Die Kirchen, eine schweigsame Familie


Eine neue Studie belegt schockierende Ausmaße des Kindesmissbrauchs in der katholischen Kirche. Diese von der deutschen Bischofskonferenz initiierte Studie eröffnet Blicke in Abgründe. Sie verdeutlicht die Existenz einer mächtigen, verschwiegenen und abgehobenen Parallelgesellschaft.

Diese Parallelgesellschaft Kirche schützt demnach sexuelle Obsessionen von Teilen ihres Personals, sondern nutzt auch ihre gesellschaftliche Position zur eigennützigen politischen Einflussnahme. Zum massenhaften Kindesmissbrauch gesellen sich bekanntlich weitere kriminelle Aktivitäten wie Geldwäsche, Mafia-Kollaboration, Terrorfinanzierung, neoliberale Propaganda, Nähe zu zahlreichen Despoten – nicht nur im Mittelalter.

Carsten Frerk schreibt dazu in der „Wirtschaftswoche“: „Kirchen haben 34 Lobbybüros in Deutschland, die Einfluss ausüben auf Politik und Meinungsmacher. Das ist völlig in Ordnung und Teil unserer gelebten Demokratie. Aber die frühe Einbindung der Kirchen in die Gesetzgebungsprozesse ist seit Jahrzehnten andauernde Praxis – das Gegenteil von Demokratie.“ So helfen die Kirchen als PR-Profi aktiv beim Abbau des Sozialstaats, obwohl sie dieses gelegentlich kritisieren.

Jedoch gab und gibt es im Umfeld auch der katholischen Kirche beeindruckende Einzelpersonen, häufig wird wichtige soziale Arbeit verrichtet. Viele individuell Gläubige beteiligen sich aus besten Beweggründen.

mehr dazu bei Nachdenkseiten (13.09.2018)

Aufstehen und Seebrücke … für Menschenrechte

Diese beiden aktuellen Bewegungen sind ein Lichtblick für zivilgesellschaftliche Proteste gegen rechte Politik. Mussten Fernsehzuschauer über eine längere Zeit in Talkshows häufig fremdenfeindliche Ressentiments als angeblich besorgte Stimme aus der Bevölkerung zur Kenntnis nehmen, so sind inzwischen Zigtausende gegen Menschen verachtende Äußerungen nicht nur seitens des AfD-Führungspersonals auf die Straße gegangen.

In vielen Städten gründen sich Ortsgruppen der „Seebrücke“, die für die Seenotrettung im Mittelmeer und für die Aufnahme von Geflüchteten demonstrieren. Gegenüber dem Rechtsruck können auch mittels der „Aufstehen“-Initiative Grenzen sichtbar gesetzt werden. Gegen Geflüchtete zu hetzen, bringt keine Stimmen mehr, sondern Stimmverluste, schwant nun auch der CSU.

Wenn sich die „Seebrücken“- Bewegung hält und bis zum Herbst an Stärke gewinnt, wäre es gar ein fruchtbares Zusammentreffen mit „Aufstehen“ denkbar. Diese Initiative thematisiert ihrerseits die soziale Frage. Am Ende bringt die „Seebrücke“ die nötige Dynamik und die „Aufstehen“-Sammlungsinitiative den nötigen Druck zu einer Neusortierung des Parteien-Gefüge von unten.

Der Ruf nach Beachtung der Menschenrechte würde auch in unserem Land eine stärkere Stimme bekommen.

Quelle: nach Elsa Koester im „freitag“ am 07.08.2018

Erasmus von Rotterdam


Um jedoch nicht weiter auf diese endlosen Einzelheiten einzugehen, will ich euch in aller Kürze dartun, dass die ganze christliche Religion eine gewisse Verwandtschaft mit der Torheit hat und zu der Weisheit in gar keiner Beziehung steht.“ So charakterisierte Erasmus die christliche Religion. Wegen seiner kritischen Haltung zum römischen Katholizismus wurden seine Werke auf dem Konzil von Trient auf den Index gesetzt. Als kritischer Denker seiner Zeit zählte Erasmus zu den Wegbereitern der europäischen Aufklärung.

Mit seiner Arbeit legte er das Fundament für die Reformation“ ist unter http://www.luther2017.de zu lesen. Man sähe in Erasmus gern einen „Wegbereiter der Reformatoren“. Als Beleg wird seine Bibelübersetzung aus dem Griechischen angeführt und darin der Grundstein zur deren Erforschung und damit für die Reformation gesehen. Luther hatte es übrigens mit dem Griechischen nicht so; dafür war Melanchthon zuständig. Gegen den Eindruck, Luthers Vorarbeiter zu sein, verwahrte sich Erasmus denn auch. Den angriffslustigen Luther und die Gewaltexzesse mit der dessen Reformation durchgepowert wurde, lehnte Erasmus ab. Luthers unbedingten Wahrheitsanspruch empfand er abstoßend.

erasmusMit seiner Schrift „Vom freien Willen“ trat Erasmus für die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen ein, ohne die ein moralisches und verantwortungsvolles Leben nicht möglich sei. Auch damit begab er sich in Auseinandersetzung mit Luther, in deren Folge es zum Bruch kam. Beide haben es zeitlebens vorgezogen, sich nicht persönlich zu begegnen. Luther würdigte ihn zuletzt mit dem Ausspruch: „Wer den Erasmus zerdrückt, der würget eine Wanze, und diese stinkt noch tot mehr als lebendig.“

Gerrit Gerritszoon wurde 1466 (evtl. auch 1469) als unehelicher Sohn eines katholischen Priesters und dessen Haushälterin geboren. Rechtzeitig vor der Geburt wurde die schwangere Frau von Gouda nach Rotterdam geschickt. Erasmus von Rotterdam wurde nach dem Schulbesuch Augustinermönch. Er studierte an der Sorbonne in Paris, lernte den dortigen Humanistenkreis kennen und promovierte in Turin 1506 zum Doktor der Theologie. Er schaffte es, sich als freier Gelehrter zu etablieren und lebte in den Niederlanden, England und zuletzt in der Schweiz in Basel. Er pflegte zahlreiche Kontakte zu bedeutenden Denkern seiner Zeit, wie z.B. Thomas More, Lordkanzler Heinrichs VIII. Bei seiner Suche nach einem „christlichen“ Humanismus wandte er sich den hellenistischen Klassikern zu und übersetzte auch Texte von Seneca.

Er traf sich mit einer der Leitfiguren der Baueraufstände, Ulrich von Hutten. Aber er wandte sich in seinen theologischen Werken gegen Religionskriege. 1517 erschien seine Schrift „Die Klage des Friedens“. Als erster Pazifist der Neuzeit stellte er sich gegen die damals anerkannte Lehre vom „gerechten Krieg“. Für Erasmus standen die Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen im Vordergrund. Mit der Forderung Gegensätze zuzulassen, wird er auch als Wegbereiter des Toleranzgedankens angesehen, ein Gegner von Engstirnigkeit und nationalreligösem Fanatismus. Gleichwohl hat er sich zu antisemitischen Bemerkungen veranlasst gesehen und jüdischen Konvertiten misstraut. So nahm er auch den katholischen Standpunkt ein, ernsthafte Irrlehren wie die Reformation zu unterdrücken, ggf. auch mit der Todesstrafe, die damals viele religiöse Erneuer getroffen hat.

Die ironische Schrift „Lob der Torheit“ ist Kirchenkritik am Rand des damals Möglichen. Immerhin herrschte in Teilen Europas zu der Zeit noch der Inquisitionsterror der Katholischen Kirche, dem sich auch weltlich Fürsten und Könige beugten. In diesem vielfach übersetzen Büchlein wurde mit der Unaufrichtigkeit und Dummheit vieler Menschen und vor allem auch der damaligen Entscheidungsträger abgerechnet. Vorgeblich fromme Christen, Kaufleute, Fürsten, Advokaten, Mönche, Gottesdiener, Heilige und Gelehrte werden aufs Korn genommen und es wird ihnen vorgehalten: „Es tut halt so sauwohl, keinen Verstand zu haben, dass die Sterblichen um Erlösung von allen möglichen Nöten lieber bitten, als um Befreiung von der Torheit.“ Seine Kritik zielte ebenso auf damalige gesellschaftliche Autoritäten wie Albertus Magnus und Thomas von Aquin sowie den selbstherrlichen Machtwahn der Kirchenfürsten und des Papstes.

Der Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert ist eine Schicksalsstunde Europas. Das Mittelalter ging zu Ende. Der Seeweg nach Indien wird gesucht, Kopernikus erforscht die Bahnen der Gestirne, die Ritterschaft geht zugrunde, die Städte streben auf, soziale Verwerfungen rufen heftige gesellschaftliche Auseinandersetzungen hervor. In akademischen Kreisen war jedoch die dünkelhafte Vorstellung verbreitet, dass es einzig Universitätsgebildeten zusteht, über Recht und Unrecht zu entscheiden. Im Namen der Vernunft sollte die Welt regiert werden. Gemeint war eine Bildungsaristokratie. So wird die Stoßkraft der Bauernaufstände, die Volksrevolution nicht verstanden. Dieses Vorbeisehen am Volk, diese Gleichgültigkeit gegen die Wirklichkeit hat der Idee des Erasmus damals die wirkende Kraft genommen. Der grundlegende Denkfehler war, das Volk von oben herab belehren zu wollen, statt es zu verstehen oder von ihm zu lernen.

Der große Gelehrte des europäischen Humanismus ist in Basel am 12. Juli 1536 gestorben.

Quellen
Stefan Zweig, Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam, 1935 bei www.literaturdownload.at
Wikipedia-Stichwort „Erasmus von Rotterdam“
Peter van Dam www.uni-muenster.de Okt. 2007
www.luther2017.de mit „Datum: 04-02-16“
Humanistischer Pressedienst http://hpd.de/node/2349
“Das Lob der Torheit” bei http://gutenberg.spiegel.de

Militärseelsorge – die unheilige Allianz


Im westfälischen Münster fand im Mai unter dem Motto „Suche Frieden“ der 101. Katholische Kirchentag statt. Mit dabei war auch die Militärseelsorge der Bundeswehr.

Warum dies nicht passte, welch enormer bürokratischer Apparat hinter der Militärseelsorge steht und warum sie ihre sowieso zweifelhaften Aufträge dennoch nicht erfüllen, darüber klärt jetzt eine Studie auf, die wir gemeinsam mit der „Informationsstelle Militarisierung“ herausgegeben haben. Darin wird die „unheilige Allianz“ zwischen der Kirche und dem Militär geschildert und analysiert.

Die verschiedenen säkularen Organisationen sind sich in dieser Frage auch nicht einig. Der Humanistische Verband z.B. möchte gern „Seelsorger“ stellen für die Bundeswehr – die dann wie die Soldatenpfarrer vom Staat bezahlt würden / werden sollten.

Zu Thema: „Kirche & Militär – Die Zusammenarbeit beenden!“ gibt es die Studie hier zum abrufen

Säkulares NetzWerk NRW sucht seine Ziele


Das „Säkulare NetzWerk NRW“ (SNW) hat auf seiner Mitgliederversammlung am 15. April 2018 in Köln ein neues Koordinationsteam bestellt. Ferner lag eine Papier mit engagierten Zielen des Netzwerks vor, das wir nachstehend dokumentieren. Die Relevanz dieses Ziele-Papiers wird sind der kommenden Zeit erweisen müssen. Alle Beteiligten wollen es vor Ort zur Diskussion stellen.

Inhaltliche Ziele

Betonung von Säkularität, Toleranz und säkularer / humanistischer Ethik als zivilisatorische Errungenschaften und Grundlagen unserer Gesellschafts­ord­nung

  • Förderung skeptischen Denkens und universaler Bildung für Alle als Bedingung für weitere Aufklärungs-, Emanzipations- und Humanisierungsschritte im 21. Jahrhundert
  • Gleiche Rechte und Chancen für alle Menschen unabhängig von Religion und Konfessionszugehörigkeit, insbesondere in der Schule und am Arbeitsplatz
  • Religiöse Neutralität des Rechtssystems, der anderen staatlichen Insti­tu­tionen und des staatlichen Handelns
  • Institutionelle Entflechtung von Staat und Kirchen/Religionsgesellschaften samt ihrer Unternehmen; Abbau der kirchlichen Sonderrechte
  • Unterstützung säkularer Kräfte in der Zivilgesellschaft
  • Rückbau der integrationshemmenden religiösen Versäulung
  • Kontergewicht gegen die Diskursmacht der Kirchen und des Religiösen

Organisatorische Ziele

  • Aufbau und Pflege einer Vernetzungsstruktur
  • Bündelung und Vertretung säkularer Anliegen (Fernziel: säkulares Büro in D)
  • Berücksichtigung der Profile und Stärken der Mitgliedsorganisationen
  • Beteiligung an Veranstaltungen der Mitgliedsorganisationen
  • Koordinierung und Initiierung politischer Aktionen

mehr Info unter http://saekulares.nrw

Kritik an Finanzierung des Katholikentags


Das Säkulare Netzwerk NRW kritisiert die massive öffentliche Finanzierung des Katholikentags, der vom 9. – 13. Mai 2018 in Münster stattfindet. Das christliche Glaubensfest wird mit rund 3 Millionen Euro aus allgemeinen Steuergelder gefördert.

Katholikentage und Evangelische Kirchentage sind christliche Glaubensfeste, die jährlich in unterschiedlichen deutschen Städten stattfinden. 30 bis 50 Prozent ihrer Kosten werden regelmäßig von Stadt, Land und Bund getragen. Neben den rund 3 Millionen Euro aus allgemeinen Steuergeldern für das Programm des diesjährigen Katholikentags kommen auf den Steuerzahler weitere Kosten für Polizeieinsätze und die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen zu, mit denen die christliche Großveranstaltung geschützt wird.

Johannes Schwill und Burkhard Wepner, Sprecher des SNW, halten diese Finanzierungspraxis angesichts des staatlichen Neutralitätsgebotes und des rapide schwindenden Rückhalts der Kirchen in der Gesellschaft nicht für gerechtfertigt: „Rund 95% der Besucher eines Kirchentags sind katholische oder evangelische Christen. Entsprechend haben Kirchentage – anders als vom Kirchentagsveranstalter behauptet – keine gesamtgesellschaftliche Relevanz. Es sind christliche Glaubensfeste, auf denen selbst gesamtgesellschaftlich relevante Fragen lediglich aus christlicher Perspektive diskutiert werden. Warum solche eindeutig christlich-religiösen Großveranstaltungen mit allgemeinen Steuergeldern gefördert werden – und noch dazu mit wesentlich mehr Geld als vergleichbare Großveranstaltungen nicht-religiöser Art – ist angesichts des staatlichen Neutralitätsgebotes und der Tatsache, dass immer mehr Menschen die christlichen Kirchen verlassen, schlicht nicht nachvollziehbar. Diese Finanzierungspraxis muss ein Ende haben.“

Das Säkulare Netzwerk NRW ist eine Vereinigung weltlich-humanistischer und konfessionsfreier säkularer Organisationen und Parteigruppierungen; es wurde 2016 in Köln gegründet.

mehr Info: saekulares.nrw

Mutter tötet Tochter mit Kruzifix


Es ist eine grausame Tat, die eine 51-Jährige ihrer Tochter aus Oklahoma angetan hat. Weil sie glaubte, dass Geneva Gomez vom Teufel besessen ist, steckte ihre Mutter ihr ein Kruzifix in den Hals. Geneva starb. Nun muss ihre Mutter lebenslang hinter Gittern.

Ein Gericht in Oklahoma City verurteilte die 51-jährige Juanita Gomez zu lebenslanger Haft, nachdem sie ihre 33-jährige Tochter im August 2016 mit einem Exorzismus gequält und letztendlich getötet hatte.

Die Leiche der jungen Frau hat ihr Ex-Freund Francisco Merlos damals im Haus der Mutter gefunden. Sie war voller Blut, ihr Körper hingelegt, als wäre sie gekreuzigt worden. Auf ihrer Brust lag das Kruzifix, das die Mutter ihr in den Hals gesteckt hatte.

Juanita glaubte, dass ihre Tochter vom Teufel besessen sei. Ihre Tochter habe in der Nacht zuvor mit einer dämonischer Stimme in fremden Sprachen gesprochen, ihre Augen seien nach hinten gerollt und sie habe versucht, ihre Mutter umzubringen, sagte die 51-Jährige vor Gericht aus.

Daraufhin schlug sie solange, dass später durch die Gerichtsmedizin mehrere Traumata an Kopf und Gesicht gefunden worden. Um den Teufel aus ihr auszutreiben, habe die 51-jährige Mutter versucht, ihr ein Kruzifix sowie ein religiöses Medaillon in den Rachen zu stecken, wie die Washington Post berichtete.

Beim Eintreffen der Polizei, die ihr Ex-Freund Merlos rief, war Geneva Gomez bereits tot. Juanita Gomez habe zuvor versucht, ihn festzuhalten, als dieser das Haus verlassen wollte. Dabei habe sie immer wieder die Worte „Teufel“ und „Geld“ geflüstert.

Juanita Gomez wurde wegen Mordes verurteilt. Die Verteidigung hatte versucht, ihr dieses Urteil wegen Unzurechnungsfähigkeit aufgrund von psychischer Krankheiten zu ersparen. Doch dies wurde durch ein psychologisches Gutachten des Gerichtes in Oklahoma City widerlegt. Gomez würde diese Krankheiten nur vorspielen, um als unzurechnungsfähig zu gelten.

Beitrag übernommen vom Humanistischen Pressedienst

Sachkunde Hinweise gibt es
hier „Papst rät: Mit Exorzismus nicht zögern
oder hier „Exorzismus: Der Teufel als Hauptfach

Kritische Aufklärung und Antisemitismus


Seit einiger Zeit werden Menschen mit diesem Vorwurf konfrontiert, deren Antrieb ausgerechnet die Menschenrechte sind, politisch Aktive, die sich dem Kampf gegen Ungerechtigkeit verschrieben haben. Auch Juden selbst werden dessen bezichtigt, sobald sie grundsätzliche Kritik an Israel äußern.

Selbstverständlich ist Antisemitismus real und nimmt zu, das macht die Debatten unübersichtlich und der undifferenzierte Vorwurf erschwert die Identifizierung der wirklichen Gefahr, dem Vormarsch der Rechten. Dieser (versuchten) Delegitimierung auch von Teilen der Linken durch den inflationären Vorwurf des Antisemitismus widmete sich im Feb. 2018 eine Konferenz in Berlin, bei der jüdische Intellektuelle und andere für das „Projekt Kritische Aufklärung“ warben: Moshe Zuckermann, Rolf Becker, Esther Bejarano und weitere Publizisten, Aktivisten und Künstler. Es geht ihnen um Intervention gegen rechte Tendenzen in Deutschland.

Auch jüdische Antifaschisten werden als Verräter diffamiert oder als „rote Antisemiten“, wenn sie z.B. Verbrechen an den Palästinensern anprangern. Nicht selten erwachsen daraus Rufmordkampagnen und Sanktionen, die aus der AfD, von neokonservativen „Antideutschen“ oder „christlichen“ Fundamentalisten initiiert werden. Mit dem inflationären Gebrauch des Antisemitismusvorwurfs werden auch seitens der Medien Grenzen verwischt – im Sinne der Rechten. Der Bundestag verurteilte den Antisemitismus neulich als „vermeintliche Kritik an der Politik des Staates Israel“, die aber „tatsächlich Ausdruck des Hasses auf jüdische Menschen“ sei.

Es kommt des öfteren vor, dass Veranstaltungen zum Thema Palästina auf ihren antisemitischen Inhalt abgeklopft oder Teilnehmerlisten nach den Namen „verdächtiger“ Personen durchsucht werden und Organisatoren erhalten Absagen gemieteter Räume. Für Indigene, Vertriebene, Hungernde in Flüchtlingslagern in jedem anderen Teil der Welt vegetierende Menschen sind Fürsprache und Engagement en vogue, auch verbunden mit radikalen Forderungen. Wird aber für die Rechte der Palästinenser eingetreten, wird oft der Verdacht geäußert, es eigentlich auf das Existenzrecht der Juden abgesehen zu haben. Menschenrechtsvergehen des Staates Israels werden dabei relativiert, wie es im Konferenz-Aufruf hieß.

mehr Info zum projektkritischeaufklaerung.de

Staatsleistung an Kirchen: ablösen!


Im Jahr 2019 steht das unrühmliche 100-jährige Jubiläum der Missachtung des Verfassungsauftrags zur Ablösung der Staatsleistungen an – wenn der neu gewählte Bundestag und die 14 betroffenen Länder nicht geeignete Schritte in die Wege leiten. Die Weimarer Reichsverfassung (WRV) von 1919 und das Grundgesetz (GG) von 1949 verlangen ein Rahmengesetz zur Ablösung der historisch bedingten, direkten Staatsleistungen der Länder an die Kirchen.

Das Institut für Weltanschauungsrecht (ifw) hat die Positionen der Parteien ausgewertet und stellt fest: erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik gibt es bei Bund und Ländern deutliche parlamentarische Mehrheiten für die Ablösung der Staatsleistungen bei allen Parteien außer der CDU/CSU. Den Gesetzgebern bei Bund und Ländern wird eine rechtspolitische Ablöse-Initiative mit einem Vorgehen in drei Schritten empfohlen:

  1. Fakten zusammentragen und Transparenz schaffen: Die erforderlichen Informationen in den 14 Ländern zu den Staatsleistungen (z.B. Rechtsgrund, bisherige Zahlungen) sammeln.
  2. Rechtsrahmen setzen durch ein Grundsätze-Gesetz: Die Ablösungsgrundsätze in einem Bundesgesetz festschreiben.
  3. Ablösegesetze der Bundesländer: Ablösungsgrundsätze landesrechtlich ausfüllen und umsetzen.

mehr Info beim ifw

Säkulares NetzWerk NRW: „Philosophie verleiht Flügel“


Im Nachgang zu den Beratungen im Schulausschuss des Landtags im Dez. 2017 hat das Säkulare NetzWerk NRW zum Grünen-Antrag „Philosophie verleiht Flügel“ nachfolgende Stellungnahme herausgegeben:

Das Säkulare Netzwerk NRW (SNW) begrüßt den Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90 Die GRÜNEN  „Philosophie verleiht Flügel“ auf Einführung eines Ethik-Unterrichts in der Grundschule als einen ersten wichtigen und richtigen Schritt, auf die veränderte kulturelle Lebenswirklichkeit in Nordrhein-Westfalen zu reagieren und bildungspolitisch gestaltend tätig zu werden.

Angesichts der heutigen Vielfalt der teils gelebten, teils formalen Religionszugehörigkeiten und der stetig wachsenden Zahl an bekenntnisfreien Schülerinnen und Schülern in unseren Schulen ist es unter dem Aspekt der Gleichheit vor dem Gesetz (Art. 3 GG) eine dringend notwendige Aufgabe des Staates, allen Schülerinnen und Schülern in allen Schulstufen und Schulformen fachlich fundierten Ethik-Unterricht an­­zubieten.

Das Fach sollte mit altersgerechter Anschaulichkeit und erprobter Methodenvielfalt

  • zu ethischem und philosophischem Fragen anleiten,
  • Entstehung, Wandel und Geltung ethischer Maximen und Verhaltensweisen reflektieren,
  • verschiedene Methoden der Erkenntnisgewinnung thematisieren sowie
  • Religions- und Weltanschauungskunde umfassen.
  • Zugleich sollte es – ohne von Staats wegen zu indoktrinieren – bei den Kindern auf der Basis des Grundgesetzes und der dort festgeschriebenen Menschenrechte eine Werteentwicklung ermöglichen und fördern und damit zu einer selbst bestimmten Lebensführung befähigen.

Am besten wird diese Zielsetzung durch einen gemeinsamen für alle verpflichtenden Ethik-Unterricht erreicht. Dieser kann

  • die konfessionelle Spaltung und Sortierung überwinden helfen, welche für viele Schulen auch ein handfestes organisatorisches Problem darstellt
  • die kulturelle Integration fördern
  • einen überlappenden Wertekonsens (overlapping consensus, John Rawls) ermöglichen.

Da hierfür die politischen und rechtlichen Hürden gegenwärtig leider recht hoch erscheinen, halten wir es für wichtig, dass das geplante Fach, das wir (nebenbei auch aus pragmatischen Gründen) „Ethik“ zu nennen empfehlen, curricular sowie von den Qualifikationen der Fachlehrerinnen und -lehrer her, so angelegt wird, dass es sich langfristig zu einem integrativen Fach ausbauen lässt.

Es ist selbstverständlich, dass die Philosophie eine Bezugswissenschaft des Faches Ethik ist. Hinzukommen müssen aber auch Psychologie, vor allem als Sozialpsychologie (z.B. Identität, Empathie), des Weiteren die Soziologie (z.B. Gruppen, Rollen, Wir-heiten, Andersheiten) sowie die Vergleichende Religionswissenschaft, schließlich Naturwissenschaften wie Physik und Biologie (z.B. Züchtung, Nahrung, Tierversuche; Geschlechtervielfalt, Heranwachsen) und die Geschichtswissenschaft (z.B. Religion, Gewalt und Frieden).

Im Fach Ethik geht es darum, mit den Kindern zu besprechen, wie es im Umgang der Menschen miteinander und beim Verhalten der Menschen untereinander und psychologisch, soziologisch und historisch zu Regeln, Gesetzen, Normen und Werten kommt.

Die Kinder sollen lernen, dass Ethik etwas ist, das sich durch das praktische Zusammenleben der Menschen entwickelt und sich seit Jahrtausenden, wenn auch langsam, immer wieder ändert und von den Menschen selbst an neue Herausforderungen, denen sie gegenüber stehen, sowie neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die sie erlernen, angepasst wird.

Auf dieser Grundlage soll den Kindern verstärkt Raum gegeben werden zu erfahren, wie durch selbsttätiges (kindliches) Erarbeiten von Regeln ihre eigenen, aber gerade auch die Interessen und Wünsche der Anderen zu berücksichtigen sind und zu einem fairen Ausgleich gebracht werden können, wodurch ethisches Verhalten entsteht.

Zugleich sollten sie angeleitet werden zu erkennen, dass sie auch auf den reichhaltigen kulturellen Schatz der Menschheitsgeschichte zurückgreifen können und lernen auf solche Weise, diesen in seinen diversen Teilaspekten zu hinterfragen, auf seinen menschlich fassbaren Sinn hin zu ergründen und dann gegebenenfalls in Teilen zu überwinden oder weiterzu­ent­wickeln.


Mehr Info hier

www.Saekulares.NRW
www.Pro-Ethik-NRW.de
www.Humanismus-und-Schule-NRW.de