Den Seinen gibt’s der Herr …


Staatliche Kirchen-Finanzierung

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Die Kirchen zeigen sich aktuell ansatzweise bereit, über die Ablösung der Staatleistungen zu reden. Da fragt man sich, ob die Kirchen die derzeit noch kirchenfreundliche Stimmung in den Parteien für Verhandlungen nutzen möchten, bevor die Kirchenmitglieder nicht mehr die Mehrheit in der Bevölkerung stellen. Ihr Anteil ist bereitsauf unter 60% gefallen.

frerk-carsten_300x362px_webHoffnung ziehen manche auch aus Urteilen des Europäischen Gerichtshofes, der die außergewöhnliche rechtliche Stellung der Kirchen in Deutschland in die Schranken weisen und gerade die Rechte der Arbeitnehmer in kirchlichen Einrichtungen stärken könnte.

Dazu referierte Carsten Frerk in der Alten Feuerwache im Mai 2015, der seit Jahren zu diesem Thema Bücher schreibt und Vorträge hält und so auch als Interviewpartner gefragt ist. Infos zum Thema Kirchenfinanzen gibt es auch über seine Website www.kirchensteuer.de

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„Staatsleistungen an die Kirchen ablösen!“ lautet ein Aufruf des KORSO-Dachverbandes religionsfreier Organisationen. Auch bei Monitor/WDR gibt es aufschlussreiche Recherche-Ergebnisse.

Nicht ganz aktuell ist die veröffentlichte Eröffnungsbilanz des Evangelischen Kirchenkreises Wuppertal für 2012 mit einer Bilanzsumme von € 7.825.253,21. Das Diakonische Werk Wuppertal schloss 2013 mit einer Bilanzsumme von € 5.524.239,35 ab. Bei der katholischen Fraktion ist die Transparenz vergleichsweise weniger entwickelt.

Man darf gespannt sein, wie sich „Kirchen-Finanzierung“ in Wuppertal auswirkt. Bekanntlich will die Evangelische Kirche der Stadt den Titel „Reformationsstadt“ andienen. Da fragt sich nicht nur der ungläubige Mensch:
Was wird das wohl kosten?

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Weltlicher Trauer-Redner


Viele Menschen legen im Leben keinen Wert auf Religion. Warum sollte es dann nach dem Leben anders sein: Für ein Begräbnis und eine Trauerfeier ist kein Priester erforderlich. Vielmehr gibt es seit langem dafür auch weltliche Trauerredner. jükö - KopieWeltliche Trauerredner helfen bei der Vorbereitung und Ausgestaltung einer Trauerfeier und nehmen sich Zeit mit den Angehörigen in Ruhe alles Notwendige zu besprechen, um den Vorstellungen der bzw. des Verstorbenen gerecht werden zu können.

Ein langjährig tätiger Trauerredner ist Jürgen Köster in Wuppertal. Er hat inzwischen mehr als 20 Jahre Erfahrung als weltlich-humanistischer Redner und steht bei der Planung einer nicht-religiösen Trauerfeier zur Verfügung. Ein solcher letzter Abschied ist immer etwas ganz Persönliches – gleich ob Erd- oder Feuerbestattung. Daher steht auch die bzw. der Verstorbene im Mittelpunkt einer solchen Feier und entsprechend wird eine persönlich gehaltene Rede vorbereitet, die z.B. auch mit der Lieblingsmusik der bzw. des Verstorbenen umrahmt werden darf.

Diese und weitere Fragen werden im persönlichen Vorgespräch mit den Hinterbliebenen bei der gemeinsamen Vorbereitung der Trauerfeier bedacht. Jürgen Köster ist als Trauerredner in Wuppertal und im gesamten Bergischen Land tätig – aber eben auf der weltlichen Seite. Die Zeitschrift „talwaerts“ aus Wuppertal hatte dazu kürzlich ein Portrait veröffentlicht.

Weitere Informationen zum Beistand beim Abschied eines geliebten Menschen gibt es
telefonisch: 0202 – 46 04 555
oder per E-Mail: hier

 

Religionsfrei feiern!


Wir wissen, dass die Menschen schon seit Urzeiten – lange vor dem Christentum – bestimmte Rituale und Lebensfeiern praktizierten, die ihren Sinn und Ursprung im menschlichen Miteinander sowie in der stetigen Auseinandersetzung mit der Natur hatten.

Den christlichen Missionaren und Eiferern ist es nur gelungen, die Menschen mit Feuer und Schwert zum Christentum zu bekehren. Anschließend wurde oft auch brutal ihre Kultur zerstört und den rituellen Feiern eine andere Deutung gegeben. So propagierten sie z.B.
* anstelle des Festes zur Winter-Sonnenwende das Weihnachtsfest oder
* das Osterfest zur Zeit des Frühlings / der Aussaat.

Als sie so die Menschen „bekehrt“ hatten, gingen die Missionare dazu über, den Lebensfeiern der Menschen christliche Symbolik überzustülpen. So die Taufe bei der Geburt, Firmung und Konfirmation, die Trauung (in Weiß!), bis hin zum Lebensende, wo man des christlichen Beistandes angeblich bedurfte, um nicht in der „Hölle“ und im „Fegefeuer“ die „ewige Qualen“ zu erleiden.

So sind den Menschen im Laufe von 2 Jahrtausenden Ängste und Furcht eingeflößt worden, von denen sie sich heute – im Zeitalter der Aufklärung – langsam befreien, und in der die Vernunft und die Erkenntnisse der Naturwissenschaften mehr und mehr den Aberglauben verdrängen.

Freidenker und weltliche Humanisten haben schon im 19. Jh. – vor allem in der Arbeiterbewegung – damit begonnen, Aufklärung zu betreiben und den Menschen eine selbstbewusste und selbstbestimmte Lebensperspektive zu eröffnen. Einer der Leitsätze war schon damals: „Die Religion ist das Opium des Volkes“ (K. Marx) oder „Glauben ist stets Nicht-Wissen“!

In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts – vor allem nach dem 1. Weltkrieg und dem Sturz des Kaiserreichs – wurde den Herrschenden auch die Akzeptanz nicht-religiöser Lebensauffassungen abgerungen. So entstanden nach 1918 z.B. „Weltlichen Schulen“, die vor allem von den Kindern der fortschrittlichen Arbeiterbewegung besucht wurden und ganz bewusst auf eine nicht-religiöse Bildung und Erziehung setzten.

Auch andere weltlich-humanistische Feierrituale entstanden in dieser Zeit, z.B. die Jugendweihe anstelle der Firmung bzw. Konfirmation, an der damals in manchen Städten mehr Jugendliche teilnahmen als an den christlichen Feiern. Auch die Kultur alternativer Feiern zur Namensgebung, zur Hochzeit und zum Totenabschied haben ihren Ursprung in jenen 20er und 30er Jahren. Die Nazis haben nach der Machtergreifung auch diese fortschrittliche Bewegung zerschlagen und sind mit den Kirchen sogenannte „Konkordate“ (Staatsverträge) eingegangen, die z.T. bis heute nicht aufgehoben sind.

Nach dem 2. Weltkrieg haben die Freigeister und Freidenker diese Kultur wieder neu belebt. Leider wurde durch die Besatzungsmächte die Neugründung des Freidenkerverbandes zunächst verhindert, was dazu führte, dass sich die Bewegung spaltete. Das war mit einer der wesentlichen Gründe dafür, dass diese Bewegung nicht mehr so erstarkte wie vor dem 2. Weltkrieg.

Es entstanden neben dem Freidenkerverband weitere freireligiöse, freigeistige und humanistische Vereinigungen. Diese verfolgen bis heute in weiten Teilen vergleichbare Zielsetzungen. So benannte sich die freigeistige Landesgemeinschaft NRW 1993 in „Humanistischer Verband NRW“ um, behielt damit den Status einer „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ und ist seither rechtlich formal den Großkirchen gleichgestellt. Von tatsächlicher Gleichstellung kann natürlich bis heute keine Rede sein.

Der HVD-NRW hat mit seinem Angebot an Sprechern und Zeremonienleitern für weltliche Lebens- und Trauerfeiern Beachtung gewonnen, befördert natürlich auch durch die anhaltende Abwendung der Menschen vor allem von den christlichen Großkirchen. In NRW bietet der HVD folgende religionsfreie Feierrituale an:

– Namensfeiern zur Geburt (anstelle einer Taufe)
– Jugendfeier (früher Jugendweihe)
– Weltliche Trauungszeremonien
– Weltliche Trauerfeiern
– Toten-Gedenkfeiern
– Feiern zum Jahreszeiten-Wechsel (Sonnenwende).

Neben einer persönlich gehaltenen Rede kommen an Ritualen in Frage:

Namensfeier
Wunschmusik, symbolische Aufnahme des neuen Erdenbürgers in die menschliche Gemeinschaft durch „Kreisbildung“, Steigenlassen von Luftballons mit guten Wünschen für den neuen Erdenbürger.

Jugendfeier
Seit vielen Jahren finden in auch Wuppertal am 2. Sonntag im Mai traditionell Jugendfeiern statt, die bisher gemeinsam von den Freidenkern Wuppertal und dem HVD Wuppertal angeboten werden. Dazu gibt es Vorbereitungswochenenden, wo die Jugendlichen sich mit eigenen Beiträgen auf die Feier vorbereiten. So ist dieses Fest inzwischen zu einer Feier der Jugendlichen selbst geworden, bei der auch die Verwandtschaft mit einbezogen wird.

Weltliche Trauungszeremonie
Vor allem hier haben in den letzten Jahren – meist über das Internet – Wünsche nach alternativen Zeremonien stark zugenommen. Neben einer persönlich gehaltenen Rede – auch mit durchaus lustigen Elementen –werden hier Elemente wie Entzündung einer Hochzeitskerze, Eheversprechen, Ringe- und Kusstausch angeboten.
Darüber stellt der HVD-NRW auch Urkunden aus, z.B. für das Stammbuch aus – verbunden mit dem Dienstsiegel -, was die Seriosität dieser Rituale unterstreicht.

Weltliche Trauerfeiern
Hier liegt zur Zeit noch eindeutig der Schwerpunkt der Arbeit. Neben einer persönlich gehaltenen Abschiedsrede ist es Ehrenkodex, dass keine christlichen Lieder vorgesungen und keine Gebete durch uns gesprochen werden. Klassische oder individuelle Musikwünsche berücksichtigen wir nach Möglichkeit, und statt eines Gebetes findet man immer ein passendes Gedicht, z.B. von Goethe, Hesse oder anderen Freigeistern.
Wenn jedoch einzelne Personen für sich unbedingt ein Gebet haben müssen, wird dieses in der Regel toleriert. Es ist zu bedenken, dass wir uns z.Zt. noch in einer Übergangsphase befinden, wo die Menschen sich allmählich an ein glaubensfreies Leben gewöhnen. Und da müssen wir es noch eine Zeitlang „aushalten“, dass die lange Tradition religiöser Rituale nicht von heute auf Morgen bei allen Menschen „abgeschaltet“ werden kann.

Toten-Gedenkfeiern
In Wuppertal – wie auch in anderen Städten – werden jährlich im November seit langem Gedenkfeiern durchgeführt. Dazu werden alle Angehörigen der im zurückliegenden Jahr bei Trauerfeiern verabschiedeten Menschen noch einmal zu einer gemeinschaftlichen Gedenkfeier eingeladen, an denen hier in Wuppertal durchschnittlich ca. 30 Personen teilnehmen. Zu einer kleinen Festrede, bei der der Verstorbenen gedacht wird, gibt es Live-Musik, und auch hier ist die Symbolik einer Kerzenentzündung für jeden Verstorbenen ein beliebtes Ritual.

Feiern zum Jahreszeiten-Wechsel
Sonnenwend-Feiern werden auch heute noch häufig praktiziert, z.B. bei den Naturfreunden zum 21. Juni und zum 21. Dezember. Auch RiBeL hat mit seinem Winterfest an diese Tradition angeknüpft.

So konnten die weltlichen Sprecher (z.B. des HVD-NRW) in den vergangenen Jahren wirksam dazu beitragen, den Menschen religionsfreies Gedankengut nahezubringen. Und dabei erleben wir immer wieder, wie fasziniert die Menschen von weltlich-humanistischem Gedankengut und von der einfachen Erklärung naturwissenschaftlicher Zusammenhänge sind.

Und nichts lieben die Menschen so sehr wie Feiern und Zeremonien – denn sie gehören seit Menschengedenken zum Leben dazu!

von Jürgen Köster, im März 2015

Religionsfreie in Wuppertal

Zahlen Wpt

Anfang 2014 hat sich RiBeL in der Alten Feuerwache in Wuppertal gegründet, um ein Forum zu schaffen zum Austausch für alle, die keiner Religionsgemein-schaft angehören, aber in Politik und Gesellschaft gehört werden wollen.

In Wuppertal liegt der Anteil der Konfessionsfreien bei 27% (Stand 2015: 30%). In den umliegenden Städten sieht es ähnlich aus und in Düsseldorf beträgt die Quote bereits über 50%.

Leider wird diesem Umstand in der Politik kaum Rechnung getragen; so sind konfessionsfreie Interessen nicht recht repräsentiert. RiBeL will auf diese Tatsache aufmerksam machen und tritt für Säkularisierung und Trennung von Staat und Religionsgemeinschaften ein.

Weltansch TorteWir sind an humanistischen und demokratischen Werten orientiert und offen für Menschen, die sich mit den Themen „Religion“ und „Kirchen“ kritisch auseinandersetzen wollen, wie Agnostiker, Atheisten und all diejenigen, denen Selbstbestimmung, Selbstverantwortung, Transparenz und Aufklärung wichtig sind.

Nähere Infos und Einladungen gibt es hier.

RiBeL-Winterfest 2015


Am Sonntag, 21. Dez. 2014, feierten Freunde und Besucher des RiBeL-Forums gemeinsam das erste freigeistige RiBeL-Winterfest in Wuppertal.

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Die gut besuchte Veranstaltung in der Gaststätte SPUNK hatte es in sich: Gitarre life, mit Gesang und kurzen Vorträgen. Ein Höhepunkt war der mittelalterliche „Schwertkampf“ zweier Freunde. Zum RiBeL-Winterfest genossen die Freigeister mit Kaffee und Kuchen sowie Bier und Buletten den schönen Jahresausklang zur Sonnenwende, die auch bei Wuppertaler Freidenkern und Freigeistern eine lange Tradition hat.

Schon seit Jahrtausenden gedachten viele Kulturen der Welt das astronomische Ereignis der Sonnenwende – auch in Deutschland und auch die Brukterer im Bergischen Land. Nach ihrer „Christianisierung“ ab dem 8./9. Jahrhundert feierten die Brukterer dann Weihnachten – zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende. Zuvor hatte im 4. Jahrhundert der römische Christen-Papst die Bedeutung der Feier zur Wintersonnenwende entdeckt und das Geburtsfest des vermeintlichen Erlösers in diese Zeit gelegt.

P1010679In Wuppertal haben freigeistige Zusammenkünfte eine eigene Tradition, die mit dem RiBeL-Winterfest aufgegriffen wird. So führen die Freidenker und die Mitglieder des Humanistischen Verbandes (HVD) in Wuppertal seit vielen Jahrzehnten ihre alljährliche Jugendfeier durch sowie weltlichen Hochzeiten, Namensfeiern und auch Trauerfeiern und das Humanistische Totengedenken.

Das erste RiBeL-Jahr geht bald zu Ende. Mit regelmäßigen Treffen, den RiBeL-Foren, und einigen weiteren Aktivitäten war dieses erste Jahr gut genutzt. Das RiBeL-Winterfest gab einen Anlass mit Stolz darauf zurück zu schauen und weiterhin gute Zusammenarbeit zu verabreden.