„Moses“ jetzt auch in Dortmund

Vom 23.-25. Juni ist „Moses“ in Dortmund zu sehen, weil 2019 dort ein evangelischer Kirchentag stattfinden soll. Tja, warum nicht; jedoch will der Stadtrat von Dortmund am 25. Juni. über eine finanzielle Bezuschussung in Höhe von 2,7 Mio. € abstimmen. Tja, warum nicht; jedoch ist es wichtig sich klar zu machen, wer die Musik bestellt und wer sie bezahlt. Daher also ist „Moses“ in Dortmund zu sehen – ähnlich wie in neulich in Münster – und verkündet erneut das 11te Gebot, das da lautet: „Du sollt deinen Kirchentag selbst bezahlen!“ (www.11tes-gebot.de)

Religion ist nicht vergleichbar mit Sport- und Kulturförderung

Häufig wird der Forderung, die Subventionierung von Kirchentagen einzustellen, entgegengehalten, dass der Staat dann auch Kultur und Sport nicht fördern dürfe. Doch diese Ansicht verkennt, dass Religionen und Weltanschauungen einen Spezialfall bilden: Während die Schaffung kultureller Einrichtungen in § 8 Absatz 1 der Gemeindeordnung von NRW ausdrücklich erwähnt wird – würde die Förderung konfessioneller Glaubensfeste dem Verfassungsgrundsatz der Trennung von Staat und Kirche widersprechen: „Der Gedanke der Fürsorge des Staates in Glaubensangelegenheiten ist dem Grundgesetz fremd.“ (Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts, Band 44, S. 37 [52 f.])

Auch das Bundesverwaltungsgericht hat hervorgehoben, dass das Neutralitätsgebot mit wachsender kultureller und religiöser Vielfalt und bei einem sich vergrößernden Anteil bekenntnisloser Menschen zunehmend an Bedeutung gewinne. Die tradierte Praxis der einseitigen Bevorzugung der christlichen Kirchen muss daher einer konsequenten Trennung von Staat und Kirche weichen. Auch die Säkularisation ist eine Säule unserer Werteordnung – höhlen Sie die weltanschauliche Neutralität nicht aus, indem Sie das Grundgesetz gerade da missachten, wo es besonders darauf ankommt: Bei der Finanzierung! hier mehr dazu

P.S.: Für Wuppertal wird’s auch interessant, wenn die Stadtkasse von der ev. Kirche zur Kasse gebeten würde. Dies könnte etwa geschehen für den nicht bestellten Titel „Reformationsstadt“. Oder wenn die Stadt Wuppertal auf dem sog. „Europäischen Stationenweg“ zu einem Netzwerk der Reformationsstädte verbunden werden soll.

Und falls jemand das für eine Erfindung von Gottlosen halten sollte, so ist im Klartext zu lesen: „Der Reformator Martin Luther und seine Wirkungsstätten werden bereits jetzt für den 500. Jahrestag der Reformation 2017 fleißig vermarktet. Zur großen Reformations-PR-Maschinerie gehört auch der Titel ‚Reformationsstadt Europas‘, der bedeutenden Städten mit historischem Bezug zur Reformationszeit schon jetzt von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) mit Sitz in Wien verliehen wird. Am Ende soll ein ‚Europäischer Stationenweg‘ die Reformationsstädte zu einem gesamteuropäischen Netzwerk verbinden. Reformationsgeschichte zum Pilgern und für Touristen, sozusagen. Unter anderem zählen bereits Speyer und die Lutherstadt Wittenberg, Wuppertal, Zürich, Straßburg und das finnische Turku zu den ‚Reformationsstädten Europas‘.“

Aber noch taucht der Name Wuppertal nicht unter den Geldgebern auf. Vielleicht ist ja für dieses Projekt die Stadtkasse geschlossen?!

Was kostet Wuppertal die „Reformationsstadt“?


Neulich wurde die Reformation in Wuppertal entdeckt, genau genommen nicht IN sondern eigentlich FÜR Wuppertal (1). Nach dem Mikrozensus 2011 leben somit über 200.000 Menschen unter dem Label „Reformationsstadt“, ohne dass sie damit weiter etwas zu tun hätten: 80.000 Katholiken, 20.000 Muslime, 10.000 Orthodoxe, ferner einige Tausend Juden, Buddhisten und andere und dann auch noch 90.000 konfessionsfreie Menschen. Rund zwei Drittel der Bevölkerung in Wuppertal sind also Nicht-Lutheraner.

Refo-Stadt AusfahrtEs ist nicht bekannt, inwieweit an dieser Entdeckung auch Wuppertaler/innen beteiligt waren. Jedenfalls will die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) „das erlebnisreiche Zusammenspiel von Kunst, Kultur und Spiritualität [unterstützen] und fördert Geschichtsabenteuer und Tourismus in den Städten der Reformation.“ Dazu bietet die GEKE teilnehmenden Städten die „Nutzung der Wort-Bild-Marke ‚Reformationsstadt Europas’” an. (2)

Was kostet die Nutzung dieses Labels wohl?
Zur Förderung von „Geschichtsabenteuern“? Man darf letztlich gespannt sein, aus welchem Etat die klamme Stadtkasse die „Lizenzgebühr“ abzweigen wird. Welche Ratsfraktion hat den Mumm, diese Sache zum Thema zu machen?

Erst kürzlich sind einige Tausend Wuppertaler/innen der Intoleranz entschlossen entgegen getreten. Da hatten Salafisten und selbst ernannte Retter des „christlichen Abendlandes“ öffentlich provoziert. Die Betonung religiöser Identität verträgt sich nicht gut mit Weltoffenheit.

Die Stadt hat auch in ihrer Geschichte eine ansehnliche Reihe von Frauen und Männern hervorgebracht, die sich um die Aufklärung und den Humanismus verdient gemacht haben. Manche Namen dürften gut bekannt sein. Sie sind für freidenkerische und freigeistige Ideale unerschrocken eingetreten und mussten dafür oft Verfolgung und andere Nachteile in Kauf nehmen.

Wuppertal humanistischEingedenk dieser Wuppertaler/innen könnte auch der Namenszusatz „Stadt des Humanismus“ ein Ansporn sein und Vorbilder öffentlich in Erinnerung rufen. Die Nutzung dieses Labels wäre am Ende kostenlos.


(1) www.evangelisch-wtal.de/index.php/aktuelle-meldungen-leser/auszeichnung.html
(2) www.reformation-cities.eu