfälle im Zusammenhang mit dem Islam zu sehen?
Ich warne davor, die Kölner Ereignisse vor dem Hintergrund einer bestimmten Religion erklären zu wollen. Schon dass ein Großteil der Männer vor dem Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht offenbar sturzbesoffen war, spricht ja wohl nicht gerade für besonders religiöse Muslime. Frauenverachtung ist auch kein Spezifikum des Islam. Nahezu sämtliche Religionen beinhalten ein rückständiges Frauenbild. Im Zuge der Modernisierung der europäischen Länder wurde das im Christentum teilweise abgemildert, wobei es hier durchaus Ausnahmen gibt, wie etwa der polnische Katholizismus oder die evangelikalen Christen in den USA beweisen. Aber in wirtschaftlich unterentwickelt gehaltenen und damit auch sozial rückständig gebliebenen Ländern konnten sich auch die Religionen nicht weiterentwickeln. Das gilt für den Islam in Nordafrika ebenso wie für den Hinduismus in Indien- einem nichtislamischen Land, in dem es zu besonders vielen Fällen von Gruppenvergewaltigungen kommt.

Müssen aus den Ereignissen Konsequenzen gezogen werden?
Wir brauchen eine Debatte um den effektiven Schutz von Frauen vor sexualisierter Gewalt und wir brauchen offensichtlich auch Veränderungen in den Reihen der Polizei, die an jenem Abend und auch im Nachgang dazu in ihren Aufgaben klar versagt hat. Die zentrale Lehre für linke, emanzipatorische Menschen sollte zudem sein, dass der Kampf gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt und der Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nur gemeinsam geführt werden kann und muss.

Das vollständige Interview von Reinhard Jellen mit Ulla Jelpke ist am 06.02.2016 bei „Telepolis“ erschienen.

8. März – Frauen*kampftag 2016


Gemeinsam Grenzen einreißen …

FKT Flyer bild… überall auf der Welt! Hunderttausende protestierten in Argentinien und Indien gegen Gewalt an Frauen*. Zehntausende in Spanien und Irland demonstrierten für das Recht auf Abtreibung. Aktivist*innen auf den Straßen Berlins stellten sich den selbsternannten Lebensschützer*innen in den Weg. In zahlreichen Projekten weltweit engagieren sich Frauen* für Umweltschutz und menschengerechte Lebens- und Arbeitsbedingungen.

In Deutschland streikten Beschäftigte der Sozial- und Erziehungsberufe für die deutliche Aufwertung ihrer Arbeit. Im kurdischen Rojava kämpfen Frauen* selbstbewusst gegen den IS und bauen demokratische und gleichberechtigte Strukturen auf. Die internationale Frauen*bewegung wächst, vernetzt und organisiert sich.

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hier auch ein Trailer

 

Kirchensubventionen auf Rekordniveau – verfassungswidrig!

2016 erhalten die Großkirchen erstmals mehr als eine halbe Milliarde Euro an Staatsleistungen

Es ist ein bemerkenswertes Phänomen: Parallel zur sinkenden Kirchenbindung der Bevölkerung steigen die Dotationen der Bundesländer für die Kirchen immer weiter. 1990 zahlten die Bundesländer schon 267 Millionen Euro und bis heute ist dieser Betrag auf 510 Millionen Euro angewachsen.

Diese Staatsleistungen unterstützen keinesfalls kirchliche Sozialdienste, wie Kindergärten, Krankenhäuser oder Altenheime. Die werden auf ganz anderen Wegen öffentlich subventioniert. Die Staatsleistungen dienen zur Finanzierung innerkirchlicher Angelegenheiten, etwa der Gehälter katholischer und evangelischer Bischöfe, die zwischen 10.000 und 13.000 Euro monatlich verdienen – neben sonstigen Vergünstigungen.

Hier ist der ganze Beitrag

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Millionen verfolgter Christen!!


Das Märchen vom „Weltverfolgungsindex

Zeitungen titeln von „100 Millionen verfolgten Christen“ und Politiker zeigen sich entsetzt über das Schicksal der „am stärksten verfolgten Glaubensgruppe“ der Welt. Mit der Realität hat das alles nichts zu tun. Was ist geschehen: Einmal im Jahr erscheint der „Weltverfolgungsindex“ der evangelikalen Orgsanisation „Open Doors“.

Als die Terroristen in die Stadt eindrangen, malten sie als erstes ein „n“ an die Türen der Häuser. „n“ wie „Nasrani“. So werden Christen im Koran bezeichnet und so markierten die Kämpfer des selbsternannten Islamischen Staates jedes Haus, in dem sie einen der wenigen assyrischen Christen vermuteten, die die Stadt noch nicht verlassen hatten.

Im August letzten Jahres übernahm der IS die Kontrolle über die Stadt Qaraqush und vertrieb die letzten der einst Zehntausenden von christlichen Bewohnern. Der Fall ist nur einer von Unzähligen, in denen Christen im vergangenen Jahr verfolgt wurden. Ihrem Schicksal mehr Öffentlichkeit zu geben, ist das Ziel der christlichen Hilfsorganisationen Open Doors. 100 Millionen Christen würden zurzeit verfolgt werden, meldete diese am Mittwoch bei der Vorstellung ihres jährlichen Weltverfolgungsindex. Die Zahl ermordeter Christen habe sich 2015 von 4344 auf 7100 deutlich erhöht, die Angriffe auf Kirchen sogar verdoppelt. Ihre Negativ-Ranking von 50 Staaten zeigt: Besonders schlimm ist die Lage in islamischen und afrikanischen Staaten, aber auch in Nordkorea.

„Christen sind die am meisten verfolgte Glaubensgruppe der Welt“. So berichteten daraufhin viele große Medien und schlugen Politiker Alarm. Das Problem daran: Der Satz stimmt nicht. Denn so weit verbreitet der Bericht von Open Doors auch ist, so fragwürdig sind die Methoden der Organisation.

Hier geht es weiter

Craig Herbertson beim Winter-Fest


DSCF0104Am Sonntag, 20. Dez. 2015, feierten Humanist/innen und Freund/innen des RiBeL-Forums gemeinsam das Winterfest zur Sonnenwende. Das Café PEGAH in Barmen war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Craig Herbertson die Gitarre auspackte und seine volle Stimme klingen ließ. Der Vertreter des Traditional Scottish Folk ist viel gefragt auch über Wuppertal und Umgebung hinaus.

Es gab weitere Vorträge mit Gitarre und Gesang und kurze Rezitationen von Hüsch, Kästner und anderen. Dazu servierte das Team vom Cafe PEGAH den Wuppertaler Freigeistern Kaffee und Kuchen sowie Wein und vegetarische Spezialitäten. Auch zum eher humoristisch geprägten Programm trug der Café-Betreiber selbst ein nachdenkliches Gedicht aus seinem persischen Kulturkreis bei – mit säkularem Charakter. Auch in anderen Kulturkreisen kann offenbar auf „höhere Wesen“ verzichtet werden.

a-DSCF0082In Wuppertal haben freigeistige Zusammenkünfte eine eigene Tradition, deren Sinn durch das Winterfest aufgegriffen wird. So führen die Freidenker und die Mitglieder des Humanistischen Verbandes (HVD) in Wuppertal auch die alljährliche Jugendfeier durch sowie weltliche Hochzeiten, Namensfeiern, Trauerfeiern und das jährliche Humanistische Totengedenken.

Mit guter Stimmung und nach regem Austausch wurde der Abend beschlossen mit dem Song „Where Have All The Flowers Gone“ von Pete Seeger.

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… für Gott kein Platz


So titelt die aktuelle „Stadtzeitung Wuppertal“.
Und weiter heißt es:

StZ Nr 8Sie glauben an keinen Gott, an keine Wiederauferstehung oder Wiedergeburt. Sie sind fest davon überzeugt, dass mit dem Tod alles vorbei ist. In Wuppertal, der Stadt, die bekannt für ihre Regionsvielfalt ist, leben rund 100 im HVD organisierte Humanisten, Freidenker und Mitglieder der Gruppe „RiBel“ (Religionsfrei im Bergischen Land).

Ihr „Glaubensbekenntnis“ basiert allein auf den Ergebnissen von Wissenschaft und Forschung. Übernatürliche Mächte wie Götter und Religionen haben in der Weltanschauung der Freigeister keinen Platz. …

 

Staat hilft religiöser Minderheit


Die Bochumer Initiative „Religionsfrei im Revier“ musste sich am 14. Dez. vor dem dortigen Amtsgericht verantworten.

d99Sie zeigt seit drei Jahren immer am sog. Karfreitag den Satire-Film „Das Leben des Brian“. Über den Plot gehen die Meinungen auch unter Säkularen auseinander. Aber zum Gerichtstermin kam es, weil an jenem Tage alle Unterhaltungsveranstaltungen gesetzlich verboten sind und das Bochumer Ordnungsamt mit einem Ordnungsgeld für Ordnung sorgen wollte, was diese aufmüpfige Initiative nicht hinnehmen will.

Eine Posse, könnte man denken, doch im Gesetz steht, dass die Bevölkerung an diesem Tag auf diesen Film sowie auf Musik, Sport, Tanz etc. verzichten soll – und statt dessen traurig sein. Da haben die Christen einen Dreh gefunden, das Verhalten der gesamten Bevölkerung mit Hilfe des Staates zu regulieren. Das Muster erinnert an die jüngst vom Bundestag beschlossene Kriminalisierung der Sterbehilfe.

IMG_1910Die Initiative „Religionsfrei im Revier“ gibt jedenfalls nicht klein bei, sondern macht sich nun auf dem Weg zum Bundesverfassungsgericht. Das soll entscheiden, ob das Feiertagsgesetz NRW gegen das Grundgesetz verstößt.

Hier mehr davon

 

 

Das Bild oben zeigt eine Filmszene, Foto von imago/EntertainmentPictures

„Diese Politiker sind verantwortlich dafür, dass Sie …

… möglicherweise qualvoll sterben müssen!“ so heißt es in einer Stellungname der Giordano-Bruno-Stiftung.

Anders als in den meisten Medien berichtet, „stand keineswegs eine überwältigende, fraktionsübergreifende Mehrheit hinter dem Gesetz“, sagte Schmidt-Salomon. „Tatsächlich fand es nur innerhalb der CDU/CSU-Faktion mehrheitlich Zustimmung, was nur über die besonders enge Kooperation und weltanschauliche Verbundenheit der C-Parteien mit den Kirchen zu erklären ist.“ Dennoch wäre das „neue Sterbehilfeverhinderungsgesetz“ im Parlament gescheitert, wenn nicht auch einige Abgeordnete der SPD, der Grünen oder der Linken für das Gesetz gestimmt hätten.

„Das Verbot der Sterbehilfe ist ein Erfolg kirchlicher Lobbyisten“. Darauf macht der Politologe Dr. Carsten Frerk (Autor der Studie „Kirchenrepublik Deutschland“) in einem Interview aufmerksam.

Von den 360 Parlamentariern, die für das Verbot votierten, stammen 252 (= 70 %) von der CDU/CSU, 77 (= 21,3 %) von der SPD, 19 (= 5 %) von Bündnis90/Die Grünen sowie 12 (= 3,3 Prozent) von der Linksfraktion. Wir bedanken uns bei den 233 MdBs (immerhin fast 40 Prozent der Abgeordneten), die gegen das Gesetz gestimmt haben (39 Abgeordnete der CDU/CSU, 109 Abgeordnete der SPD, 41 Abgeordnete der Grünen und 44 Abgeordnete der Linken).

Liste der Abgeordneten, die für ein Verbot der professionellen Suizidhilfe gestimmt haben (laut Plenarprotokoll 18/134):

CDU/CSU: Stephan Albani; Katrin Albsteiger; Peter Altmaier; Artur Auernhammer; Dorothee Bär; Günter Baumann; Maik Beermann; Manfred Behrens (Börde); Sybille Benning; Dr. Andre Berghegger; Dr. Christoph Bergner; Ute Bertram; Peter Beyer; Steffen Bilger; Clemens Binninger; Dr. Maria Böhmer; Wolfgang Bosbach; Klaus Brähmig; Michael Brand; Dr. Reinhard Brandl; Helmut Brandt; Dr. Ralf Brauksiepe; Heike Brehmer; Ralph Brinkhaus; Cajus Caesar; Gitta Connemann; Alexander Dobrindt; Michael Donth; Thomas Dörflinger; Marie-Luise Dött; Hansjörg Durz; Dr. Bernd Fabritius; Hermann Färber; Dr. Thomas Feist; Enak Ferlemann; Dirk Fischer (Hamburg); Axel E. Fischer ; (Karlsruhe-Land); Dr. Maria Flachsbarth; Klaus-Peter Flosbach; Thorsten Frei; Dr. Astrid Freudenstein; Dr. Hans-Peter Friedrich (Hof); Michael Frieser; Dr. Michael Fuchs; Hans-Joachim Fuchtel; Alexander Funk; Ingo Gädechens; Dr. Thomas Gebhart; Alois Gerig; Eberhard Gienger; Cemile Giousouf; Josef Göppel; Reinhard Grindel; Ursula Groden-Kranich; Hermann Gröhe; Klaus-Dieter Gröhler; Michael Grosse-Brömer; Astrid Grotelüschen; Markus Grübel; Manfred Grund; Oliver Grundmann; Monika Grütters; Fritz Güntzler; Christian Haase; Florian Hahn; Dr. Stephan Harbarth; Gerda Hasselfeldt; Matthias Hauer; Mark Hauptmann; Dr. Stefan Heck; Dr. Matthias Heider; Helmut Heiderich; Mechthild Heil; Frank Heinrich (Chemnitz); Uda Heller; Rudolf Henke; Michael Hennrich; Ansgar Heveling; Christian Hirte; Dr. Heribert Hirte; Robert Hochbaum; Alexander Hoffmann; Karl Holmeier; Franz-Josef Holzenkamp; Dr. Hendrik Hoppenstedt; Margaret Horb; Bettina Hornhues; Charles M. Huber; Anette Hübinger; Hubert Hüppe; Erich Irlstorfer; Thomas Jarzombek; Andreas Jung; Dr. Franz Josef Jung; Xaver Jung; Bartholomäus Kalb; Hans-Werner Kammer; Steffen Kampeter; Anja Karliczek; Bernhard Kaster; Volker Kauder; Dr. Stefan Kaufmann; Roderich Kiesewetter; Dr. Georg Kippels; Volkmar Klein; Jens Koeppen; Markus Koob; Carsten Körber; Hartmut Koschyk; Michael Kretschmer; Gunther Krichbaum; Dr. Günter Krings; Rüdiger Kruse; Bettina Kudla; Dr. Roy Kühne; Günter Lach; Uwe Lagosky; Dr. Karl A. Lamers; Dr. Norbert Lammert; Katharina Landgraf; Ulrich Lange; Barbara Lanzinger; Dr. Silke Launert; Paul Lehrieder; Dr. Katja Leikert; Dr. Philipp Lengsfeld; Dr. Andreas Lenz; Philipp Graf Lerchenfeld; Dr. Ursula von der Leyen; Ingbert Liebing; Matthias Lietz; Dr. Carsten Linnemann; Patricia Lips; Wilfried Lorenz; Dr. Claudia Lücking-Michel; Daniela Ludwig; Karin Maag; Yvonne Magwas; Gisela Manderla; Matern von Marschall; Hans-Georg von der Marwitz; Andreas Mattfeldt; Stephan Mayer (Altötting); Reiner Meier; Dr. Michael Meister; Dr. Angela Merkel; Jan Metzler; Maria Michalk; Dr. h.c. Hans Michelbach; Dr. Mathias Middelberg; Dietrich Monstadt; Karsten Möring; Volker Mosblech; Elisabeth Motschmann; Stefan Müller (Erlangen); Dr. Gerd Müller; Dr. Philipp Murmann; Dr. Andreas Nick; Michaela Noll; Helmut Nowak; Dr. Georg Nüßlein; Julia Obermeier; Wilfried Oellers; Florian Oßner; Dr. Tim Ostermann; Henning Otte; Ingrid Pahlmann; Sylvia Pantel; Martin Patzelt; Dr. Martin Pätzold; Sibylle Pfeiffer; Eckhard Pols; Thomas Rachel; Kerstin Radomski; Alexander Radwan; Alois Rainer; Dr. Peter Ramsauer; Eckhardt Rehberg; Lothar Riebsamen; Josef Rief; Dr. Heinz Riesenhuber; Johannes Röring; Erwin Rüddel; Albert Rupprecht; Anita Schäfer (Saalstadt); Dr. Wolfgang Schäuble; Andreas Scheuer; Karl Schiewerling; Norbert Schindler; Heiko Schmelzle; Christian Schmidt (Fürth); Gabriele Schmidt (Ühlingen); Ronja Schmitt; Patrick Schnieder; Nadine Schön (St. Wendel); Bernhard Schulte-Drüggelte; Dr. Klaus-Peter Schulze; Uwe Schummer; Armin Schuster (Weil am Rhein); Detlef Seif; Johannes Selle; Reinhold Sendker; Bernd Siebert; Thomas Silberhorn; Johannes Singhammer; Jens Spahn; Carola Stauche; Dr. Frank Steffel; Dr. Wolfgang Stefinger; Albert Stegemann; Peter Stein; Erika Steinbach; Johannes Steiniger; Christian Frhr. von Stetten; Dieter Stier; Rita Stockhofe; Stephan Stracke; Max Straubinger; Matthäus Strebl; Thomas Strobl (Heilbronn); Dr. Peter Tauber; Antje Tillmann; Dr. Hans-Peter Uhl; Dr. Volker Ullrich; Oswin Veith; Thomas Viesehon; Michael Vietz; Sven Volmering; Kees de Vries; Dr. Johann Wadephul; Marco Wanderwitz; Nina Warken; Albert Weiler; Marcus Weinberg (Hamburg); Dr. Anja Weisgerber; Peter Weiß (Emmendingen); Sabine Weiss (Wesel I); Karl-Georg Wellmann; Marian Wendt; Waldemar Westermayer; Kai Whittaker; Peter Wichtel; Annette Widmann-Mauz; Heinz Wiese (Ehingen); Elisabeth Winkelmeier-Becker; Oliver Wittke; Barbara Woltmann; Tobias Zech; Heinrich Zertik; Emmi Zeulner; Dr. Matthias Zimmer; Gudrun Zollner

SPD: Rainer Arnold; Heike Baehrens; Ulrike Bahr; Doris Barnett; Dr. Matthias Bartke; Bärbel Bas; Burkhard Blienert; Willi Brase; Martin Burkert; Dr. Lars Castellucci; Siegmund Ehrmann; Petra Ernstberger; Dr. Fritz Felgentreu; Dr. Ute Finckh-Krämer; Christian Flisek; Dagmar Freitag; Sigmar Gabriel; Michael Gerdes; Martin Gerster; Iris Gleicke; Kerstin Griese; Uli Grötsch; Sebastian Hartmann; Hubertus Heil (Peine); Marcus Held; Wolfgang Hellmich; Dr. Barbara Hendricks; Dr. Eva Högl; Christina Jantz; Josip Juratovic; Oliver Kaczmarek; Arno Klare; Lars Klingbeil; Birgit Kömpel; Dr. Hans-Ulrich Krüger; Helga Kühn-Mengel; Christine Lambrecht; Christian Lange (Backnang); Steffen-Claudio Lemme; Gabriele Lösekrug-Möller; Hiltrud Lotze; Kirsten Lühmann; Dr. Birgit Malecha-Nissen; Hilde Mattheis; Bettina Müller; Michelle Müntefering; Dr. Rolf Mützenich; Andrea Nahles; Dietmar Nietan; Thomas Oppermann; Aydan Özoguz; Detlev Pilger; Achim Post (Minden); Dr. Wilhelm Priesmeier; Dr. Sascha Raabe; Martin Rabanus; Stefan Rebmann; Andreas Rimkus; Dennis Rohde; Dr. Martin Rosemann; René Röspel; Dr. Ernst Dieter Rossmann; Michael Roth (Heringen); Susann Rüthrich; Bernd Rützel; Annette Sawade; Marianne Schieder; Udo Schiefner; Dr. Dorothee Schlegel; Ulla Schmidt (Aachen); Dagmar Schmidt (Wetzlar); Elfi Scho-Antwerpes; Stefan Schwartze; Rita Schwarzelühr-Sutter; Rainer Spiering; Peer Steinbrück; Gabi Weber

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Volker Beck (Köln); Katrin Göring-Eckardt; Britta Haßelmann; Bärbel Höhn; Maria Klein-Schmeink; Stephan Kühn (Dresden); Markus Kurth; Dr. Tobias Lindner; Beate Müller-Gemmeke; Özcan Mutlu; Dr. Konstantin von Notz; Omid Nouripour; Cem Özdemir; Claudia Roth (Augsburg); Corinna Rüffer; Manuel Sarrazin; Elisabeth Scharfenberg; Kordula Schulz-Asche; Dr. Harald Terpe

DIE LINKE: Jan van Aken; Sevim Dagdelen; Annette Groth; Heike Hänsel; Andrej Hunko; Ulla Jelpke; Martina Renner; Kathrin Vogler; Halina Wawzyniak; Jörn Wunderlich; Hubertus Zdebel; Pia Zimmermann

„Engels“ ist ungläubig


Wie organisieren sich Konfessionslose und was sind ihre Forderungen?

So fragt die Programm-Zeitschrift „Engels-Kultur“ mit ihrem Dezember-Schwerpunkt „UNGLÄUBIG“ und bietet einen interessanten Überblick zum Thema.

Sicher, wer gläubig ist, der hat seine Gemeinde. Dessen Interessen hinsichtlich seines Glaubens und der Ausübung seiner Religion vertritt im Zweifel der Imam, der Mönch, der Pastor, der Pfarrer, der Rabbi oder jedweder andere Vorstand einer religiösen Gemeinschaft – alphabetisch sortiert und damit ohne Gewichtung, damit das klar ist. Es gibt aber auch Menschen, die keiner Konfession angehören und auch nicht an einen oder mehrere Götter glauben. Und das sind nicht wenige. Einen Hinweis auf die Zahl konfessionsloser Menschen liefert der Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung. 2013 glaubten 27 Prozent der Befragten in Westdeutschland und 68 Prozent in Ostdeutschland „wenig oder gar nicht“ an einen Gott. Auf die Frage „Wie religiös würden Sie sich selbst bezeichnen“ antworten 35 Prozent (West) bzw. 72 Prozent (Ost) „wenig bis gar nicht“. Das wäre eine klare Mehrheit gegenüber denjenigen, die sich als ziemlich oder sehr gläubig bezeichneten (21 bzw. 12 Prozent).

Hier geht es weiter.

Religionsfreie werden diskriminiert


Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes will der Diskriminierung nicht-religiöser Menschen nachgehen und hat dazu ein Themenjahr gestartet.

Durch von der Mehrheitsgesellschaft abweichende weltanschauliche Überzeugungen geprägte Diskriminierung kann sich in vielen Bereichen ereignen: im Alltag und im Berufsleben, in der Schule oder auf dem Arbeitsmarkt, bei der Kitaplatz-Suche oder im Gesundheitswesen. Dies hatte schon der Bericht „Gläserne Wände„gezeigt.

Doch auch Anhänger von nicht-christlichen Glaubensrichtungen können sich wegen ihres Bekenntnisses und ihrer Überzeugungen benachteiligt fühlen. Um entsprechende Probleme sowohl nichtreligiöser wie religiöser Bürgerinnen und Bürger stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, wird die Antidiskriminierungsstelle des Bundes diesem Thema 2016 ein Themenjahr widmen, teilte Christine Lüders mit, die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle.

„Diskriminierungen wegen der Religion oder Weltanschauung machen etwa fünf Prozent unserer Beratungsfälle aus“, so Lüders. Die Antidiskriminierungsstelle nehme entsprechende Probleme sehr ernst und unterstütze Betroffene unter anderem mit einer juristischen Ersteinschätzung ihres Falles.

Mit dem geplanten Themenjahr stellt die Antidiskriminierungsstelle ein weiteres der insgesamt sieben in Artikel 3 Grundgesetz genannten Benachteiligungsmerkmale in den Fokus, nachdem 2015 Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts im Mittelpunkt gestanden haben. Themen in den Vorjahren waren Diskriminierungen wegen des Alters sowie aufgrund von Behinderung und ethnischer Herkunft bzw. Zugehörigkeit.

Um Benachteiligungen aufgrund nichtreligiöser Lebensauffassungen eingehender zu untersuchen, ist von der Antidiskriminierungsstelle außerdem eine Fachexpertise in Auftrag gegeben worden. Diese soll bis zum Ende des ersten Quartals 2016 vorliegen.

Weltanschauliche Diskriminierung kann man
hier melden.

Mehr zum Thema gibt es hier.

Wir haben zwei Staatskirchen …


 … sagt Frau Matthäus-Maier von Giordano-Bruno-Stiftung und verweist auf eine Studie zur Machtstellung von Katholiken und Protestanten in der Bundesrepublik.

Interview von Gitta Düperthal in der Tageszeitung „Junge Welt“ am 11.11.2015 

Trotz schwindender Verankerung in der Gesellschaft beeinflussen die Kirchen Bereiche des Lebensalltags maßgeblich, die kürzlich veröffentlichte Studie »Kirchenrepublik Deutschland«.

Wie drängen sich die Kirchen in den Vordergrund?

Die Machtstellung der Kirchen ist vor allem auf umfangreiche Lobbyarbeit zurückzuführen. Dies belegt die vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) in Auftrag gegebene und von unserer Stiftung unterstützte Studie des Sozialwissenschaftlers und Kirchenkritikers Carsten Frerk.
Keine Organisation und kein Wirtschaftsunternehmen setzt mehr Personal dafür ein, auf die Politik einzuwirken als die beiden großen Kirchen, obgleich sie ins sogenannte Lobbyistenregister nicht eingetragen sind. Sie bestreiten das und behaupten, eine öffentliche Körperschaft zu sein, keine kommerziellen Interessen zu vertreten. Was lächerlich ist.
Die Kirchensteuer und ihr riesiges Grundvermögen – nach dem Staat sind sie der zweitgrößte Grundbesitzer in Deutschland – zeigen: Katholiken und Protestanten mischen sich ein. Meist, bevor eine Entscheidung in die politische Diskussion kommt: nahezu geräuschlos, aber ständig und vehement in Vorgesprächen, Arbeitskreisen zu Staat und Kirche, Gebetsfrühstücken. Sie laden Professoren ein, sind Beichtvater vieler Abgeordneter, hören Dinge, die andere nicht wissen können. Sie werden von der Ministerialbürokratie informiert, können schnell reagieren.
Frerk beschreibt sogar, wie ein Kirchenvertreter einen Ministerialbeamten privat angeschrieben hat, damit niemand merkt, in welch massiver Form sich die Kirchen betätigen, um ihre Interessen zu wahren.

Hier geht das Interview weiter.

In seinem Buch „Kirchenrepublik Deutschlandbeschreibt Carsten Frerk erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik, wie die Kirchen systematisch Einfluss auf die Politik nehmen. Er stellt dar, welche Gremien dazu eingerichtet wurden (etwa die katholischen und evangelischen Büros), über welche Kanäle die Kirchen ihre Informationen erhalten, welche Strukturen begünstigen, dass politische Entscheidungen im Sinne der Kirchen ausfallen.

Hierbei wird deutlich, dass die Kirchen – wo es um ihre ureigenen Belange als Organisationen geht – die erfolgreichsten Lobbyisten der Republik sind. Das Buch schafft Problembewusstsein für Ämterverquickung und „Seitenwechsler“, fordert Befangenheitsregeln für Parlamentsabgeordnete und thematisiert den „gekaperten Staat“.

Zur aktuellen Studie von C. Frerk fördert auch der Humanistische Verband in NRW Veranstaltungen und Lesungen mit dem Autor in Bochum, Düsseldorf und Köln.

Hier geht es zum Veranstaltungsinfo.

Kirchensachen im NRW-Haushalt 2016


staatsleistungenDer Gesamtetat liegt insgesamt bei knapp 67 Milliarden Euro. Dagegen macht das „Kapitel 02 050 – Kirchen, Religionsgemeinschaften und Weltanschauungsvereinigungen“ mit € 32.100.000 einen eher bescheidenen Eindruck. Aber schauen wir einmal, wohin diese rd. 32 Millionen ausgeschüttet werden:

Die versch. Evangelischen Landeskirchen bekommen ca. € 9.010.700 vor allem für „Dotation und Pfarrer/innen-Besoldung“. Als Grundlage dazu muss ein Vertrag mit dem Freistaat Preußen von 1931 herhalten und mit dem Land NRW. Teils sind diese Zahlungen auch einfach nur „gewohnheitsrechtlich verpflichtet“. So erhält auch die Altkatholische Kirche € 252.900.

Die Kath. Kirche braucht € 13.352.700 auch für „Dotation für Bischöfe und Pfarrer-Besoldung“, auch aufgrund eines Vertrages des Freistaats Preußen mit dem Hl. Stuhl (also mit dem Vatikanstaat) von 1929 bzw. mit dem Land NRW.

Die Zuschüsse für die Jüdischen Kultusgemeinden und deren Landesverband betragen € 8.659.500 für personelle und sächliche Aufwendungen. Zur Unterhaltung der jüdischen Friedhöfe werden € 825.400 angesetzt. Davon bekommt aber NRW rund die Hälfte von Bund erstattet.

Muslime, Buddhisten, Jehovas Zeugen etc. bekommen in 2016 nichts. Aber das wird ja vielleicht später noch was?

Interessant wird es auch beim Haushaltstitel 684 16 199 „Zuschüsse für [andere] Religionsgemeinschaften und Weltanschauungsvereinigungen“. Dort wo ein €-Betrag erwartet werden könnte, steht dieses Zeichen: „—“
Noch im Jahr 2000 waren unter dem Haushaltstitel 684 16 190 „Beihilfen für Religionsgemeinschaften und Weltanschauungsvereinigungen“ € 96.100 angesetzt. Im folgenden Jahr gab es etwas weniger; aber dann war auch bald Schluss damit: Im Jan. 2003 erhielt der HVD NRW die Mitteilung der Staatskanzlei, dass „… aufgrund der bekannt schwierigen Haushaltslage des Landes NRW im Haushaltsjahr 2003 Haushaltsmittel für einen Landeszuschuss für die Betreuungsarbeit des Humanistischen Verbandes … nicht zur Verfügung stehen.“

Nochmal ein Blick in den Haushaltsplan der Landesregierung für 2016: Dort finden sich am Ende sog. „Verpflichtungsermächtigungen“. Damit werden Zuschüsse bereit gestellt für den Katholikentag 2018 in Münster (€ 1.600.000) und für den Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund (€ 3.500.000).

Klar, dass die Kirchen trotz sinkender Mitgliederzahlen keine finanziellen Sorgen haben.

Wer es genau wissen will, kann hier nachsehen:
www.haushalt.fm.nrw.de
www.staatsleistungen.de

Atheisten-Verfolgung?


Benachteiligung nicht-religiöser Menschen in Deutschland

Ja, Menschen ohne religiöses Bekenntnis sind auch in der Bundesrepublik Deutschland bis heute Bürger zweiter Klasse. Das wurde kürzlich wieder bei der Neubesetzung des ZDF-Rundfunkrates deutlich. Dort gibt es nun zwar für 4 % Moslems einen Platz, nicht aber für das Drittel konfessionsfreie Beitragszahler. Die allseitige kirchliche Lobbyarbeit hat für „saubere Reihen“ gesorgt.

Im Jahr 2012 veröffentlichte die Internationale Humanistische und Ethische Union (IHEU) erstmals einen Bericht mit dem Titel „Freiheit des Denkens“ zur Diskriminierung von Humanisten, Atheisten und anderen nicht-religiösen Menschen. Auch der Bundesrepublik Deutschland attestiert dieser Bericht seinerzeit „schwere Benachteiligung“ und die zahlreichen gesetzlichen Privilegien der Kirchen.

Konfessionsfreie und nichtreligiöse Menschen haben in der Bundesrepublik zwar die gleichen Pflichten, aber nicht die gleichen Rechte oder Chancen. Diese rund 25 Millionen Menschen haben oftmals die schlechteren Karten: auf dem Arbeitsmarkt, im Bildungssystem, in der Politik, in den Medien und in der öffentlichen Wahrnehmung. Auch das herrschende Recht kennt lediglich eine formale Gleichstellung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, orientiert sich aber faktisch an den Interessen der Groß-Kirchen.

glaeserne-waende-01Der Bericht „Gläserne Wände“ des HVD (s. links) beschreibt die Benachteiligungen von Menschen ohne religiöses Bekenntnis und erläutert politische und rechtliche Hintergründe anhand von Fallbeispielen. Ferner macht er Vorschläge, wie die Politik Benachteiligungen abbauen könnte – wenn sie wollte.

Hingegen wird derzeit eine Art Kirchen-Kartell sichtbar. Das widerspräche dem Gebot zur Gleichbehandlung im Grundgesetz und zeugt von mangelndem Respekt und fehlender Wertschätzung gerade für den Einsatz nichtreligiöser Menschen für eine pluralistische Gesellschaft und ihren innere Zusammenhalt.

Weitere Infos unter gibt es auf
www.glaeserne-waende.de

 

Warum der Papst KEIN Grüner ist


5 Gründe, warum der Papst KEIN Grüner ist

Papst-FranziskusDer Papst hat eine Öko-Enzyklika veröffentlicht, in der er sich für Klimaschutz ausspricht. Auf der Website der Grünen wird dazu kommentiert:“5 Gründe, warum der Papst ein Grüner ist“ und sein Einsatz für Klimaschutz hervor gehoben. Sich nur die Klimarosinen rauspicken und den Rest unerwähnt lassen, geht nicht! Der Papst ist kein Grüner, egal ob er Klimawandel, Fischsterben und Ausbeutung von Textilarbeiter*innen kritisiert.

Hier ist der ganze Kommentar zu lesen.

 

Ev. Kirche verliert „Platz Eins“


Die Überraschung im Jubeljahr 2017: Die Evangelische Kirche in Wuppertal wird ihren Platz als größte weltanschauliche Gruppierung verlieren.

Die Lutheraner wollen aus dem Jahr 2017 etwas Besonderes machen – so auch in Wuppertal. Andere hingegen warten schon heute auf das Ende des protestantischen Reformationsjubels. Vielleicht bleibt uns die Bezeichnung „Reformationsstadt“ als offizielles Etikett erspart. Der Hype um die Ausstellung zur „Barmer Theologischen Erklärung“ von 1934 ist evtl. auch vorbei, zumal die Zufälligkeit des damaligen Tagungsortes der Bekenntnissynode eigentlich kein echtes Lokalkolorit bietet. Die Bedeutung dieser eigentlich theologischen Erklärung liegt wohl mehr darin, dass sich die eher wohlmeinenden Protestanten nach der politischen Katastrophe der „Deutschen Kirche“ und ihrem Führer nach etwas anderem umsehen wollten bzw. mussten.

2017 in WptEine bisher ungeahnte und somit unbeachtete Tatsache lässt sich den trockenen Zahlen des „Zensus2011“ (1) entnehmen: Aufgrund der laufenden Auszehrung des Mitgliederbestandes wird die Evangelischen Kirche den „Platz Eins“ der weltanschaulichen Gruppierungen in Wuppertal an die Konfessionsfreien abgeben!

Aller Voraussicht nach wird 2017 die Mitgliederzahl der Ev. Kirche in Wuppertal auf 107.000 gesunken und die Zahl der Konfessionsfreien auf ebenfalls 107.000 gestiegen sein. Das bedeutet Gleichstand von 31,5% in Wuppertal. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass jährlich rd. 1,5% der Gläubigen der Ev. Kirche den Rücken kehren (2).

Daraus werden freilich nicht gleich „waschechte“ Atheist/innen, aber aus der Kirchen-Statistik sind sie heraus und können somit nicht mehr als „Nachweis“ einer vermeintlichen Stärke benutzt werden. Ohnehin sind diese Angaben fraglich, solange es z.B. bei Diakonie, ev. Kitas etc. quasi Zwangsmitgliedschaft gibt.

Quellen
(1) http://www.it.nrw.de/statistik/z/zensus_2011/gemeindeblaetter/B05124.pdf
(2) http://www.aktuell.evangelisch.de/inhalte/122905/17-07-2015/mitgliederzahlen-beiden-grossen-kirchen-deutschland-gehen-weiter-zurueck

 

 

Selbstbestimmung bis zum Lebensende


Die Mehrheit der Bevölkerung wünscht die Möglichkeit, das Leben selbstbestimmt beenden zu können. Daher ist die strafrechtliche Verschärfung der gegenwärtigen Rechtslage im Bereich Suizidbeihilfe abzulehnen. Auch fast alle Strafrechtsexperten lehnen eine Verschärfung der geltenden Rechtslage ab.

Schwerkranken und leidenden Sterbewilligen muss die Möglichkeit erhalten bleiben, selbstbestimmt auf lebensverlängernde Maßnahmen zu verzichten und auf Hilfe bei der Lebensbeendigung zurückzugreifen. Es gibt einfach Situationen, in denen Leiden und Schmerz nicht mehr zu ertragen sind. Dann soll es kontrollierbare Suizidbeihilfe, ärztliche Suizidassistenz geben.

Doch was interessiert es die Mehrheit der Bundestagspolitiker? Obwohl die Bevölkerungsmehrheit eine Liberalisierung der Sterbehilfe fordert, planen gewählte Volksvertreter, die seit 140 Jahren bestehenden Möglichkeit der Sterbehilfe einzuschränken und gar jede Form professioneller Freitodbegleitung zu verbieten. Es ist vermutlich ein christliches Problem: Exponierte Protagonisten sind Mitglied der „Kammer für Öffentliche Verantwortung der EKD“ (Brand), der „Synode der EKD“ (Griese), des „Zentralkomitees der Deutschen Katholiken“ (Dörflinger), stellvertretender Bundesvorsitzender des „Verbands der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung“ (Sensberg) und anderes mehr.

Die Gegner der Sterbehilfe berufen sich auf das Christentums, dass nur ihr Gott über den Tod bestimmen darf. Sie wollen nicht, dass man im Notfall mit professioneller Hilfe auf geordnete und sanfte Weise aus dem Leben scheiden und sein Leiden beenden kann.

Warum soll es nicht ein dichtes Netz von Suizidkonfliktberatungsstellen geben, die ähnlich ergebnisoffen arbeiten wie die Schwangerschaftskonfliktberatung? Über das Ende des eigenen Lebens selbst entscheiden zu können, ist nicht verwerflich. Bisher ist nur „die Tötung auf Verlangen“ verboten. Doch nun schicken sich Bundestagsabgeordnete an, auch die bisher zulässige Beihilfe zur Selbsttötung unter Strafe zu verbieten.

Obwohl die allermeisten Menschen es wohl nie vollziehen würden, bleibt es wichtig, das Recht auf autonome Lebensbeendigung grundsätzlich in der eigenen Hand zu haben. „Mehr Fürsorge statt Strafrecht“ heißt der Gesetzentwurf von Künast (Grüne) und Sitte (Linke) und will allen Menschen ein würdiges Lebensende, die letztendliche Entscheidung und Selbstbestimmung belassen. Immerhin ist es seit 1871 gestattet, Menschen beim Suizid Hilfe zu leisten. Voraussetzung muss die „Freiwillensfähigkeit“ sein. Menschen die Selbstbestimmung an ihrem Lebensende abzusprechen, ist eine zutiefst unmoralische Anmaßung.

Weitere Infos

Kurzinfo „Mein Ende gehört mir
mehr unter www.letzte-hilfe.de

Position des HVD „Am Ende des Weges
hier eine aktuelle Pressemitteilung

Die vier Gesetzentwürfe zur Suizidbeihilfe

Wissenschaftliche Tagung “Assistierter Suizid

Organisierte Suizidhilfe in Deutschland
Video-Doku zur Podiumsdiskussion mit
HVD, Giordano-Bruno-Stiftung, Humanistische Union
Einführung von Erwin Kress bei Youtube

Lebensende“ – Themen-Schwerpunkt
der Zeitschrift „Engels“ 12/2014
zur Einführung „Wie wollen wir sterben?

 

„Moses“ jetzt auch in Dortmund

Vom 23.-25. Juni ist „Moses“ in Dortmund zu sehen, weil 2019 dort ein evangelischer Kirchentag stattfinden soll. Tja, warum nicht; jedoch will der Stadtrat von Dortmund am 25. Juni. über eine finanzielle Bezuschussung in Höhe von 2,7 Mio. € abstimmen. Tja, warum nicht; jedoch ist es wichtig sich klar zu machen, wer die Musik bestellt und wer sie bezahlt. Daher also ist „Moses“ in Dortmund zu sehen – ähnlich wie in neulich in Münster – und verkündet erneut das 11te Gebot, das da lautet: „Du sollt deinen Kirchentag selbst bezahlen!“ (www.11tes-gebot.de)

Religion ist nicht vergleichbar mit Sport- und Kulturförderung

Häufig wird der Forderung, die Subventionierung von Kirchentagen einzustellen, entgegengehalten, dass der Staat dann auch Kultur und Sport nicht fördern dürfe. Doch diese Ansicht verkennt, dass Religionen und Weltanschauungen einen Spezialfall bilden: Während die Schaffung kultureller Einrichtungen in § 8 Absatz 1 der Gemeindeordnung von NRW ausdrücklich erwähnt wird – würde die Förderung konfessioneller Glaubensfeste dem Verfassungsgrundsatz der Trennung von Staat und Kirche widersprechen: „Der Gedanke der Fürsorge des Staates in Glaubensangelegenheiten ist dem Grundgesetz fremd.“ (Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts, Band 44, S. 37 [52 f.])

Auch das Bundesverwaltungsgericht hat hervorgehoben, dass das Neutralitätsgebot mit wachsender kultureller und religiöser Vielfalt und bei einem sich vergrößernden Anteil bekenntnisloser Menschen zunehmend an Bedeutung gewinne. Die tradierte Praxis der einseitigen Bevorzugung der christlichen Kirchen muss daher einer konsequenten Trennung von Staat und Kirche weichen. Auch die Säkularisation ist eine Säule unserer Werteordnung – höhlen Sie die weltanschauliche Neutralität nicht aus, indem Sie das Grundgesetz gerade da missachten, wo es besonders darauf ankommt: Bei der Finanzierung! hier mehr dazu

P.S.: Für Wuppertal wird’s auch interessant, wenn die Stadtkasse von der ev. Kirche zur Kasse gebeten würde. Dies könnte etwa geschehen für den nicht bestellten Titel „Reformationsstadt“. Oder wenn die Stadt Wuppertal auf dem sog. „Europäischen Stationenweg“ zu einem Netzwerk der Reformationsstädte verbunden werden soll.

Und falls jemand das für eine Erfindung von Gottlosen halten sollte, so ist im Klartext zu lesen: „Der Reformator Martin Luther und seine Wirkungsstätten werden bereits jetzt für den 500. Jahrestag der Reformation 2017 fleißig vermarktet. Zur großen Reformations-PR-Maschinerie gehört auch der Titel ‚Reformationsstadt Europas‘, der bedeutenden Städten mit historischem Bezug zur Reformationszeit schon jetzt von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) mit Sitz in Wien verliehen wird. Am Ende soll ein ‚Europäischer Stationenweg‘ die Reformationsstädte zu einem gesamteuropäischen Netzwerk verbinden. Reformationsgeschichte zum Pilgern und für Touristen, sozusagen. Unter anderem zählen bereits Speyer und die Lutherstadt Wittenberg, Wuppertal, Zürich, Straßburg und das finnische Turku zu den ‚Reformationsstädten Europas‘.“

Aber noch taucht der Name Wuppertal nicht unter den Geldgebern auf. Vielleicht ist ja für dieses Projekt die Stadtkasse geschlossen?!

Wie wollen wir sterben?


Die Debatte um die Sterbehilfe läuft

Die einen sagen, es sei stark und der letzte Ausdruck eines selbst bestimmten Lebens. Die anderen halten es für feige, wider den natürlichen Lauf der Dinge und können es nicht akzeptieren. Die aktive Sterbehilfe ist wieder einmal in der öffentlichen Debatte angekommen. Der Bundestag hat am 13. November angefangen, über das Thema zu debattieren – und das frei vom Fraktionszwang, was bedeutete, dass die Politiker sich ohne Parteivorgabe mit ihrer persönlichen Meinung äußern durften. Bis Ende 2015 wollen sich die Abgeordneten Zeit lassen. Im Zentrum steht die Frage, wie Sterbehilfe gesetzlich geregelt werden kann, wenn überhaupt.

Zwei Fälle aus der jüngeren Vergangenheit haben besonders dazu beigetragen, dass über das freiwillige Sterben gesprochen wird – der Selbstmord des deutschen Fernsehmanns Udo Reiter und jener der Amerikanerin Brittany Maynard. „Nach fast 50 Jahren im Rollstuhl haben meine körperlichen Kräfte in den letzten Monaten so rapide nachgelassen, dass ich demnächst mit dem völligen Verlust meiner Selbstständigkeit rechnen muss“, schrieb Reiter in einer Erklärung, die er hinterlassen hat, bevor er sich selbst erschoss. Er wolle kein von anderen abhängiger Pflegefall sein. Der ehemalige Intendant des MDR war jahrelang Vorreiter dafür, dass Menschen ihr Leben dann beenden können, wann sie es wollen.

Nicht älter als 29 Jahre ist Brittany Maynard geworden. Ärzte diagnostizierten bei ihr einen unheilbaren Gehirntumor. Sie wolle nicht mit den krankheitsbedingten Veränderungen leben, sagte Maynard. Deshalb kündigte sie für den 1. November ihren Tod an. „Heute ist der Tag, den ich ausgewählt habe, um in Würde zu sterben“, schrieb sie im Internet, bevor sie im Kreise ihrer Familie ein tödliches Medikament einnahm. In vier US-Bundesstaaten ist es Ärzten erlaubt, solch ein Präparat bereitzustellen. Maynard wurde zum Gesicht der Initiative „Compassion & Choices“. Es gab Kritik, weil Maynard durch die Aufsehen erregende Kampagne unter Druck gestanden haben könnte, ihr Leben zum angegeben Termin beenden zu müssen.

Zurück nach Deutschland. Die Bevölkerung hierzulande, so scheint es, spricht sich größtenteils für die Sterbehilfe aus. Das geht zumindest aus mehreren Umfragen hervor. In der jüngsten, durchgeführt von Emnid, lehnten nur 17 Prozent eine Hilfe des Arztes durch Medikamente ab. Dabei muss man zwei Arten unterscheiden. Bei der aktiven Sterbehilfe geben die Helfer den meist schwer kranken Menschen Gift per Injektion oder zum Einnehmen. Diese Art ist in Deutschland im Gegensatz zur passiven Sterbehilfe aktuell noch illegal und wird „Tötung auf Verlangen“ genannt. Bis zu fünf Jahre Haft drohen selbst Angehörigen, wenn sie einem Menschen solche aktive Sterbehilfe leisten.

Bei der passiven Sterbehilfe schalten Ärzte lebenserhaltende Maßnahmen wie Beatmungsgeräte ab, der Patient stirbt schließlich auf natürliche Weise. In einem Großteil der Bundesländer lehnen die Ärztekammern zudem die „Beihilfe zur Selbsttötung“ ab, bei der die Ärzte entsprechende Medikamente bereitstellen, für deren Einnahme aber letztlich der Patient verantwortlich ist. Ärzten droht entsprechend ein Berufsverbot.

Zu beachten ist auch der Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern. In wenigen europäischen Ländern ist Sterbehilfe für Kinder erlaubt. Erich Bethe von der gleichnamigen Stiftung engagiert sich unter anderem im Wuppertaler Burgholz für den Einsatz von Palliativmedizin bei Kindern. Für mehr als sechs Millionen Euro eröffnet dort im Frühjahr für zehn Kinder das 13. Hospiz, das die Bethe-Stiftung mitfinanziert. „Wir wollen den Kindern noch eine schöne Zeit bieten, die sie mit ihren Angehörigen verbringen können“, sagt Erich Bethe, und erteilt dem Ruf nach Sterbehilfe für Kinder aus seiner Sicht eine klare Absage.

Auch darüber berät nun der Bundestag. Der Wuppertaler CDU-Abgeordnete und Vizepräsident des Bundestages Peter Hintze war einer derjenigen, die die Gespräche mit angestoßen haben. Schwerstkranken solle geholfen werden, Ärzte bräuchten Rechtssicherheit, wiederholte Hintze bei der Debatte. „Es wäre ein Widerspruch, wenn Patienten einerseits das Recht haben, dass ihre medizinische Behandlung auch gegen ärztlichen Rat auf Wunsch jederzeit abgebrochen werden kann, ihnen andererseits aber eine ärztliche Hilfe bei der selbst vollzogenen Lebensbeendigung vorenthalten würde“, sagte Hintze. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) warnte davor, die „Selbsttötung zu glorifizieren“.

Dennoch – die Lawine ist losgetreten. Profitieren könnten davon diejenigen Menschen, die nach langer, reiflicher und vor allem freiwilliger Überlegung aus dem Leben scheiden wollen. Die Entscheidung läge dann bei ihnen selbst.

Links zum Thema:
www.dghs.de
www.dgpalliativmedizin.de
www.dhpv.de


Dieser Beitrag von Florian Schmitz erschien am 27. November 2014 in der Wuppertaler Programmzeitschrift ENGELS. Das Titelthema (12/14) lautete „LEBENSENDE“. Die Übernahme des Artikels erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Kultur-Kino-Bildung.de Verlag, Bochum.

 

Den Seinen gibt’s der Herr …


Staatliche Kirchen-Finanzierung

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Die Kirchen zeigen sich aktuell ansatzweise bereit, über die Ablösung der Staatleistungen zu reden. Da fragt man sich, ob die Kirchen die derzeit noch kirchenfreundliche Stimmung in den Parteien für Verhandlungen nutzen möchten, bevor die Kirchenmitglieder nicht mehr die Mehrheit in der Bevölkerung stellen. Ihr Anteil ist bereitsauf unter 60% gefallen.

frerk-carsten_300x362px_webHoffnung ziehen manche auch aus Urteilen des Europäischen Gerichtshofes, der die außergewöhnliche rechtliche Stellung der Kirchen in Deutschland in die Schranken weisen und gerade die Rechte der Arbeitnehmer in kirchlichen Einrichtungen stärken könnte.

Dazu referierte Carsten Frerk in der Alten Feuerwache im Mai 2015, der seit Jahren zu diesem Thema Bücher schreibt und Vorträge hält und so auch als Interviewpartner gefragt ist. Infos zum Thema Kirchenfinanzen gibt es auch über seine Website www.kirchensteuer.de

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„Staatsleistungen an die Kirchen ablösen!“ lautet ein Aufruf des KORSO-Dachverbandes religionsfreier Organisationen. Auch bei Monitor/WDR gibt es aufschlussreiche Recherche-Ergebnisse.

Nicht ganz aktuell ist die veröffentlichte Eröffnungsbilanz des Evangelischen Kirchenkreises Wuppertal für 2012 mit einer Bilanzsumme von € 7.825.253,21. Das Diakonische Werk Wuppertal schloss 2013 mit einer Bilanzsumme von € 5.524.239,35 ab. Bei der katholischen Fraktion ist die Transparenz vergleichsweise weniger entwickelt.

Man darf gespannt sein, wie sich „Kirchen-Finanzierung“ in Wuppertal auswirkt. Bekanntlich will die Evangelische Kirche der Stadt den Titel „Reformationsstadt“ andienen. Da fragt sich nicht nur der ungläubige Mensch:
Was wird das wohl kosten?

Kirchenaustritt

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Viele Menschen sind ohne ihr Zutun in eine Religionsgemeinschaft hineingetauft worden, sind ihr heute aber entfremdet und nehmen am kirchlichen Leben nicht teil. Dennoch bleiben sie häufig Mitglied in dem Glauben, ihre Kirchensteuer werde zu einem bedeutenden Teil für soziale Zwecke verwendet. Dies ist ein Irrtum.

Die Kosten von kirchlichen Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern, Altenheimen etc. werden weitgehend aus öffentlichen Steuermitteln finanziert oder von Elternbeiträgen, Krankenkassen etc. gedeckt. Nur ein kleiner Teil der Kirchensteuereinnahmen wird für öffentliche soziale Zwecke verwendet.

Man kann also erheblich mehr Gutes tun, wenn man aus der Kirche austritt und einen Teil des gesparten Geldes für einen gemeinnützigen Zweck seiner Wahl spendet als wenn man in der Kirche verbleibt.

Der Austritt erfolgt durch Erklärung beim Amtsgericht des ersten Wohnsitzes hat (Gebühr: € 30,-) oder durch Beglaubigung bei einer Notarin/einem Notar (zusätzliche Kosten). Von dort wird die Erklärung an das zuständige Amtsgericht weitergeleitet. Die Austrittserklärung kann nur höchstpersönlich abgegeben werden (Bevollmächtigung ist nicht zulässig).

Zum Austritt muss ein gültiger Personalausweis (oder Reisepass und Meldebescheinigung) mitgebracht werden. Es werden gefragt nach Familien- und Vorname, Tag und Ort der Geburt, Adresse, Familienstand sowie Bezeichnung der Kirche aus der ausgetreten wird.

Grundlegende Infos
für Kurzentschlossene
Info zum Ablauf

 

Was kostet Wuppertal die „Reformationsstadt“?


Neulich wurde die Reformation in Wuppertal entdeckt, genau genommen nicht IN sondern eigentlich FÜR Wuppertal (1). Nach dem Mikrozensus 2011 leben somit über 200.000 Menschen unter dem Label „Reformationsstadt“, ohne dass sie damit weiter etwas zu tun hätten: 80.000 Katholiken, 20.000 Muslime, 10.000 Orthodoxe, ferner einige Tausend Juden, Buddhisten und andere und dann auch noch 90.000 konfessionsfreie Menschen. Rund zwei Drittel der Bevölkerung in Wuppertal sind also Nicht-Lutheraner.

Refo-Stadt AusfahrtEs ist nicht bekannt, inwieweit an dieser Entdeckung auch Wuppertaler/innen beteiligt waren. Jedenfalls will die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) „das erlebnisreiche Zusammenspiel von Kunst, Kultur und Spiritualität [unterstützen] und fördert Geschichtsabenteuer und Tourismus in den Städten der Reformation.“ Dazu bietet die GEKE teilnehmenden Städten die „Nutzung der Wort-Bild-Marke ‚Reformationsstadt Europas’” an. (2)

Was kostet die Nutzung dieses Labels wohl?
Zur Förderung von „Geschichtsabenteuern“? Man darf letztlich gespannt sein, aus welchem Etat die klamme Stadtkasse die „Lizenzgebühr“ abzweigen wird. Welche Ratsfraktion hat den Mumm, diese Sache zum Thema zu machen?

Erst kürzlich sind einige Tausend Wuppertaler/innen der Intoleranz entschlossen entgegen getreten. Da hatten Salafisten und selbst ernannte Retter des „christlichen Abendlandes“ öffentlich provoziert. Die Betonung religiöser Identität verträgt sich nicht gut mit Weltoffenheit.

Die Stadt hat auch in ihrer Geschichte eine ansehnliche Reihe von Frauen und Männern hervorgebracht, die sich um die Aufklärung und den Humanismus verdient gemacht haben. Manche Namen dürften gut bekannt sein. Sie sind für freidenkerische und freigeistige Ideale unerschrocken eingetreten und mussten dafür oft Verfolgung und andere Nachteile in Kauf nehmen.

Wuppertal humanistischEingedenk dieser Wuppertaler/innen könnte auch der Namenszusatz „Stadt des Humanismus“ ein Ansporn sein und Vorbilder öffentlich in Erinnerung rufen. Die Nutzung dieses Labels wäre am Ende kostenlos.


(1) www.evangelisch-wtal.de/index.php/aktuelle-meldungen-leser/auszeichnung.html
(2) www.reformation-cities.eu

Weltlicher Trauer-Redner


Viele Menschen legen im Leben keinen Wert auf Religion. Warum sollte es dann nach dem Leben anders sein: Für ein Begräbnis und eine Trauerfeier ist kein Priester erforderlich. Vielmehr gibt es seit langem dafür auch weltliche Trauerredner. jükö - KopieWeltliche Trauerredner helfen bei der Vorbereitung und Ausgestaltung einer Trauerfeier und nehmen sich Zeit mit den Angehörigen in Ruhe alles Notwendige zu besprechen, um den Vorstellungen der bzw. des Verstorbenen gerecht werden zu können.

Ein langjährig tätiger Trauerredner ist Jürgen Köster in Wuppertal. Er hat inzwischen mehr als 20 Jahre Erfahrung als weltlich-humanistischer Redner und steht bei der Planung einer nicht-religiösen Trauerfeier zur Verfügung. Ein solcher letzter Abschied ist immer etwas ganz Persönliches – gleich ob Erd- oder Feuerbestattung. Daher steht auch die bzw. der Verstorbene im Mittelpunkt einer solchen Feier und entsprechend wird eine persönlich gehaltene Rede vorbereitet, die z.B. auch mit der Lieblingsmusik der bzw. des Verstorbenen umrahmt werden darf.

Diese und weitere Fragen werden im persönlichen Vorgespräch mit den Hinterbliebenen bei der gemeinsamen Vorbereitung der Trauerfeier bedacht. Jürgen Köster ist als Trauerredner in Wuppertal und im gesamten Bergischen Land tätig – aber eben auf der weltlichen Seite. Die Zeitschrift „talwaerts“ aus Wuppertal hatte dazu kürzlich ein Portrait veröffentlicht.

Weitere Informationen zum Beistand beim Abschied eines geliebten Menschen gibt es
telefonisch: 0202 – 46 04 555
oder per E-Mail: hier

 

Religionsfrei feiern!


Wir wissen, dass die Menschen schon seit Urzeiten – lange vor dem Christentum – bestimmte Rituale und Lebensfeiern praktizierten, die ihren Sinn und Ursprung im menschlichen Miteinander sowie in der stetigen Auseinandersetzung mit der Natur hatten.

Den christlichen Missionaren und Eiferern ist es nur gelungen, die Menschen mit Feuer und Schwert zum Christentum zu bekehren. Anschließend wurde oft auch brutal ihre Kultur zerstört und den rituellen Feiern eine andere Deutung gegeben. So propagierten sie z.B.
* anstelle des Festes zur Winter-Sonnenwende das Weihnachtsfest oder
* das Osterfest zur Zeit des Frühlings / der Aussaat.

Als sie so die Menschen „bekehrt“ hatten, gingen die Missionare dazu über, den Lebensfeiern der Menschen christliche Symbolik überzustülpen. So die Taufe bei der Geburt, Firmung und Konfirmation, die Trauung (in Weiß!), bis hin zum Lebensende, wo man des christlichen Beistandes angeblich bedurfte, um nicht in der „Hölle“ und im „Fegefeuer“ die „ewige Qualen“ zu erleiden.

So sind den Menschen im Laufe von 2 Jahrtausenden Ängste und Furcht eingeflößt worden, von denen sie sich heute – im Zeitalter der Aufklärung – langsam befreien, und in der die Vernunft und die Erkenntnisse der Naturwissenschaften mehr und mehr den Aberglauben verdrängen.

Freidenker und weltliche Humanisten haben schon im 19. Jh. – vor allem in der Arbeiterbewegung – damit begonnen, Aufklärung zu betreiben und den Menschen eine selbstbewusste und selbstbestimmte Lebensperspektive zu eröffnen. Einer der Leitsätze war schon damals: „Die Religion ist das Opium des Volkes“ (K. Marx) oder „Glauben ist stets Nicht-Wissen“!

In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts – vor allem nach dem 1. Weltkrieg und dem Sturz des Kaiserreichs – wurde den Herrschenden auch die Akzeptanz nicht-religiöser Lebensauffassungen abgerungen. So entstanden nach 1918 z.B. „Weltlichen Schulen“, die vor allem von den Kindern der fortschrittlichen Arbeiterbewegung besucht wurden und ganz bewusst auf eine nicht-religiöse Bildung und Erziehung setzten.

Auch andere weltlich-humanistische Feierrituale entstanden in dieser Zeit, z.B. die Jugendweihe anstelle der Firmung bzw. Konfirmation, an der damals in manchen Städten mehr Jugendliche teilnahmen als an den christlichen Feiern. Auch die Kultur alternativer Feiern zur Namensgebung, zur Hochzeit und zum Totenabschied haben ihren Ursprung in jenen 20er und 30er Jahren. Die Nazis haben nach der Machtergreifung auch diese fortschrittliche Bewegung zerschlagen und sind mit den Kirchen sogenannte „Konkordate“ (Staatsverträge) eingegangen, die z.T. bis heute nicht aufgehoben sind.

Nach dem 2. Weltkrieg haben die Freigeister und Freidenker diese Kultur wieder neu belebt. Leider wurde durch die Besatzungsmächte die Neugründung des Freidenkerverbandes zunächst verhindert, was dazu führte, dass sich die Bewegung spaltete. Das war mit einer der wesentlichen Gründe dafür, dass diese Bewegung nicht mehr so erstarkte wie vor dem 2. Weltkrieg.

Es entstanden neben dem Freidenkerverband weitere freireligiöse, freigeistige und humanistische Vereinigungen. Diese verfolgen bis heute in weiten Teilen vergleichbare Zielsetzungen. So benannte sich die freigeistige Landesgemeinschaft NRW 1993 in „Humanistischer Verband NRW“ um, behielt damit den Status einer „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ und ist seither rechtlich formal den Großkirchen gleichgestellt. Von tatsächlicher Gleichstellung kann natürlich bis heute keine Rede sein.

Der HVD-NRW hat mit seinem Angebot an Sprechern und Zeremonienleitern für weltliche Lebens- und Trauerfeiern Beachtung gewonnen, befördert natürlich auch durch die anhaltende Abwendung der Menschen vor allem von den christlichen Großkirchen. In NRW bietet der HVD folgende religionsfreie Feierrituale an:

– Namensfeiern zur Geburt (anstelle einer Taufe)
– Jugendfeier (früher Jugendweihe)
– Weltliche Trauungszeremonien
– Weltliche Trauerfeiern
– Toten-Gedenkfeiern
– Feiern zum Jahreszeiten-Wechsel (Sonnenwende).

Neben einer persönlich gehaltenen Rede kommen an Ritualen in Frage:

Namensfeier
Wunschmusik, symbolische Aufnahme des neuen Erdenbürgers in die menschliche Gemeinschaft durch „Kreisbildung“, Steigenlassen von Luftballons mit guten Wünschen für den neuen Erdenbürger.

Jugendfeier
Seit vielen Jahren finden in auch Wuppertal am 2. Sonntag im Mai traditionell Jugendfeiern statt, die bisher gemeinsam von den Freidenkern Wuppertal und dem HVD Wuppertal angeboten werden. Dazu gibt es Vorbereitungswochenenden, wo die Jugendlichen sich mit eigenen Beiträgen auf die Feier vorbereiten. So ist dieses Fest inzwischen zu einer Feier der Jugendlichen selbst geworden, bei der auch die Verwandtschaft mit einbezogen wird.

Weltliche Trauungszeremonie
Vor allem hier haben in den letzten Jahren – meist über das Internet – Wünsche nach alternativen Zeremonien stark zugenommen. Neben einer persönlich gehaltenen Rede – auch mit durchaus lustigen Elementen –werden hier Elemente wie Entzündung einer Hochzeitskerze, Eheversprechen, Ringe- und Kusstausch angeboten.
Darüber stellt der HVD-NRW auch Urkunden aus, z.B. für das Stammbuch aus – verbunden mit dem Dienstsiegel -, was die Seriosität dieser Rituale unterstreicht.

Weltliche Trauerfeiern
Hier liegt zur Zeit noch eindeutig der Schwerpunkt der Arbeit. Neben einer persönlich gehaltenen Abschiedsrede ist es Ehrenkodex, dass keine christlichen Lieder vorgesungen und keine Gebete durch uns gesprochen werden. Klassische oder individuelle Musikwünsche berücksichtigen wir nach Möglichkeit, und statt eines Gebetes findet man immer ein passendes Gedicht, z.B. von Goethe, Hesse oder anderen Freigeistern.
Wenn jedoch einzelne Personen für sich unbedingt ein Gebet haben müssen, wird dieses in der Regel toleriert. Es ist zu bedenken, dass wir uns z.Zt. noch in einer Übergangsphase befinden, wo die Menschen sich allmählich an ein glaubensfreies Leben gewöhnen. Und da müssen wir es noch eine Zeitlang „aushalten“, dass die lange Tradition religiöser Rituale nicht von heute auf Morgen bei allen Menschen „abgeschaltet“ werden kann.

Toten-Gedenkfeiern
In Wuppertal – wie auch in anderen Städten – werden jährlich im November seit langem Gedenkfeiern durchgeführt. Dazu werden alle Angehörigen der im zurückliegenden Jahr bei Trauerfeiern verabschiedeten Menschen noch einmal zu einer gemeinschaftlichen Gedenkfeier eingeladen, an denen hier in Wuppertal durchschnittlich ca. 30 Personen teilnehmen. Zu einer kleinen Festrede, bei der der Verstorbenen gedacht wird, gibt es Live-Musik, und auch hier ist die Symbolik einer Kerzenentzündung für jeden Verstorbenen ein beliebtes Ritual.

Feiern zum Jahreszeiten-Wechsel
Sonnenwend-Feiern werden auch heute noch häufig praktiziert, z.B. bei den Naturfreunden zum 21. Juni und zum 21. Dezember. Auch RiBeL hat mit seinem Winterfest an diese Tradition angeknüpft.

So konnten die weltlichen Sprecher (z.B. des HVD-NRW) in den vergangenen Jahren wirksam dazu beitragen, den Menschen religionsfreies Gedankengut nahezubringen. Und dabei erleben wir immer wieder, wie fasziniert die Menschen von weltlich-humanistischem Gedankengut und von der einfachen Erklärung naturwissenschaftlicher Zusammenhänge sind.

Und nichts lieben die Menschen so sehr wie Feiern und Zeremonien – denn sie gehören seit Menschengedenken zum Leben dazu!

von Jürgen Köster, im März 2015

Religionsfreie in Wuppertal

Zahlen Wpt

Anfang 2014 hat sich RiBeL in der Alten Feuerwache in Wuppertal gegründet, um ein Forum zu schaffen zum Austausch für alle, die keiner Religionsgemein-schaft angehören, aber in Politik und Gesellschaft gehört werden wollen.

In Wuppertal liegt der Anteil der Konfessionsfreien bei 27% (Stand 2015: 30%). In den umliegenden Städten sieht es ähnlich aus und in Düsseldorf beträgt die Quote bereits über 50%.

Leider wird diesem Umstand in der Politik kaum Rechnung getragen; so sind konfessionsfreie Interessen nicht recht repräsentiert. RiBeL will auf diese Tatsache aufmerksam machen und tritt für Säkularisierung und Trennung von Staat und Religionsgemeinschaften ein.

Weltansch TorteWir sind an humanistischen und demokratischen Werten orientiert und offen für Menschen, die sich mit den Themen „Religion“ und „Kirchen“ kritisch auseinandersetzen wollen, wie Agnostiker, Atheisten und all diejenigen, denen Selbstbestimmung, Selbstverantwortung, Transparenz und Aufklärung wichtig sind.

Nähere Infos und Einladungen gibt es hier.

RiBeL-Winterfest 2015


Am Sonntag, 21. Dez. 2014, feierten Freunde und Besucher des RiBeL-Forums gemeinsam das erste freigeistige RiBeL-Winterfest in Wuppertal.

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Die gut besuchte Veranstaltung in der Gaststätte SPUNK hatte es in sich: Gitarre life, mit Gesang und kurzen Vorträgen. Ein Höhepunkt war der mittelalterliche „Schwertkampf“ zweier Freunde. Zum RiBeL-Winterfest genossen die Freigeister mit Kaffee und Kuchen sowie Bier und Buletten den schönen Jahresausklang zur Sonnenwende, die auch bei Wuppertaler Freidenkern und Freigeistern eine lange Tradition hat.

Schon seit Jahrtausenden gedachten viele Kulturen der Welt das astronomische Ereignis der Sonnenwende – auch in Deutschland und auch die Brukterer im Bergischen Land. Nach ihrer „Christianisierung“ ab dem 8./9. Jahrhundert feierten die Brukterer dann Weihnachten – zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende. Zuvor hatte im 4. Jahrhundert der römische Christen-Papst die Bedeutung der Feier zur Wintersonnenwende entdeckt und das Geburtsfest des vermeintlichen Erlösers in diese Zeit gelegt.

P1010679In Wuppertal haben freigeistige Zusammenkünfte eine eigene Tradition, die mit dem RiBeL-Winterfest aufgegriffen wird. So führen die Freidenker und die Mitglieder des Humanistischen Verbandes (HVD) in Wuppertal seit vielen Jahrzehnten ihre alljährliche Jugendfeier durch sowie weltlichen Hochzeiten, Namensfeiern und auch Trauerfeiern und das Humanistische Totengedenken.

Das erste RiBeL-Jahr geht bald zu Ende. Mit regelmäßigen Treffen, den RiBeL-Foren, und einigen weiteren Aktivitäten war dieses erste Jahr gut genutzt. Das RiBeL-Winterfest gab einen Anlass mit Stolz darauf zurück zu schauen und weiterhin gute Zusammenarbeit zu verabreden.